Neues Alignment-Tool in SDL Trados Studio 2014

Die offensichtlichste Neuerung in der neuen Version von SDL Trados Studio ist neben der „modernisierten“ Benutzeroberfläche das integrierte Alignment-Tool. Dieses hat, endlich muss man sagen, das in die Jahre gekommene WinAlign ersetzt. Ob ich mit der neuen Lösung hundertprozentig glücklich bin, kann ich aber noch nicht genau sagen.

Vorteile:
a) Die alignierten Segmente können direkt in ein vorher festgelegtes TM eingelesen werden; der umständliche Umweg über einen Export entfällt.
b) Auch alignierte Segmente können nun den Status „Context Match“ haben, da die Reihenfolge der Segmente in den alignierten Dateien berücksichtigt wird. Dies hat große Vorteile auf Übersetzungsprozess, -geschwindigkeit und -effizienz.
c) Alignments sind deutlich schneller, da im Grunde keine manuellen Tätigkeiten, d. h. keine Kontrolle der einzelnen Segmente, kein Verbinden, Trennen, Zusammenführen usw., mehr nötig sind. Alles läuft voll automatisch. Man stellt nur noch die Mindestqualität ein, die ein Segmentpaar haben soll. Der Rest läuft von allein.

Nachteile:
Beim letztgenannten Vorteil sehe ich allerdings auch Schattenseiten. Es ist wie bei neuen Autos. Der vollständig geschlossene Motor sieht toll aus, selbst kann man aber nicht mal mehr die Glühbirnen wechseln. Im früheren WinAlign hatte ich die Möglichkeit, gezielt die Prozesskriterien zu beeinflussen und vor allem von Hand Segmente zu verbinden oder zu trennen, die die Software falsch verbunden hatte. Jetzt läuft alles automatisch. Segmentpaare, deren Qualität unter dem eingestellten Wert liegt, fallen einfach heraus. Weg! Eine Möglichkeit, diese Segmente irgendwie doch noch aufzunehmen habe ich nicht gefunden. Wenn Sie diese Möglichkeit finden, bitte melden. Ob die neue Software die Segmente richtig verknüpft, lässt sich zudem erst feststellen, wenn die Segmente bereits im TM sind. Nach dem Alignment geht hierfür automatisch die Translation-Memory-Ansicht mit dem entsprechenden, vorher gewählten TM auf. Wieso werden die alignierten Segmente nicht irgendwo zwischengespeichert und dort zur Kontrolle freigegeben?

Vielleicht bin ich einfach schon etwas zu alt oder ein Kontrollfreak, aber ich verlasse mich ungern blind auf eine Software. Heutzutage muss alles einfach sein. Ist es aber auch gut? Das werde ich wohl erst mit der Zeit sehen, wenn ausreichend Erfahrungswerte da sind. Sollten sich neue Erkenntnisse einstellen, lesen Sie davon hier.