Übersetzer-Networking auf der Ruhr

Wer nicht gerade in einer Bürogemeinschaft arbeitet oder einen Platz in einem Coworking Space gemietet hat, verbringt als freiberuflicher Übersetzer den Großteil der Arbeitszeit ohne direkten Kontakt zu anderen Übersetzern. Fehlt einem der private und berufliche Austausch mit anderen Übersetzerinnen und Übersetzern? Ja. Definitiv. Muss das so bleiben. Nein.

Zwischendurch ist Abwechslung nötig. Die kann man sich bei Übersetzerstammtischen oder Fortbildungen holen. Oder auch bei ungezwungenen Networking-Veranstaltungen. Warum nicht eine Kanu-Tour auf der Ruhr – mit Übersetzern, Dolmetschern und anderen Vertretern aus der Übersetzungsbranche? Am 16. Juni 2018 war es soweit. Es sollte endlich aufs Wasser gehen. Mit dabei waren:

  • Anne Schmidtchen, ermächtigte Übersetzerin für Englisch, Spanisch und Deutsch,
  • Kristina Yakovleva, vereidigte Dolmetscherin und ermächtigte Übersetzerin für Russisch, Englisch und Deutsch,
  • Roya Bouchehrian, ermächtigte Übersetzerin für Englisch, Spanisch und Deutsch,
  • Dorothe Elsenbruch, Localization Supervisor bei einem US-Unternehmen mit Sitz in Ratingen,
  • Michael Maslon, Inhaber einer Essener Übersetzungsagentur

… und natürlich ich selbst. Ich kenne alle Teilnehmer persönlich. Untereinander kannten sie sich jedoch nur teilweise, sodass sich hier eine interessante Möglichkeit bot, andere Übersetzer und Dolmetscher kennenzulernen, sich auszutauschen und neue Ideen und Eindrücke zu sammeln.

Auf der Ruhr: Florian Tejera, Dorothe Elsenbruch und Anne Schmidtchen (hinten), Roya Bouchehrian und Kristina Yakovleva (vorne); Bild: Michael MaslonGut vorbereitet mit Wechselwäsche, wasserfesten Hüllen für das Handy, Brillenkordeln und Sonnencreme ging es nach Hattingen. Nach einer Einweisung zur Paddeltechnik und zur Route bekamen wir passende Schwimmwesten, Paddel und eine wasserdichte Tonne. Wir hatten zwei Kanadier für je 3 Personen zur Verfügung. Nach einer kurzen Stärkung für zwei „ungefrühstückte“ Teilnehmerinnen, denen ich meine knusprige Laugenstange spendete, ging es ans Einsteigen. Schon hier war echtes Teamwork nötig. Zwei hielten das Kanu fest, während der bzw. die Dritte einstiegen. Möglichst so, dass man nicht direkt zur anderen Seite hin einen Hechtsprung in den Fluss macht. Sobald die erste Person eingestiegen war, hielt diese das Boot ebenfalls am Ufer fest, sodass die zweite Person einsteigen konnte, usw.

Bis zum ersten Wehr hatten wir 1 km lang Zeit (bzw. dank Kurven- und Zickzack-Fahrt etwas länger), uns etwas an die Kanus zu gewöhnen. Nach einer Weile ging es ganz gut, sodass wir schnell vorankamen. Die Bootsgasse am ersten Wehr war mit 80 Metern Länge und mehreren größeren Wellen recht eindrucksvoll. Nach kurzer Abstimmung gelangten wir zu der Auffassung, dass wir uns das lieber für das nächste Mal aufsparen. So wurden die Boote getreidelt, das heißt an einem Tau über eine eigene Gasse am Wehr vorbeigeführt. Ob wir gekniffen haben? Ja, ich gebe es ja zu.

Immer voran: Florian Tejera, Dorothe Elsenbruch und Anne Schmidtchen; Bild: Michael MaslonFür uns ging es trocken weiter den Fluss hinunter, vorbei an Enten, Gänsen, Blässhühnern und Tauchern mitsamt Nachwuchs, Froschkonzerten und umherschwirrenden Libellen. Selbst eine Kuh hatte sich zur Abkühlung mehrere Meter weit in die Ruhr gestellt.

Am zweiten Wehr stand ein Landgang an, um den Hunger und Durst zu stillen. Neben aufschlussreichen Gesprächen über Designer-Handtaschen ging es auch um die Zukunft des Übersetzerberufs vor dem Hintergrund maschineller Übersetzung und andere berufliche Themen. Schlechte Laune kam dabei zum Glück nicht auf.

Mit vollem Bauch und einem ungewollten Beinahe-Bad in der Ruhr machten wir uns zur letzten Etappe auf, die in Essen-Horst enden sollte. Der Fluss wurde leerer, sodass man noch mehr Stille genießen konnte. Auch der angenehme Wind tat sein Übriges, sodass die Tour einen schönen Ausklang fand.

Es war ein sehr schöner Tag, mit interessanten Unterhaltungen, der allen Beteiligten gefallen hat. Wir alle haben uns besser kennen gelernt und werden auch in Zukunft in engem Kontakt bleiben. Vielleicht geht es beim nächsten Mal in einen Hochseilgarten. Oder gibt es andere Ideen? Immer her damit.

[Bilder: Michael Maslon]