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Neue Funktionen in SDL Trados Studio 2017

Die neue Version des CAT-Tools SDL Trados Studio steht vor der Tür. Die voraussichtlich in den nächsten Wochen verfügbare Software wird neben den bewährten Funktionen auch viele neue Funktionen bzw. Funktionsverbesserungen bringen. Hier ein kurzer Ausblick auf nur einige dieser Neuerungen:

Zusammenführen von Segmenten, die durch Absatzmarken getrennt sind

Wenn Sätze oder andere Sinneinheiten durch Interpunktion oder Formatierung in mehrere Segmente aufgeteilt sind, ergeben sich Segmentpaare, die so nicht mehr wiederverwendet werden können und die Qualität des Translation Memorys beeinträchtigen. Bisher war es lediglich möglich, Segmente zusammenzuführen, die durch falsche Interpunktion, Softbreaks usw. getrennt waren. Befanden sich Absatzmarken zwischen den Teilen, war nichts zu machen.
Die 2017er-Version von SDL Trados Studio schafft hier Abhilfe. Nun ist auch das Zusammenführen von Segmenten über Absatzmarken hinweg möglich. Selbst Umbrüche stellen kein Hindernis dar. Erforderlich ist lediglich, dass die Funktion zum Ändern des Ausgangstexts aktiviert ist.

Erweiterter Anzeigefilter und Suchfunktionen

Bislang konnten über den Anzeigefilter Inhalte immer nur entweder in der Ausgangssprache oder in der Zielsprache gefiltert werden. Im neuen Studio lassen sich Begriffe nun gleichzeitig in beiden Sprachen suchen und selbst Tags sind durchsuchbar. Neuerdings lassen sich neben Inhalte auch Formatierungen filtern, sodass beispielsweise nur alle Überschriften, Auflistungen usw. angezeigt werden können.

Fragment-Matches

Neben den Segmentvorschlägen aus dem Translation Memory, der Anzeige der Einträge aus der Multiterm-Datenbank und der automatischen AutoSuggest-Funktion stehen mit SDL Trados Studio 2017 nun auch Fragment-Matches zur Verfügung. Dabei ergänzt das Programm selbsttätig bereits übersetzte Teilsätze, Nebensätze und ähnliches.

Fuzzy-Reparatur

Mit einer neuen Funktion können nun Fuzzy-Matches durch andere Übersetzungsquellen, wie etwa die Multiterm-Datenbank, „repariert“ werden, d. h. Satzteile werden im Übersetzungsvorschlag automatisch ergänzt bzw. Termini selbsttätig ersetzt. Dadurch können aus durchschnittlichen Match-Werten oftmals nahezu einwandfreie Segmentübersetzungen generiert werden.

Für meinen Teil bin ich auf jeden Fall sehr gespannt auf das neue SDL Trados Studio 2017 und freue mich bereits darauf, alle neuen Funktionen und Verbesserungen selbst ausprobieren zu können.

Das Muttersprachlerprinzip – was dahintersteckt

Auf den Websites von Übersetzungsagenturen oder anderen Übersetzungsdienstleistern liest man oft Schlagworte wie „Muttersprachprinzip“, „Vier-Augen-Lektorat“, „Zertifizierte Qualität“ und und und. Wenn Sie nicht gerade selbst aus der Übersetzungsbranche kommen, werden Sie eventuell nicht immer wissen, was damit genau gemeint ist. Was Ihnen die Anbieter sagen möchten und wie viel Substanz tatsächlich dahintersteckt, möchte ich Ihnen hier und in den folgenden Posts an ein paar Beispielen zeigen.

Muttersprach(ler)prinzip

Was es heißen soll: Die eingesetzten Übersetzer sind Muttersprachler der Zielsprache, d. h. dass ein Text, den Sie auf Englisch benötigen, von einem englischen Muttersprachler bearbeitet wird. Diesem Prinzip liegt die Annahme zugrunde, dass man sich in seiner Muttersprache am besten ausdrücken kann, weshalb auch die Übersetzungsqualität bei einer Übersetzung in die Muttersprache besser ist, als wenn in die Fremdsprache übersetzt wird.

Wie die Realität aussieht: Wenn Sie selbst eine Fremdsprache sprechen, werden Sie wissen, dass Sie sich eventuell nicht ganz so geschliffen ausdrücken können wie in Ihrer Muttersprache, insbesondere dann, wenn Sie sich mit einem Muttersprachler vergleichen. Das Muttersprachprinzip ist also nicht ganz von der Hand zu weisen. Es gibt allerdings einige Punkte, die beachtet werden sollten.

1) Textverständnis: Was hilft es dem Übersetzer, wenn er einen sprachlich einwandfreien Zieltext produziert, der inhaltlich falsch ist, weil die Aussage des Ausgangstexts auf sprachlicher Ebene nicht verstanden wurde? Hätte hier ein Muttersprachler der Ausgangssprache den Text nicht vielleicht besser erfasst und dann korrekt übertragen?

2) Sprachniveau: Sprechen Sie genauso gut Deutsch wie Ihr Kind, Ihr Professor, Ihr Paketbote, Ihr Arzt oder Ihre Frisörin? Wieso ich das frage? Die Chance besteht, dass alle genannten Personen eines gemeinsam haben: die Muttersprache. Jeder hat eine Muttersprache. Diese allein ist aber kein Zeichen von Qualität.

3) Sachkenntnis/Fachjargon: Nehmen wir jetzt aber mal an, das muttersprachliche Niveau des Übersetzers ist ausreichend hoch. Um eine vernünftige Übersetzung erstellen zu können, sind aber noch mehr Dinge gefragt. Der Übersetzer muss wissen, worum es geht. Wenn Sie technische Dokumentation übersetzen, müssen Sie wenigstens ein grundlegendes, meist aber ein profundes Wissen über das jeweilige technische Fachgebiet haben. Auch muss bekannt sein, wie man sich in einer Branche bzw. in einer bestimmten Textsorte (Anleitung, Korrespondenz, Ausschreibungen usw.) ausdrückt. Die Muttersprache allein gibt einem das nicht mit.

Fazit: Das Muttersprachprinzip ist zwar sinnvoll, reicht allein aber bei weitem nicht aus, um eine brauchbare Übersetzung zu gewährleisten. Vielmehr sind zusätzlich ein bestimmtes Sprachniveau, profunde Kenntnisse der Fremdsprache, viel Sachkenntnis und vieles mehr gefragt, die oftmals ein Übersetzer, der in die Fremdsprache übersetzt, ebenso oder manchmal sogar insgesamt besser bieten kann.

Kundenumfrage 2015 – Ergebnisse

Ich bin jemand, der es immer möglichst genau wissen möchte. Das gilt nicht nur für inhaltliche Fragen bei Übersetzungsprojekten. Wie sehen mich meine Kunden? Wie zufrieden sind sie mit meiner Leistung? Was kann ich noch für meine Kunden tun? Zwar bin ich als freiberuflicher Übersetzer recht nah an meinen Kunden dran, doch ist das Bild, das man sich selbst macht, in der Regel sehr subjektiv. Das wollte ich ändern und habe daher vor einigen Wochen meine erste Kundenumfrage gestartet. Die Umfrage ist mittlerweile abgeschlossen und ich möchte allen Teilnehmern und allen anderen Interessierten hiermit die Ergebnisse vorstellen.

Rahmendaten der Umfrage

31 Personen, alles Ansprechpartner bei Kunden, hatten die Möglichkeit teilzunehmen. Mein Kundenstamm setzt sich dabei aus verschiedenen Arten von Kunden zusammen, wobei Übersetzungsagenturen bzw. Übersetzungsbüros einen großen Anteil ausmachen. Die tatsächliche Beteiligung lag schließlich bei etwas unter zwei Dritteln (64 %). Das ist meiner Meinung nach ein beachtlicher Wert, mit dem ich sehr zufrieden bin. An dieser Stelle nochmal vielen Dank für die rege Beteiligung! Wenn Ihnen das Ausfüllen des Online-Fragebogens so viel Spaß gemacht hat, dass sie ihn mehrfach beantwortet haben, dann haben Sie mich ganz schön ausgetrickst. Die Anonymität der Umfrage machte das theoretisch möglich.

Jetzt aber zu den Ergebnissen der Umfrage. Für einen besseren Überblick können Sie die Umfrageergebnisse auf folgender Website einsehen:

https://de.surveymonkey.com/results/SM-RJBC7CYQ/

Für diejenigen unter Ihnen, die wenig Zeit haben, hier eine kurze Zusammenfassung: Die Zufriedenheit mit mir als Dienstleister sowie mit meinen Übersetzungs- und sonstigen Leistungen war gut bis sehr gut. Kunden sehen mich in erster Linie als Übersetzer für technische Texte, der aber vielseitig auch in anderen Bereichen einsetzbar ist. Dienstleistungen über das aktuelle Angebot hinaus sind nur mäßig nachgefragt, gleiches gilt für Zertifizierungen. Alle Befragten, die an der Umfrage teilgenommen haben, sind mit mir als Dienstleister sehr zufrieden und würden mich weiterempfehlen. Hier nun die Ausführungen im Detail:

Stärken als Dienstleister

Die erste Frage betraf meine Eigenschaften als Dienstleister, praktisch meine Softskills. Der persönliche Umgang mit den Kunden, das professionelle Auftreten, die Erreichbarkeit und Reaktionsschnelligkeit, die Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit wurden allesamt als sehr gut bewertet. Ebenfalls sehr gut bis gut, aber im Vergleich etwas schwächer, schnitten die Verfügbarkeit und die Preispolitik ab.

Auf die Verfügbarkeit möchte ich kurz eingehen. Als freiberuflicher Übersetzer bin ich die einzige Arbeitskraft in meinem Unternehmen. Wenn Sie mich in meinen Sprachkombinationen (Englisch-Deutsch, Spanisch-Deutsch und Französisch-Deutsch) beauftragen, können Sie sich sicher sein, dass ich Ihren Auftrag persönlich bearbeite und meine ganze Energie in Ihr Projekt stecke. So bleibt es leider nicht aus, dass ich gelegentlich ausgebucht bin und Aufträge nicht zu den gewünschten Terminen übernehmen kann. In der Regel werde ich Ihnen dann Alternativtermine vorschlagen bzw. bei Bedarf einen passenden Kollegen empfehlen. Mir ist bewusst, dass das für Sie nicht immer zufriedenstellend ist.

Hohe Zufriedenheit mit meinen Leistungen

Die zweite Frage drehte sich um die Zufriedenheit mit den einzelnen, von mir angebotenen Leistungen. Da nicht alle meine Kunden auch alle Dienstleistungen in Anspruch nehmen, ist der Anteil der „Weiß nicht“-Antworten teilweise recht groß. Die übrigen Antworten zeigen aber auch hier eine allgemein sehr hohe Zufriedenheit mit meinen Leistungen in den Bereichen Übersetzung, einsprachiges Lektorat, Übersetzungslektorat, Terminologiearbeit, Lieferantenbewertung und Projektmanagement.

Wie ich im Nachhinein erfahren habe, war es einigen Umfrageteilnehmern nicht ganz klar, was mit dem Punkt „Lieferantenbewertung“ gemeint war. Das hätte zugegebenermaßen weiter ausgeführt werden können. Das möchte ich hiermit nachholen. Im Rahmen meiner Lektorats- und Korrektoratstätigkeit für einige meiner Agenturkunden führe ich auch Lieferantenbewertungen durch. Das bedeutet, dass ich die Übersetzungsleistung eines Kollegen mit meinen Sprachkombinationen nach bestimmten Kriterien bewerte und dem jeweiligen Kunden dann ein Feedback gebe. Dies betrifft sowohl die Prüfung neuer Dienstleister als auch die bestehender Übersetzer. Dabei bemühe ich mich stets um Fairness und berücksichtige ebenfalls eventuelle Erschwernisse. Auch die Art der Auswertung der gefundenen Mängel durch den Auftraggeber habe ich allerdings keinen Einfluss.

Übersetzungsqualität

Um die verschiedenen Qualitätsaspekte bei Übersetzungen drehte sich die dritte Frage. Rechtschreibung und Zeichensetzung, Stil, Sachkenntnis und die Einhaltung formaler Kriterien, wie etwa Längenbegrenzungen und Tags, wurden allgemein gut bis sehr gut bewertet. Beim Stil fiel das Ergebnis etwas schwächer, aber immer noch sehr positiv aus. Das ist bei einem auf technische Texte spezialisierten Übersetzer ein beachtliches Ergebnis.

Der Mann für technische Texte

Die nächste Frage habe ich ganz speziell gestellt. Sie lautete „Für welche Art von Projekten eigne ich mich Ihrer Meinung nach besonders bzw. wo denken Sie: “Das wäre etwas für Herrn Tejera.”?“ Es ging also um Ihre subjektive Meinung bzw. um das, was Sie mit mir bewusst oder unterbewusst verbinden. Nicht überraschend war das überwältigende Ergebnis bei „Technische Texte“. Dieser Meinung waren fast 95 % aller Befragten. Was mich dann doch etwas verblüffte waren die relativ häufigen Nennungen von Marketingtexten (über 50 %) und Eilaufträgen (über 60 %). Die Pointe ist jedoch das 0-%-Ergebnis für „Vertragstexte“. Da habe ich wohl den einen oder anderen Vertragstext zu oft abgelehnt. Von den Kunden, für die ich bereits Vertragstexte übersetzt habe (das sollten etwa die Hälfte sein), habe ich allerdings noch nie eine negative Rückmeldung gehört. Nun gut, mir steht eben „Technik“ auf die Stirn geschrieben und es gibt Kollegen, die sich über Vertragstexte auch mehr freuen, als ich es tue.

Angebotspalette

Meine derzeitigen Kunden scheinen mit meinem aktuellen Leistungsangebot recht zufrieden zu sein. Als mögliche weitere Dienstleistungen hatte ich Fremdsprachensatz, Dateivorbereitung in Word, Layoutnachbereitung in Word, Post-Editing und Copywriting zur Auswahl gestellt. Die große Begeisterung blieb aus, lediglich bei der Layoutnachbereitung in Word, dem Post-Editing und dem Copywriting schien gewisses Interesse zu bestehen. Zum jetzigen Zeitpunkt kann ich bereits Layoutnachbereitungen in Word anbieten. Post-Editing und Copywriting waren eher auf die Zukunft angelegte Themen. Wenn Sie an einer bestimmten Dienstleistung Interesse haben, zum Beispiel an der Layoutnachbereitung in Word, dann melden Sie sich bei mir. Dann können wir besprechen, ob und wie das sinnvoll möglich ist.

Mäßiges Interesse an Zertifizierungen

Das Interesse an Zertifizierungen, sowohl ISO 9001:2015 (Qualitätsmanagement-Systeme) als auch ISO 17100 (Übersetzungsdienstleistungen), hielt sich ziemlich in Grenzen, mit leichter Tendenz in Richtung ISO 17100. Das ist wohl in erster Linie der Zusammensetzung meines Kundenstamms geschuldet, zu dem recht viele Übersetzungsdienstleister gehören, die ihrerseits ohnehin schon nach ISO 17100 (bisher DIN EN 15038) arbeiten.

Allgemeine Zufriedenheit

Die letzten beiden Fragen bezogen sich auf die allgemeine Zufriedenheit und die Wahrscheinlichkeit einer Weiterempfehlung meiner Leistungen. Hier möchte ich mich ganz herzlich für die jeweils 100 % (!!!) bedanken.

Wenn Sie noch Fragen zu der Umfrage haben oder mir eine andere Rückmeldung geben möchten, stehe ich Ihnen auf den gewohnten Kanälen zur Verfügung. Nochmals vielen Dank.

Kundenpflege in München

Nach längerer Zeit melde ich mich wieder über meinen Blog. Die letzten Monate haben viele spannende Aufträge, interessante Kontakte, neue Kunden und vieles mehr gebracht. Zu den Höhepunkten in dieser Zeit gehört für mich auf jeden Fall auch meine Geschäftsreise nach München vom 7. bis 9. Oktober. Hier dazu nur ganz kurz:

Warum ich nach München gefahren bin? Um Akquise ging es mir auf jeden Fall nicht. In den zweieinhalb Tagen, die ich in der bayerischen Landeshauptstadt verbracht habe, habe ich drei Unternehmen besucht, für die ich bereits arbeite. Außerdem hat es glücklicherweise auch noch für einen Kaffee mit einer lieben Übersetzerkollegin gereicht, die ich längere Zeit nicht gesehen hatte. Ich wollte meine Ansprechpartner bei den Unternehmen, mit denen ich teilweise schon jahrelang mehrmals in der Woche zu tun habe, einfach mal (besser) kennenlernen. Man spricht ganz anders mit einem Menschen, wenn man ein Gesicht vor Augen hat und weiß, wie der andere so tickt. Gerade in Geschäftsbeziehungen finde ich das sehr wichtig, da man so potentielle Missverständnisse von vornherein vermeiden kann.

So habe ich viele nette Menschen mit spannenden Lebensläufen kennengelernt, über gemeinsame Projekte gesprochen, getratscht und gelacht. Es war ein schönes Erlebnis, das ich gerne bald mal wiederholen möchte. Mal sehen, wohin mich meine nächste Geschäftsreise führt…

Demnächst an dieser Stelle hoffentlich wieder mehr aktuelle Beiträge von mir.

Schöne Grüße

Florian Tejera

Aktueller Stand des Mentoring-Programms des BDÜ NRW

Seit diesem Jahr gibt es auch im Landesverband Nordrhein-Westfalen des BDÜ (Bundesverband der Dolmetscher und Übersetzer e.V.) ein Mentoring-Programm für Dolmetscher und Übersetzer. Mit diesem Programm erhalten Berufseinsteiger die Möglichkeit, am Anfang ihrer Selbstständigkeit von den Erfahrungen und dem Wissen erfahrener Kollegen zu profitieren. Dabei kann es um Akquise, Preiskalkulation, Projektmanagement, Umgang mit Kunden, Reklamationsmanagement, Steuerfragen, Vereinbarkeit von Familie und Beruf und viele weitere Themen gehen.

Als zuständiger Referent des Mentoring-Programms in NRW bin ich hautnah dabei und freue mich, dass sich das Programm mittlerweile sehr gut entwickelt. Daher möchte ich Ihnen gerne kurz den aktuellen Stand vorstellen.

Für jeden Mentee den passenden Mentor

Nach einem anfänglich schleppenden Start haben sich mittlerweile sieben Mentoring-Paare in ganz NRW zusammengefunden, ein achtes Paar steht hoffentlich kurz davor. Die Rückmeldungen der Mentees sind bisher durchweg sehr positiv. Eine junge Kollegin meinte sogar, dass sie nicht gedacht hätte, dass es einen dermaßen perfekt auf sie passenden Mentor geben könnte. Einen geeigneten Mentor für einen bestimmten Mentee zu finden ist nicht immer ganz leicht, weshalb ich mich besonders freue, dass es bisher größtenteils sehr gut klappt.

Mentoren gesucht

Aktuell bin ich auf der Suche nach wenigstens zwei weiteren Mentoren bzw. Mentorinnen, die gerne jeweils eine junge Kollegin betreuen möchten. Es geht um ganz allgemeine Fragen zur Selbstständigkeit, wie etwa darum, wie man an neue Kunden kommt, wie man Preise verhandelt, Angebote erstellt, mit CAT-Programmen arbeitet usw. Das sollte für die meisten Kollegen, die seit mehreren Jahren erfolgreich aktiv sind, kein Hexenwerk sein. Interessierte können sich gerne HIER über das Mentoring-Programm informieren. Oder schicken Sie einfach eine E-Mail an:
nw.mentoring@bdue.de.

Schöne Grüße

Florian Tejera Valenzuela
Referent des Mentoring-Programms des BDÜ NRW

Rezension – „Technische Dokumentation richtig und benutzerfreundlich übersetzen“

Jede Branche hat ihre eigene Sprache. Das merkt man schnell, wenn man sich aus dem eigenen Fachgebiet herausbewegt. Dann beginnt bei manch einem die Rutschpartie. So geht es auch vielen Technikübersetzern, wenn sie mit Texten aus der Juristerei, Marketing, Kunst und sonstigen Bereichen konfrontiert werden. Natürlich ist die Terminologie eine andere, aber auch sprachliche Konventionen und der Stil sind teilweise völlig verschieden. Umgekehrt ist es genauso. Zwar hat jeder schon einmal eine Bedienungsanleitung oder ähnliches in der Hand gehalten, doch in diesem Bereich zu übersetzen, fällt einem Übersetzer, der technische Texte nicht gewohnt ist, manchmal dennoch ziemlich schwer.

In diesen Fällen kann eventuell das kürzlich beim Fachverlag des BDÜ erschienene Buch „Technische Dokumentation richtig und benutzerfreundlich übersetzen“ von Manfred Braun weiterhelfen. Der Autor ist langjähriger Technikübersetzer und kommt dazu noch aus der technischen Redaktion, sodass er das Thema von zwei Seiten beleuchten kann. Das war interessant genug für mich, mir dieses Buch zu kaufen, auch wenn ich schon seit mehreren Jahren in der technischen Übersetzung tätig bin.

Überblick

Der Autor gibt zunächst einen umfangreichen Überblick über die verschiedenen Erscheinungsformen technischer Dokumentation, was Betriebsanleitungen, Stücklisten, Datenblätter, Qualitätsmanagementhandbücher, technische Zeichnungen, Verkaufsunterlagen und vieles mehr umfassen kann. Er beleuchtet zudem die besonderen Spielarten, auf die man etwa im Kraftfahrzeugbereich, der Luftfahrt oder im militärischen Bereich trifft.

Es folgt ein ausführliches und für mich sehr interessantes Kapitel zur Maschinenrichtlinie, der Bibel (mindestens!) der technischen Redaktion.

Nach der Beschreibung verschiedener Dateiformate und Datenträger, auf der technische Dokumentation kommen kann, sowie einer Beschreibung der Gliederung einer Bedienungsanleitung, geht es an den Kern der Sache: die Besonderheiten der Sprache in der technischen Dokumentation. Der Autor beschreibt eingehend, welchen Schwierigkeiten sich Technikübersetzer oftmals gegenüber sehen. Zu den behandelten Themen gehört unter anderem die Modularisierung technischer Dokumentation, bei der nicht mehr vollständige Anleitungen übersetzt werden, sondern nur noch die noch nicht in der Zielsprache vorliegenden Teile (Module). Außerdem werde kontrollierte Sprachen, maschinelle Übersetzung, die Verwendung der „Sie“- vs. der Infinitivform bei Handlungsanweisungen, unterbrochene Satzstrukturen, Terminologie und viele weitere Themen besprochen.

Meine Meinung zum Buch

Mein erster, recht subjektiver Eindruck war: „Ganz schön dünn.“ Für mehr oder weniger den gleichen (durchaus niedrigen) Preis habe ich beim Fachverlag des BDÜ, bei dem auch das hier besprochene Buch erschienen ist, schon Bücher gekauft, die viermal so dick waren. Daher war ich kurz überrascht. Aber ich versuche möglichst, nicht vom Äußeren auf das Innere zu schließen. Das wäre auch ein Fehler, denn das Buch ist klein, hat es aber durchaus in sich!

Sehr schön fand ich…

  • Die Liste mit den H- und P-Sätzen, mit der die eine oder andere Recherche unnötig wird.
  • Die Übersicht über den Aufbau von Sicherheitsdatenblättern.
  • Die neutrale Betrachtung maschineller Übersetzung, die auch die Vorteile hervorhebt, die diese Entwicklung unter bestimmten Umständen durchaus hat.
  • Der umfassende Überblick über das Thema, der gerade für Einsteiger sehr nützlich ist und grundlegende Fragen sehr ausführlich und eingehend beantwortet.
  • Einige nützliche Links, wie etwa zu intelliwebsearch.com oder sapterm.com, die auch für den Profi hilfreich sind.

Weniger schön fand ich… (Ich möchte es nicht als Verriss verstehen, dass ich mehr über die negativen als über die positiven Punkte schreibe.)

  • Die starke Fokussierung auf den Aufbau technischer Dokumentation: Ein guter Teil des Buchs beschäftigt sich mit Dingen, die eher für technische Redakteure als für Übersetzer interessant sind. Bei dem Titel „Technische Dokumentation richtig und benutzerfreundlich übersetzen“ hätte ich mir eine stärkere Konzentration auf übersetzungsrelevante Aspekte gewünscht. Über 50 der etwa 120 Seiten beschäftigen sich mit Aspekten, die mit dem Übersetzen technischer Dokumentation, außer dass es eben um technische Dokumentation geht, nur sehr wenig zu tun haben. Das ist sicher dem Hintergrund des Autors geschuldet, ist aber für den einen oder anderen Leser sicher etwas enttäuschend.
  • Kleinere Fehler, insbesondere in dem Kapitel zu den Dateiformaten, die zwar meistens nicht gravierend sind, aber dennoch stören (XML-basiertes Dateiformat *.docx nicht erst seit Word 2013, sondern seit Word 2007, *.idml seit der InDesign-Version CS4 und nicht CS5).
  • Fehlende Informationen, die aus Übersetzersicht hilfreich gewesen wären: So gibt es keinen Hinweis darauf, wie Dateien aus Quicksilver übersetzt werden, obwohl bei anderen Dateiformaten ein solcher Hinweis vorhanden ist (Interessierte können sich gerne bei mir melden). Bei XML-Dateien wird mit keinem Wort auf die Anpassung der Parser-Einstellungen eingegangen. Bei der Behandlung der Redaktions- und Content-Management-Systeme werden weder der Export in XML noch andere Übersetzungsmöglichkeiten erwähnt usw.
  • Bei den sprachlichen Aspekten driften die Erläuterungen öfter in die Aufgabengebiete von technischen Redakteuren ab. Als Übersetzer hat man sehr oft nicht die Möglichkeit, die durchaus sinnvollen Vorschläge umzusetzen bzw. der Kunde wäre nur sehr schwer davon zu überzeugen, den erforderlichen Mehraufwand auch zu bezahlen. Das ist etwa der Fall, wenn es darum geht, die Unterbrechungen der Satzstruktur zu beheben, die durch eingefügte Aufzählungen entstehen. Ein weiterer Fall wäre die chronologische Beschreibung der Ereignisse. Wenn das Geschehen in einem Satz beschrieben wird, dann ist das kein Problem. Wenn die Sätze aber jeweils abgeschlossen sind, womöglich mit Absatzzeichen dazwischen, wird es zumindest bei der Bearbeitung mit CAT schon umständlich.
  • Eine meines Erachtens zu einfache Einteilung in Richtig und Falsch.

Fazit

Das Buch ist vor allem für Neulinge auf dem Gebiet der technischen Übersetzung nützlich und eine wertvolle Hilfe. So können sie lernen, worauf besonders geachtet werden muss und wie besondere Stilmittel korrekt übersetzt werden. Ganz nebenbei lernen sie viel darüber, wie so mancher Kunde aus Maschinenbau und Co. tickt. Auch auf dem Gebiet erfahrenere Kollegen können sicher vom Buch profitieren, werden sich aber eventuell etwas mehr erwartet haben.

Ausblick auf SDL Trados Studio 2015

In wenigen Wochen kommt SDL Trados Studio 2015 heraus, die neue Version eines der am weitesten verbreiteten Werkzeuge in der Übersetzungsbranche. Da auch ich die Vorgängerversionen seit nunmehr 9 Jahren nutze, war ich besonders gespannt auf das Webinar „Fragen Sie Dr. Studio – Houston, neue Version ist im Anmarsch! Heute sehen was morgen drin ist“. Bei diesem Webinar stellte Jerzy Czopik, alias „Dr. Studio“, ein erfahrener Übersetzer, langjähriger Trados- bzw. Studio-Trainer und Beta-Tester für SDL, einige der neuesten Features des bisher nur als Beta-Version vorliegenden Programms vor.

Hier ein kurzer Überblick über einige Funktionen, die mir als besonders bemerkenswert in Erinnerung geblieben sind:

  • Das bisher als Plugin verfügbare AnyTM, mit dem u. a. TMs mit umgekehrter Sprachrichtung in ein Projekt eingebunden werden konnten, ist nun standardmäßig in das Programm integriert.
  • Das Einfügen von Sonderzeichen und Symbolen ist deutlich einfacher (Einfügen über das Ribbon-Menü oder Tastenkombinationen).
  • Die Cursorposition wird beim Schließen eines Dokuments gespeichert, sodass beim erneuten Öffnen wieder das Segment aktiv ist, in dem sich der Cursor als letztes befand. Bisher werden Dokumente immer bei Segment 1 geöffnet.
  • Die Ribbon-Menüs können nahezu vollständig an die eigenen Bedürfnisse angepasst werden.
  • In Studio ist jetzt auch eine Autokorrektur im Stile von Word integriert, sodass zum Beispiel zwei aufeinanderfolgende Großbuchstaben am Anfang eines Wortes der Vergangenheit angehören. Außerdem werden Anführungszeichen bei der Eingabe automatisch typografisch angepasst, sodass sie den Vorgaben der jeweiligen Sprache entsprechen. Für mich eine großartige Neuerung!
  • Es gibt aktualisierte Dateitypen (für InDesign, Framemaker, Word usw.) sowie einige völlig neue Dateitypen, so etwa „Bilingual Excel“. Hier können Excel-Dateien eingelesen werden, in deren Spalten unterschiedliche Sprachen (also Übersetzungen) enthalten sind (z. B. in Spalte A Englisch und in Spalte B Spanisch). Es kann festgelegt werden, welche Spalte der Ausgangstext und welche der Zieltext sein soll. Bereits enthaltene Übersetzungen können übernommen und direkt bestätigt werden.

Die  zwei für mich schönsten Funktionen kommen jedoch erst noch:

  • Es wurde eine Art Live-AutoSuggest integriert, d. h. es werden Abschnitte von Segmenten vorgeschlagen, sobald man die ersten paar Buchstaben getippt hat. Hierfür ist es im Gegensatz zur herkömmlichen AutoSuggest-Funktion jedoch nicht erforderlich, extra eine AutoSuggest-Datenbank zu erstellen. Die Treffer kommen direkt und live aus dem TM. Gerade bei Verträgen und technischen Texten, wo sich oft Halbsätze wiederholen, ist das eine wunderbare Sache.
  • Seit einigen Jahren können aus einem Studio-Projekt Lektoratsdateien (Word-Dateien mit Tabellen) für eine externe Prüfung exportiert werden. Diese Funktion war nützlich, aber auch sehr umständlich und fehleranfällig. Jetzt soll es möglich sein, die Übersetzungsdateien direkt aus dem Zieltext heraus zu aktualisieren. So kann zum Beispiel der Endkunde direkt im Zielformat (welche Formate unterstützt werden, ist noch nicht ganz klar) Änderungen vornehmen und muss sich nicht mit Zwischenformaten herumärgern. Diese Änderungen können dann, nach einem Prüfungsschritt in der Alignment-Umgebung (es handelt sich im Grunde um einen Alignment-Prozess), direkt in die sdlxliff-Datei übernommen werden, wo sie als Änderungen gekennzeichnet werden.

Auch wenn einige der Funktionen schon in anderen CAT-Tools vorhanden sind, so bin ich durchaus beeindruckt und freue mich darauf, diese nun auch in dem Programm nutzen zu können, mit dem ich jeden Tag arbeite. Ich bin gespannt, was die Release-Version am Ende bieten wird.

Schöne Grüße
Florian Tejera Valenzuela

Lesenswerter Artikel zu übersetzungsgerechtem Schreiben

Jeder Übersetzer hat sich wohl bereits Gedanken über übersetzungsgerechtes Schreiben gemacht, spätestens dann, wenn er einen Text übersetzen soll, der nicht übersetzungsgerecht geschrieben ist. Unnötige Absätze, die Sätze trennen, inkonsistente Terminologie und vieles mehr machen einem das Leben schwer. Den Übersetzungskunden bzw. (technischen) Redakteur auf diese Mängel hinzuweisen ist oft schwierig, da das Gegenüber die Mängel oft nicht erkennt bzw. deren Folgen für die Arbeit des Übersetzers nicht abschätzen kann. Dabei trägt ein übersetzungsgerecht verfasster Text erheblich zu einer größeren Effizienz und Qualität bei. Kurzum: Die Übersetzungen werden schneller und billiger.

In der aktuellen Ausgabe des MDÜ – Fachzeitschrift für Dolmetscher und Übersetzer, die vom Bundesverband der Dolmetscher und Übersetzer e.V. (BDÜ) herausgegeben wird, findet sich ein interessanter Artikel von Dr. Nicole Keller, der die Problematik sehr gut darstellt. Der Text ist als Argumentationshilfe gegenüber Redakteuren und Kunden gedacht und veranschaulicht auch Fachfremden sehr eindrücklich die Schwierigkeiten, die sich aus nicht übersetzungsgerecht geschriebenen Ausgangstexten ergeben.

Klicken Sie auf den nachfolgenden Link, um sich den vollständigen Artikel (PDF-Format) anzusehen*:
Annäherungsversuch – Wie finden Übersetzer und Technische Redakteure zusammen?

Der Artikel spricht für sich selbst. Für diejenigen, die den Artikel lesen, hier noch kurz einige Hinweise zu Punkten, die eventuell missverständlich sein könnten:

  • Auf Seite 15 in der rechten Spalte heißt es: „Dieser Text muss zunächst in eine Word-Datei konvertiert werden, da TM-Systeme grundsätzlich nur Word-Dateien sauber einlesen.“ Da ich selbst beim Lesen auch kurz darüber gestolpert bin, hier der Hinweis, dass sich diese Aussage allein auf die Konvertierung von PDF-Dateien bezieht. TM-Systeme können selbstverständlich auch viele andere Dateiformate verarbeiten, wie etwa *.xlsx, *.idml, *.mif, *.xml, *.html und viele mehr. PDF-Dateien sind jedoch im Grunde nicht zur Bearbeitung gedacht, sodass sie konvertiert werden müssen.
  • Auf Seite 16 in der linken Spalte heißt es: „Das Einrücken von Texten oder Textpassagen wird leider immer noch sehr häufig „manuell“ mit Fix-Tabulatoren oder sogar Leerzeichen vorgenommen, obwohl es in jeder Anwendung dafür bestimmte Funktionen gibt. Solange ein Text nicht übersetzt werden muss, hat diese Vorgehensweise zunächst keinerlei negative Auswirkungen.“ Die Vergangenheit hat gezeigt, dass das nur keine Konsequenzen hat, wenn die Redakteure auch später sauber arbeiten. Sehr oft habe ich bereits Texte gesehen, in die nachträglich noch Texte eingefügt wurden. Wenn der Redakteur die zuvor manuell eingefügten Tabulatoren, Leerzeichen oder auch Bindestriche nicht korrigiert, kommt es auch ohne Übersetzung im Text zu unschönen Verschiebungen bzw. Worttrennungen mitten in der Zeile.
  • Ebenfalls auf dieser Seite heißt es in Zusammenhang mit Tausendertrennzeichen: „Werden diese Zeichen nun nicht konsistent verwendet oder stattdessen Leerzeichen gesetzt, wird die Zahl vom System nicht oder falsch erkannt und gegebenenfalls auch durch automatische Konvertierungsprozesse falsch „übersetzt“.“ Diese Probleme sind mir ebenfalls schon aufgefallen, gebe aber zu bedenken, dass es im Deutschen, auch laut Duden, zulässig ist, als Tausendertrenner ein Leerzeichen zu verwenden. Es handelt sich also nicht so sehr um ein Problem der Redaktion, sondern vielmehr um eines der Technik, sofern die Zahlenformate im ganzen Text einheitlich verwendet werden.

Das war es von mir. Meiner Meinung nach ein sehr lesenswerter Artikel.

*MDÜ – Fachzeitschrift für Dolmetscher und Übersetzer, Ausgabe 2/15, S. 14-17; mit ausdrücklicher Genehmigung der MDÜ-Redaktion und Frau Dr. Nicole Keller

Allzeit bereit

Dieses Pfadfindermotto gilt auch für Übersetzer. Als Dienstleister müssen wir für unsere Kunden erreichbar sein, sowohl über das Telefon als auch per E-Mail. Selbstverständlich meinen Sie? Das dachte ich auch immer, nur habe ich allzu häufig den Eindruck, dass das nicht alle Kollegen und Kolleginnen so sehen.

Als ich vor einigen Tagen versucht habe, bei einer Kollegin anzurufen, dachte ich zunächst, dass sie nur nicht rangeht, weil sie eventuell gerade selbst schon telefoniert. Heutzutage bekommt man da nicht mehr unbedingt einen Besetztton zu hören. Aber nachdem ich einige weitere Male mit dem gleichen Ergebnis angerufen habe, glaube ich nicht mehr daran. Ich war in diesem Fall nur ein Kollege, der etwas fragen wollte. Also im Grunde alles kein Drama. Wäre ich aber ein Kunde gewesen, so hätte ich mich, zumindest für das aktuelle Anliegen, vielleicht nach einem anderen Dienstleister umgesehen. Zeit ist Geld. Auf einen Rückruf habe ich übrigens vergeblich gewartet.

Mir geht es nicht darum, immer und zu jeder Zeit für Kunden erreichbar zu sein, überhaupt nicht. Ich denke, dass im Sinne der Work-Life-Balance ein klarer Schnitt zwischen Privatleben und Beruf gezogen werden sollte. Zu bestimmten Zeiten muss die Arbeit im Büro bleiben dürfen. Während der „üblichen“ Kernzeiten (zumindest für Kunden in Deutschland ca. 9 bis 15 Uhr) sollte man jedoch schon erreichbar sein bzw. kurzfristig auf E-Mails reagieren können. Sicher, das ist nicht immer möglich. Wer etwa als Dolmetscher tätig ist, kann während eines Einsatzes natürlich telefonisch nicht erreichbar sein. Für die meisten Übersetzer gilt das aber nicht.

Telefonische Erreichbarkeit

Um telefonisch erreichbar zu sein, könnte man zum Beispiel schlicht an einen Anrufbeantworter denken. Die gibt es schon länger als viele Kollegen (oder deren Eltern) auf der Welt sind. Früher noch separate Geräte, sind sie mittlerweile in der Regel direkt im Telefon integriert oder lassen sich auch über den Router einrichten. Selbst wenn der Anrufer nicht den Übersetzer selbst an den Apparat bekommt, wird er wenigstens von einer (hoffentlich) freundlichen Bandansage empfangen, in der man einen raschen Rückruf versprechen kann oder direkt die Nummer für das Mobiltelefon nennt. Optimal ist diese Lösung nicht, da nicht jeder Lust hat, dem Übersetzer hinterher zu telefonieren.

Wieso dann nicht gleich eine automatische Rufumleitung bei Abwesenheit? Ich selbst halte das so. Sobald ich meinen Arbeitsplatz während der Bürozeiten verlasse, leite ich meinen Festnetzanschluss direkt auf mein Mobiltelefon um. Das ist über die modernen Router oder eventuell das Telefon selbst in wenigen Schritten möglich. Und wenn man mal wirklich nicht rangehen kann, ein Rückruf bei nächster Gelegenheit sollte Standard sein. Das gebietet allein schon die Höflichkeit.

Erreichbarkeit per E-Mail

Lange habe ich mich gegen Smartphones gesträubt, da ich dachte, dass ich so etwas nicht brauche. Mittlerweile möchte ich meines aber nicht mehr missen. Zwar bin ich telefonisch auch nicht besser zu erreichen als früher, als ich nur ein normales Mobiltelefon hatte, die Erreichbarkeit per E-Mail hat sich jedoch extrem verändert. Ich schreibe auf dem Smartphone keine Romane, es genügt aber oft schon, dem Kunden zu sagen, dass man die E-Mail erhalten hat und sich darum kümmert, sobald man wieder im Büro ist. So weiß der Kunde woran er ist und muss nicht lange auf eine Reaktion warten. Es ist schon irgendwie albern, dass ich das hier überhaupt schreiben muss, doch gibt es leider Kollegen, die auch bei eiligen Dingen meinen, drei Tage später zu antworten wäre noch OK. Ich bin von beiden Standpunkten aus gesehen eine schnellere Bedienung gewöhnt. In der Regel antworte ich auf E-Mails innerhalb von 30 Minuten bis einer Stunde. So verliert der Kunde keine Zeit, wenn ich mal ein Projekt nicht übernehmen kann.

Bin ich aus planbaren Gründen länger nicht oder nur schlecht erreichbar, teile ich dies meinen Stammkunden aktiv mit. Für alle anderen Kunden, mit denen ich nicht unbedingt rechnen kann, richte ich eventuell auch eine Abwesenheits-E-Mail ein.

Kein Anschluss unter dieser Nummer

Zum Schluss noch etwas Grundsätzliches. Vor ein paar Jahren musste ich einen Übersetzer kontaktieren. Auf einem Übersetzerportal lagen von ihm vier verschiedene E-Mail-Adressen und zwei Telefonnummern vor. Raten Sie mal! Weder die E-Mail-Adressen noch die Telefonnummern funktionierten. Der Name des Kollegen ist in meinem Kopf sofort auf die schwarze Liste gewandert. Halten Sie Ihre Kontaktdaten aktuell. Das gilt nicht nur für die eigene E-Mail-Signatur und Website, sondern auch für Portale wie Facebook, Xing, LinkedIn, Proz.com oder die Einträge bei Ihren Berufsverbänden. Nichts ist schlimmer, als wenn Sie gar nicht gefunden werden.

Erfolgreichere Angebote ohne am Preis zu drehen?

Schon wieder ein Angebot abgegeben, das der Kunde mit einem Hinweis auf den Preis abgelehnt hat? Das ist wohl jedem in der Übersetzungsbranche, egal ob Freiberufler oder Agenturbetreiber, schon passiert. Sätze wie „Ein anderer Dienstleister ist aber günstiger…“ oder „Das Gleiche bekomme ich woanders billiger…“ hört man immer wieder von „preisbewussten“ Kunden. Aber stimmt das denn überhaupt? Bevor Sie anfangen, sich kopfüber in einen Preiskampf zu stürzen, den Sie eigentlich überhaupt nicht wollen, sollten Sie sich eventuell zunächst Ihr Angebotsschreiben genauer ansehen.

Ist Ihr Preis überhaupt mit dem Ihres Wettbewerbers vergleichbar? Versetzen Sie sich dabei einmal in Ihren Kunden. Vergessen Sie alles, von dem Sie meinen, dass es selbstverständlich wäre. Kann der Kunde tatsächlich anhand Ihres Angebotsschreibens erkennen, welche Leistungen Sie erbringen? Oder nennen Sie lediglich einen festen Preis? Ich arbeite seit 2006 in der Übersetzungsbranche und habe seitdem sehr unterschiedliche Herangehensweisen kennengelernt, wie man Angebote schreibt. Eines kann ich definitiv sagen: Kein Angebot gleicht dem anderen.

Was steckt drin?

Viele Übersetzer und Agenturen geben, kurz gesagt, einfach einen pauschalen Preis an. Das läuft dann nach dem Motto: „Sie wollen Datei XYZ übersetzen lassen. Das kostet bei uns XYZ Euro.“ Natürlich kommen dann noch ein paar weitere Informationen, zum Beispiel hinsichtlich des Liefertermins hinzu. Auf die eigentliche Leistung wird aber oft überhaupt nicht eingegangen. Was umfasst die Leistung „Übersetzung“ überhaupt? Ist das wirklich die einzige Leistung, die Sie für Ihren Kunden erbringen? Oder gehört bei Ihnen „selbstverständlich“ auch ein Lektorat oder die Formatierung des Zieltextes dazu? Das ist natürlich löblich, aber wenn Sie etwa schreiben, dass bei Ihnen die Übersetzung 500 Euro kostet, vergleicht das der Kunde oft mit dem, was Ihr Wettbewerber ebenfalls als Übersetzung bezeichnet. Die Position „Übersetzung“ beim Wettbewerber beläuft sich jetzt aber nur auf 400 Euro. Das Lektorat und die Formatierung laufen jeweils unter eigenen Positionen, sagen wir zu einem fiktiven Preis von 80 bzw. 20 Euro. Der Gesamtpreis ist bei Ihnen und Ihrem Wettbewerber jeweils 500 Euro. Für wen aber wird sich der Kunde entscheiden? Ich werde es Ihnen sagen. In den meisten Fällen wird es Ihr Mitbewerber sein, da der Kunde nicht nur die „Übersetzung“ vermeintlich billiger bekommt, sondern auch noch zwei tolle Zusatzleistungen. Einfach einen tollen Service. Jetzt sagen Sie: „Die waren bei mir aber auch dabei!“ Mag sein, das spielt aber nur eine Rolle, wenn Ihr Kunde hellseherische Fähigkeiten hat.

Das Zauberwort heißt „Aufschlüsseln“

Auch wenn es Ihnen bescheuert erscheinen mag, alles haarklein aufzuzählen, Ihren Kunden wird das in der Regel nicht stören. Vielmehr bieten Sie Ihrem Kunden einen interessanten Service, da Sie Ihre Angebote modular aufbauen können. In der Praxis sieht das dann so aus, dass Sie die Leistungen, die Sie erbringen, einzeln aufführen. Das ist dann natürlich in erster Linie die „Übersetzung“, aber auch „Vier-Augen-Lektorat“, „Frontend-Lektorat“, „Pflege einer Übersetzungsdatenbank“, „Erstellen einer Terminologieliste“, „Formatierung des Zieltextes im Quellformat“, „Projektmanagement“ usw. sind denkbar. Einige der Dienstleistungen „müssen“ eventuell nicht unbedingt erbracht werden. Vielleicht sind Sie aber der Meinung, dass Ihr Kunde im konkreten Fall hiervon profitieren würde. Diese Leistungen können Sie problemlos als optionale Positionen anbieten. So versetzen Sie Ihren Kunden in die Lage, genau zu sehen, welche Leistungen Sie erbringen, und selbst zu entscheiden, was er wirklich von Ihnen benötigt. So oder so, entweder Sie verkaufen noch mehr Leistungen als zunächst gedacht, da Sie den Kunden erst auf die Idee bringen, oder Sie können sich bestimmte Aufwände sparen. Beides ist für Sie sehr positiv.

Machen Sie Ihrem Kunden eine Freude

Wenn Sie mit Translation-Memory-Systemen arbeiten und auch Wiederholungsrabatte und dergleichen geben, ergibt sich für Sie noch eine weitere Möglichkeit, den Kunden für sich zu gewinnen. Sie kennen das sicher… Sie sehen zum Beispiel einen tollen, neuen Flachbildfernseher. Der ist aber unheimlich teuer. Wenn daneben aber ein vergleichbares Produkt steht, das aber noch viel teurer ist, erscheint Ihnen der erste Fernseher fast schon wie ein Schnäppchen. Der Preis hat sich wohlgemerkt nicht verändert. Wenn Sie Wiederholungsrabatte geben, dann sollten Sie das entsprechend kenntlich machen und zwar in Form von Zahlen. Nichts ist ein besserer Blickfang als eine Zahl. Mein Tipp: Rechnen Sie die Rabatte nicht direkt ein, sondern zerlegen Sie den Preis genüsslich vor den Augen des Kunden. Schreiben Sie also nicht, dass der Preis XYZ Euro beträgt und die Rabatte schon eingerechnet sind, sondern schreiben Sie: „Der Preis beträgt eigentlich XYZ Euro. Aufgrund des Wiederholungsanteils von XYZ Prozent kann ich Ihnen die Übersetzung jedoch zu einem Preis von ABC Euro anbieten.“ Das ist transparent, ehrlich und verschafft Ihrem Kunden ein gutes Gefühl. Was will man mehr?

Entscheiden Sie von Fall zu Fall

Bevor Sie jetzt in einen Aufschlüsselungsrausch verfallen, sollten Sie einige Aspekte nicht aus den Augen verlieren. Dazu gehört, dass Sie das Angebot übersichtlich halten sollten. Wenn der Kunde vor lauter Positionen am Ende nicht mehr weiß, was er zu zahlen hat, hilft Ihnen die schönste Aufschlüsselung nichts. Zudem sollten Sie nichts aufschlüsseln, was eigentlich nicht sinnvollerweise aufgeschlüsselt werden kann. In diesen Fällen wittert der Kunde Preistreiberei, was Sie ja gerade nicht wollen. Vor allem sollten Sie das Angebot aber an die Wünsche und Vorstellungen des Kunden anpassen.

Vielleicht lässt sich ja auch bei Ihnen in dieser Hinsicht etwas optimieren? In diesem Sinne wünsche ich Ihnen viel Erfolg!