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Webinar zu klinischen Studien

Da man nie auslernt, habe ich am vergangenen Donnerstag an einem Webinar zum Thema „Ein Überblick über klinische Studien und das Übersetzen von Studiendokumenten“ teilgenommen. Zwar hatte ich selbst auch zuvor bereits Studienunterlagen übersetzt, doch wollte ich gerne mehr über das Thema erfahren. Die beste Gelegenheit dazu war das vom Landesverband Baden-Württemberg des BDÜ veranstaltete und von Frau Daniela Penn gehaltene Webinar (bzw. Online-Seminar). Frau Penn ist Diplom-Fachübersetzerin mit den Fachbereichen Medizin, Medizintechnik und Pharmazie sowie Medical Writer und daher mit dem Thema mehr als vertraut.

Das Webinar gab einen Überblick über die verschiedenen Studiendesigns, die 4 Phasen einer Studie, den Aufbau von Studiendokumenten, die beteiligten Institutionen und Personen, rechtliche Vorgaben, wichtige Begriffe, Glossare und vieles mehr. Auf zwei Arten von Studiendokumenten, Einwilligungserklärungen und Studiensynopsen, wurde anschließend in einem Workshop näher eingegangen.

Zwei Aspekte sind mir besonders in Erinnerung geblieben:

  • Zielgruppengerechtes Übersetzen
    Gerade in einem Fachgebiet, das mit sehr vielen Fremd- und Fachwörtern arbeitet, ist die Verwendung einer für die jeweilige Zielgruppe verständlichen Sprache wichtig. Ein einfaches Beispiel wäre, dass man in der Studiensynopse, die sich an Fachleute richtet, problemlos den Terminus „Anamnese“ benutzen kann bzw. sollte, in einer Einwilligungserklärung, die an den Studienteilnehmer bzw. Patienten gerichtet ist, der Terminus „Krankengeschichte“ jedoch geeigneter wäre… und das wohlgemerkt auch dann, wenn in der Ausgangssprache, sagen wir etwa Englisch, in beiden Fällen „medical history“ steht.
  • Kontextgerechtes Übersetzen
    Wenn im Englischen bei klinischen Studien der Terminus „patient“ verwendet wird, kann man das im Deutschen als „Patient“, „Proband“ oder neutral als „Studienteilnehmer“ übersetzen. Welcher Begriff hierbei richtig ist, hängt in erster Linie von der Studienphase und den Vorlieben des Auftraggebers ab. In der Phase I wird ein Prüfpreparat oder Medizinprodukt nicht an Menschen getestet, die tatsächlich an der zu behandelnden Krankheit leiden, sondern an gesunden Menschen. Hier von „Patient“ zu sprechen wäre somit falsch. Echte Patienten kommen erst in Phase II in Betracht.

Das Webinar hat mich persönlich durchaus weitergebracht, und ich freue mich bereits auf die zwei weiteren Webinare von Frau Penn zu den Themen „Zulassungsunterlagen richtig übersetzen“ am 9. Oktober 2014 sowie „Die Terminologie in der Kardiologie und in der kardiologischen Medizintechnik“ am 20. November 2014.