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Das Muttersprachlerprinzip – was dahintersteckt

Auf den Websites von Übersetzungsagenturen oder anderen Übersetzungsdienstleistern liest man oft Schlagworte wie „Muttersprachprinzip“, „Vier-Augen-Lektorat“, „Zertifizierte Qualität“ und und und. Wenn Sie nicht gerade selbst aus der Übersetzungsbranche kommen, werden Sie eventuell nicht immer wissen, was damit genau gemeint ist. Was Ihnen die Anbieter sagen möchten und wie viel Substanz tatsächlich dahintersteckt, möchte ich Ihnen hier und in den folgenden Posts an ein paar Beispielen zeigen.

Muttersprach(ler)prinzip

Was es heißen soll: Die eingesetzten Übersetzer sind Muttersprachler der Zielsprache, d. h. dass ein Text, den Sie auf Englisch benötigen, von einem englischen Muttersprachler bearbeitet wird. Diesem Prinzip liegt die Annahme zugrunde, dass man sich in seiner Muttersprache am besten ausdrücken kann, weshalb auch die Übersetzungsqualität bei einer Übersetzung in die Muttersprache besser ist, als wenn in die Fremdsprache übersetzt wird.

Wie die Realität aussieht: Wenn Sie selbst eine Fremdsprache sprechen, werden Sie wissen, dass Sie sich eventuell nicht ganz so geschliffen ausdrücken können wie in Ihrer Muttersprache, insbesondere dann, wenn Sie sich mit einem Muttersprachler vergleichen. Das Muttersprachprinzip ist also nicht ganz von der Hand zu weisen. Es gibt allerdings einige Punkte, die beachtet werden sollten.

1) Textverständnis: Was hilft es dem Übersetzer, wenn er einen sprachlich einwandfreien Zieltext produziert, der inhaltlich falsch ist, weil die Aussage des Ausgangstexts auf sprachlicher Ebene nicht verstanden wurde? Hätte hier ein Muttersprachler der Ausgangssprache den Text nicht vielleicht besser erfasst und dann korrekt übertragen?

2) Sprachniveau: Sprechen Sie genauso gut Deutsch wie Ihr Kind, Ihr Professor, Ihr Paketbote, Ihr Arzt oder Ihre Frisörin? Wieso ich das frage? Die Chance besteht, dass alle genannten Personen eines gemeinsam haben: die Muttersprache. Jeder hat eine Muttersprache. Diese allein ist aber kein Zeichen von Qualität.

3) Sachkenntnis/Fachjargon: Nehmen wir jetzt aber mal an, das muttersprachliche Niveau des Übersetzers ist ausreichend hoch. Um eine vernünftige Übersetzung erstellen zu können, sind aber noch mehr Dinge gefragt. Der Übersetzer muss wissen, worum es geht. Wenn Sie technische Dokumentation übersetzen, müssen Sie wenigstens ein grundlegendes, meist aber ein profundes Wissen über das jeweilige technische Fachgebiet haben. Auch muss bekannt sein, wie man sich in einer Branche bzw. in einer bestimmten Textsorte (Anleitung, Korrespondenz, Ausschreibungen usw.) ausdrückt. Die Muttersprache allein gibt einem das nicht mit.

Fazit: Das Muttersprachprinzip ist zwar sinnvoll, reicht allein aber bei weitem nicht aus, um eine brauchbare Übersetzung zu gewährleisten. Vielmehr sind zusätzlich ein bestimmtes Sprachniveau, profunde Kenntnisse der Fremdsprache, viel Sachkenntnis und vieles mehr gefragt, die oftmals ein Übersetzer, der in die Fremdsprache übersetzt, ebenso oder manchmal sogar insgesamt besser bieten kann.

Kundenumfrage 2015 – Ergebnisse

Ich bin jemand, der es immer möglichst genau wissen möchte. Das gilt nicht nur für inhaltliche Fragen bei Übersetzungsprojekten. Wie sehen mich meine Kunden? Wie zufrieden sind sie mit meiner Leistung? Was kann ich noch für meine Kunden tun? Zwar bin ich als freiberuflicher Übersetzer recht nah an meinen Kunden dran, doch ist das Bild, das man sich selbst macht, in der Regel sehr subjektiv. Das wollte ich ändern und habe daher vor einigen Wochen meine erste Kundenumfrage gestartet. Die Umfrage ist mittlerweile abgeschlossen und ich möchte allen Teilnehmern und allen anderen Interessierten hiermit die Ergebnisse vorstellen.

Rahmendaten der Umfrage

31 Personen, alles Ansprechpartner bei Kunden, hatten die Möglichkeit teilzunehmen. Mein Kundenstamm setzt sich dabei aus verschiedenen Arten von Kunden zusammen, wobei Übersetzungsagenturen bzw. Übersetzungsbüros einen großen Anteil ausmachen. Die tatsächliche Beteiligung lag schließlich bei etwas unter zwei Dritteln (64 %). Das ist meiner Meinung nach ein beachtlicher Wert, mit dem ich sehr zufrieden bin. An dieser Stelle nochmal vielen Dank für die rege Beteiligung! Wenn Ihnen das Ausfüllen des Online-Fragebogens so viel Spaß gemacht hat, dass sie ihn mehrfach beantwortet haben, dann haben Sie mich ganz schön ausgetrickst. Die Anonymität der Umfrage machte das theoretisch möglich.

Jetzt aber zu den Ergebnissen der Umfrage. Für einen besseren Überblick können Sie die Umfrageergebnisse auf folgender Website einsehen:

https://de.surveymonkey.com/results/SM-RJBC7CYQ/

Für diejenigen unter Ihnen, die wenig Zeit haben, hier eine kurze Zusammenfassung: Die Zufriedenheit mit mir als Dienstleister sowie mit meinen Übersetzungs- und sonstigen Leistungen war gut bis sehr gut. Kunden sehen mich in erster Linie als Übersetzer für technische Texte, der aber vielseitig auch in anderen Bereichen einsetzbar ist. Dienstleistungen über das aktuelle Angebot hinaus sind nur mäßig nachgefragt, gleiches gilt für Zertifizierungen. Alle Befragten, die an der Umfrage teilgenommen haben, sind mit mir als Dienstleister sehr zufrieden und würden mich weiterempfehlen. Hier nun die Ausführungen im Detail:

Stärken als Dienstleister

Die erste Frage betraf meine Eigenschaften als Dienstleister, praktisch meine Softskills. Der persönliche Umgang mit den Kunden, das professionelle Auftreten, die Erreichbarkeit und Reaktionsschnelligkeit, die Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit wurden allesamt als sehr gut bewertet. Ebenfalls sehr gut bis gut, aber im Vergleich etwas schwächer, schnitten die Verfügbarkeit und die Preispolitik ab.

Auf die Verfügbarkeit möchte ich kurz eingehen. Als freiberuflicher Übersetzer bin ich die einzige Arbeitskraft in meinem Unternehmen. Wenn Sie mich in meinen Sprachkombinationen (Englisch-Deutsch, Spanisch-Deutsch und Französisch-Deutsch) beauftragen, können Sie sich sicher sein, dass ich Ihren Auftrag persönlich bearbeite und meine ganze Energie in Ihr Projekt stecke. So bleibt es leider nicht aus, dass ich gelegentlich ausgebucht bin und Aufträge nicht zu den gewünschten Terminen übernehmen kann. In der Regel werde ich Ihnen dann Alternativtermine vorschlagen bzw. bei Bedarf einen passenden Kollegen empfehlen. Mir ist bewusst, dass das für Sie nicht immer zufriedenstellend ist.

Hohe Zufriedenheit mit meinen Leistungen

Die zweite Frage drehte sich um die Zufriedenheit mit den einzelnen, von mir angebotenen Leistungen. Da nicht alle meine Kunden auch alle Dienstleistungen in Anspruch nehmen, ist der Anteil der „Weiß nicht“-Antworten teilweise recht groß. Die übrigen Antworten zeigen aber auch hier eine allgemein sehr hohe Zufriedenheit mit meinen Leistungen in den Bereichen Übersetzung, einsprachiges Lektorat, Übersetzungslektorat, Terminologiearbeit, Lieferantenbewertung und Projektmanagement.

Wie ich im Nachhinein erfahren habe, war es einigen Umfrageteilnehmern nicht ganz klar, was mit dem Punkt „Lieferantenbewertung“ gemeint war. Das hätte zugegebenermaßen weiter ausgeführt werden können. Das möchte ich hiermit nachholen. Im Rahmen meiner Lektorats- und Korrektoratstätigkeit für einige meiner Agenturkunden führe ich auch Lieferantenbewertungen durch. Das bedeutet, dass ich die Übersetzungsleistung eines Kollegen mit meinen Sprachkombinationen nach bestimmten Kriterien bewerte und dem jeweiligen Kunden dann ein Feedback gebe. Dies betrifft sowohl die Prüfung neuer Dienstleister als auch die bestehender Übersetzer. Dabei bemühe ich mich stets um Fairness und berücksichtige ebenfalls eventuelle Erschwernisse. Auch die Art der Auswertung der gefundenen Mängel durch den Auftraggeber habe ich allerdings keinen Einfluss.

Übersetzungsqualität

Um die verschiedenen Qualitätsaspekte bei Übersetzungen drehte sich die dritte Frage. Rechtschreibung und Zeichensetzung, Stil, Sachkenntnis und die Einhaltung formaler Kriterien, wie etwa Längenbegrenzungen und Tags, wurden allgemein gut bis sehr gut bewertet. Beim Stil fiel das Ergebnis etwas schwächer, aber immer noch sehr positiv aus. Das ist bei einem auf technische Texte spezialisierten Übersetzer ein beachtliches Ergebnis.

Der Mann für technische Texte

Die nächste Frage habe ich ganz speziell gestellt. Sie lautete „Für welche Art von Projekten eigne ich mich Ihrer Meinung nach besonders bzw. wo denken Sie: “Das wäre etwas für Herrn Tejera.”?“ Es ging also um Ihre subjektive Meinung bzw. um das, was Sie mit mir bewusst oder unterbewusst verbinden. Nicht überraschend war das überwältigende Ergebnis bei „Technische Texte“. Dieser Meinung waren fast 95 % aller Befragten. Was mich dann doch etwas verblüffte waren die relativ häufigen Nennungen von Marketingtexten (über 50 %) und Eilaufträgen (über 60 %). Die Pointe ist jedoch das 0-%-Ergebnis für „Vertragstexte“. Da habe ich wohl den einen oder anderen Vertragstext zu oft abgelehnt. Von den Kunden, für die ich bereits Vertragstexte übersetzt habe (das sollten etwa die Hälfte sein), habe ich allerdings noch nie eine negative Rückmeldung gehört. Nun gut, mir steht eben „Technik“ auf die Stirn geschrieben und es gibt Kollegen, die sich über Vertragstexte auch mehr freuen, als ich es tue.

Angebotspalette

Meine derzeitigen Kunden scheinen mit meinem aktuellen Leistungsangebot recht zufrieden zu sein. Als mögliche weitere Dienstleistungen hatte ich Fremdsprachensatz, Dateivorbereitung in Word, Layoutnachbereitung in Word, Post-Editing und Copywriting zur Auswahl gestellt. Die große Begeisterung blieb aus, lediglich bei der Layoutnachbereitung in Word, dem Post-Editing und dem Copywriting schien gewisses Interesse zu bestehen. Zum jetzigen Zeitpunkt kann ich bereits Layoutnachbereitungen in Word anbieten. Post-Editing und Copywriting waren eher auf die Zukunft angelegte Themen. Wenn Sie an einer bestimmten Dienstleistung Interesse haben, zum Beispiel an der Layoutnachbereitung in Word, dann melden Sie sich bei mir. Dann können wir besprechen, ob und wie das sinnvoll möglich ist.

Mäßiges Interesse an Zertifizierungen

Das Interesse an Zertifizierungen, sowohl ISO 9001:2015 (Qualitätsmanagement-Systeme) als auch ISO 17100 (Übersetzungsdienstleistungen), hielt sich ziemlich in Grenzen, mit leichter Tendenz in Richtung ISO 17100. Das ist wohl in erster Linie der Zusammensetzung meines Kundenstamms geschuldet, zu dem recht viele Übersetzungsdienstleister gehören, die ihrerseits ohnehin schon nach ISO 17100 (bisher DIN EN 15038) arbeiten.

Allgemeine Zufriedenheit

Die letzten beiden Fragen bezogen sich auf die allgemeine Zufriedenheit und die Wahrscheinlichkeit einer Weiterempfehlung meiner Leistungen. Hier möchte ich mich ganz herzlich für die jeweils 100 % (!!!) bedanken.

Wenn Sie noch Fragen zu der Umfrage haben oder mir eine andere Rückmeldung geben möchten, stehe ich Ihnen auf den gewohnten Kanälen zur Verfügung. Nochmals vielen Dank.

Längenbegrenzungen in der Übersetzung

Es kommt auf die Größe an… Wenn Sie jetzt rot werden, haben Sie sich eventuell im Blog vertan oder die Überschrift nicht gelesen. Kurz durchatmen. Mit den Gedanken wieder beim Text? Prima. Die meisten Übersetzer, außer vielleicht Englisch-Türkisch-Übersetzer oder solche mit Zielsprache Arabisch (eine Konsonantenschrift, mehr dazu hier), werden im Laufe ihrer Arbeit schon bemerkt haben, dass ihre Arbeitssprachen unterschiedlich lang laufen d. h. ein Text in der Ausgangssprache und in der Übersetzung unterschiedlich lang sind. Das hat einerseits damit zu tun, dass manche Sprachen mehr Wörter benötigen, um etwas auszudrücken, oder aber die Wörter länger sind. Wenn man Pech hat, trifft beides gleichzeitig zu. In der Sprachkombination, in der ich am häufigsten arbeite – Englisch-Deutsch – ist der übersetzte deutsche Text oft um 20 Prozent länger als das englische Original. Dabei neige ich nicht unbedingt dazu, sehr ausschweifend zu übersetzen. Im speziellen Fall des Deutschen liegt eine der Ursachen darin, dass die deutschen Wörter meist erheblich länger sind als ihre Pendants.

Bis hierhin und nicht weiter

Die eben beschriebene Expansion der Textlänge wird dann zum Problem, wenn es um Texte für Websites, bestimmte Druckmedien oder Software geht. In diesen Bereichen gibt der Kunde häufig Vorgaben für die Textlänge, die allgemein oder aber nur für bestimmte Teile des Textes gelten. Die Gründe hierfür sind technischer Natur (etwa bei Maschinensoftware) oder berühren Layoutvorgaben bzw. -einschränkungen (bei Websites und Druckmedien). Ein Korsett, das dem Übersetzer manchmal nur wenig Raum zum Atmen lässt.

Viele Maschinen sind zum Beispiel mit kleinen, mehrzeiligen Displays ausgestattet, in die pro Zeile oft nur 3 oder 4 Wörter passen. Sofern keine Scrollfunktion vorgesehen ist, muss der Text vollständig in die verfügbaren, direkt sichtbaren Zeilen passen. Ist der Text länger wird er entweder abgeschnitten (“Ausrichtu…”) oder erst gar nicht von der Software akzeptiert. Ein ähnliches Problem tritt bei Software-Schaltflächen auf. Oft kann die Größe der Schaltflächen (Buttons) in einer Software nicht verändert werden, vielmehr muss sich der Text anpassen. Bei Broschüren, Katalogen usw. können die maximale Seitenzahl und das Platzangebot aufgrund der Druckkosten bzw. aus Gründen des Gesamtlayouts beschränkt sein. Was aber, wenn der übersetzte Text nicht in die verfügbaren, nicht mehr erweiterbaren Textrahmen passt oder die Seite anderweitig sprengt? Auf Websites wiederum dürfen Überschriften bisweilen nicht länger als 1 bis 2 Zeilen lang sein. Ähnliches gilt für Unterüberschriften, Teaser und sonstige Textbestandteile. Auch der Länge der URL für sind unter Umständen Grenzen gesetzt (die maximale URL-Länge im Internet Explorer beträgt bspw. 2.083 Zeichen).

Doch welche Optionen hat man als Übersetzer, einen Text wirkungsvoll einzukürzen? Grob gesagt sind es zwei: das Einkürzen auf Satzebene und das Einkürzen auf Wortebene. Welche der beiden Varianten man einsetzt, hängt sehr stark von der Textsorte bzw. dem oben beschriebenen Einsatzfeld des Textes ab (Website, Druckmedium, Software).

Abkürzung auf Wortebene

Bei Softwaretexten, insbesondere bei Maschinensteuerungen, kommt oft die Kürzung auf Wortebene zum Einsatz. Wörter werden mit Punkt abgekürzt oder durch ein Akronym ersetzt. In beiden Fällen läuft man Gefahr, ein von der Länge passendes, aber unverständliches Kauderwelsch zu produzieren. So ist es teils schwierig, passende Abkürzungen zu finden, die später vom Benutzer des Textes auch verstanden werden. Keine Probleme machen gängige Abkürzungen wie „St.“ (für Stück), „Min.“ (für Minute) oder „Anz.“ (für Anzahl) oder Akronyme wie „DC“ (für Gleichstrom, engl. direct current) oder „SPS“ (für Speicherprogrammierbare Steuerung; hier ist eine kürzere Version wirklich bitter nötig). Bei „Stdabw.“ (so in der Praxis gesehen) kommt der ein oder andere aber wohl ins Schwitzen, da der Weg zu „Standardabweichung“ doch ein wenig weiter ist. Kritisch wird es, wenn der Abkürzungspunkt direkt nach dem ersten Buchstaben kommt („P.“ für Punkt, Präzision oder Potential?) oder eine Abkürzung gewählt wird, die es bereits anderweitig gibt. Einmal ist mir „m“ begegnet. Auf den ersten Blick erwarte ich hier die ISO-Einheit „Meter“, gemeint war aber tatsächlich „Minute“.

Abkürzung auf Satzebene

Bei Texten, die sich trotz Längenbegrenzung auch noch gut anhören sollen, wie etwa Broschüren oder Websites, ist die Kürzung auf Satzebene gefragt. Zwar ist die Verwendung von Abkürzungen und Akronymen hier nicht verboten, sollte sich aber auf diejenigen beschränken, die entweder allgemein üblich („z. B.“, „bzw.“, „UNO“, „ISO“ usw.) oder firmen-/branchentypisch („ECU“, „ESP“ oder „KBA“ in der Autobranche) sind. Alles andere erschwert den Lesefluss und sieht dazu noch bescheiden aus. Es ergeben sich folgende Optionen (hier nur eine Auswahl):

  • Substantiv vs. Verb
    Der erste Schritt, um die Länge auf Satzebene zu verringern, muss für den Übersetzer immer zuerst das Umformulieren sein. Hierzu kann ein zunächst substantivisch gehaltener Satz verbal ausgedrückt werden. Das spart nicht nur Raum, sondern trägt auch noch zu einem besseren Lesefluss bei. Ein Beispiel: Substantivisch: „Die Supergut GmbH schmälert die Gewinnerwartungen für das kommende Jahr. Verbal: „Die Supergut GmbH erwartet für das kommende Jahr geringere Gewinne.“ Zu viel darf man sich von dieser Methode aber nicht erwarten, da es stark darauf ankommt, wie viele Substantive aufgelöst werden können. In diesem Fall, mit einem einzelnen aufgelösten Substantiv, spart man immerhin 5 Zeichen.
  • Satzbau
    Die zweite Möglichkeit besteht darin, den Satzbau an sich zu ändern bzw. Nebensätze aufzulösen. Beispiele: Ausgangssatz: „Das Gerät besticht durch seine Benutzerfreundlichkeit und kommt ohne Einbußen bei der Sicherheit aus.“ Variante A: „Das benutzerfreundliche Gerät kommt ohne Einbußen bei der Sicherheit aus.“ Variante B: „Das Gerät besticht durch seine Benutzerfreundlichkeit – ohne Einbußen bei der Sicherheit.“ Natürlich wird diese Möglichkeit je nach Textsorte bzw. konkreter Textstelle nicht immer umsetzbar sein, dennoch sollte man sie als Übersetzer in Betracht ziehen. Bei unseren Beispielen sparen wir respektable 28 bzw. 12 Zeichen.

Und bist Du nicht willig, so brauch ich Gewalt – Bestandteile weglassen

Trotz all dieser Varianten gibt es Fälle, bei denen ich als Übersetzer an die Grenzen der Sprachvergewaltigung komme. Wenn wirklich nichts mehr geht, muss ausgemistet werden. Die ersten Opfer gibt es bei den Füllwörtern und ausschmückenden Adjektiven. Wenn es dann immer noch nicht reicht, um die vorgegebene Länge zu erreichen, muss eine Entscheidung her. Was ist wichtig, was kann weg? Als Übersetzer hat man nur selten die Möglichkeit, diese Entscheidung selbst zu treffen. Welche Aussage des Ausgangstextes ist für den Autor bzw. den Kunden so wichtig, dass sie nicht unter den Tisch fallen darf? Oftmals ist das nicht unbedingt der Teil, den man als Dritter weggelassen hätte. Hier gilt es: den Kunden einbeziehen.

Letztendlich gibt es eine Reihe von Mitteln, einen Text kürzer zu machen. Doch sind stets die Aussage des Textes, die Textsorte, die Verständlichkeit und der Wunsch des Kunden im Auge zu behalten.

Rezension – „Technische Dokumentation richtig und benutzerfreundlich übersetzen“

Jede Branche hat ihre eigene Sprache. Das merkt man schnell, wenn man sich aus dem eigenen Fachgebiet herausbewegt. Dann beginnt bei manch einem die Rutschpartie. So geht es auch vielen Technikübersetzern, wenn sie mit Texten aus der Juristerei, Marketing, Kunst und sonstigen Bereichen konfrontiert werden. Natürlich ist die Terminologie eine andere, aber auch sprachliche Konventionen und der Stil sind teilweise völlig verschieden. Umgekehrt ist es genauso. Zwar hat jeder schon einmal eine Bedienungsanleitung oder ähnliches in der Hand gehalten, doch in diesem Bereich zu übersetzen, fällt einem Übersetzer, der technische Texte nicht gewohnt ist, manchmal dennoch ziemlich schwer.

In diesen Fällen kann eventuell das kürzlich beim Fachverlag des BDÜ erschienene Buch „Technische Dokumentation richtig und benutzerfreundlich übersetzen“ von Manfred Braun weiterhelfen. Der Autor ist langjähriger Technikübersetzer und kommt dazu noch aus der technischen Redaktion, sodass er das Thema von zwei Seiten beleuchten kann. Das war interessant genug für mich, mir dieses Buch zu kaufen, auch wenn ich schon seit mehreren Jahren in der technischen Übersetzung tätig bin.

Überblick

Der Autor gibt zunächst einen umfangreichen Überblick über die verschiedenen Erscheinungsformen technischer Dokumentation, was Betriebsanleitungen, Stücklisten, Datenblätter, Qualitätsmanagementhandbücher, technische Zeichnungen, Verkaufsunterlagen und vieles mehr umfassen kann. Er beleuchtet zudem die besonderen Spielarten, auf die man etwa im Kraftfahrzeugbereich, der Luftfahrt oder im militärischen Bereich trifft.

Es folgt ein ausführliches und für mich sehr interessantes Kapitel zur Maschinenrichtlinie, der Bibel (mindestens!) der technischen Redaktion.

Nach der Beschreibung verschiedener Dateiformate und Datenträger, auf der technische Dokumentation kommen kann, sowie einer Beschreibung der Gliederung einer Bedienungsanleitung, geht es an den Kern der Sache: die Besonderheiten der Sprache in der technischen Dokumentation. Der Autor beschreibt eingehend, welchen Schwierigkeiten sich Technikübersetzer oftmals gegenüber sehen. Zu den behandelten Themen gehört unter anderem die Modularisierung technischer Dokumentation, bei der nicht mehr vollständige Anleitungen übersetzt werden, sondern nur noch die noch nicht in der Zielsprache vorliegenden Teile (Module). Außerdem werde kontrollierte Sprachen, maschinelle Übersetzung, die Verwendung der „Sie“- vs. der Infinitivform bei Handlungsanweisungen, unterbrochene Satzstrukturen, Terminologie und viele weitere Themen besprochen.

Meine Meinung zum Buch

Mein erster, recht subjektiver Eindruck war: „Ganz schön dünn.“ Für mehr oder weniger den gleichen (durchaus niedrigen) Preis habe ich beim Fachverlag des BDÜ, bei dem auch das hier besprochene Buch erschienen ist, schon Bücher gekauft, die viermal so dick waren. Daher war ich kurz überrascht. Aber ich versuche möglichst, nicht vom Äußeren auf das Innere zu schließen. Das wäre auch ein Fehler, denn das Buch ist klein, hat es aber durchaus in sich!

Sehr schön fand ich…

  • Die Liste mit den H- und P-Sätzen, mit der die eine oder andere Recherche unnötig wird.
  • Die Übersicht über den Aufbau von Sicherheitsdatenblättern.
  • Die neutrale Betrachtung maschineller Übersetzung, die auch die Vorteile hervorhebt, die diese Entwicklung unter bestimmten Umständen durchaus hat.
  • Der umfassende Überblick über das Thema, der gerade für Einsteiger sehr nützlich ist und grundlegende Fragen sehr ausführlich und eingehend beantwortet.
  • Einige nützliche Links, wie etwa zu intelliwebsearch.com oder sapterm.com, die auch für den Profi hilfreich sind.

Weniger schön fand ich… (Ich möchte es nicht als Verriss verstehen, dass ich mehr über die negativen als über die positiven Punkte schreibe.)

  • Die starke Fokussierung auf den Aufbau technischer Dokumentation: Ein guter Teil des Buchs beschäftigt sich mit Dingen, die eher für technische Redakteure als für Übersetzer interessant sind. Bei dem Titel „Technische Dokumentation richtig und benutzerfreundlich übersetzen“ hätte ich mir eine stärkere Konzentration auf übersetzungsrelevante Aspekte gewünscht. Über 50 der etwa 120 Seiten beschäftigen sich mit Aspekten, die mit dem Übersetzen technischer Dokumentation, außer dass es eben um technische Dokumentation geht, nur sehr wenig zu tun haben. Das ist sicher dem Hintergrund des Autors geschuldet, ist aber für den einen oder anderen Leser sicher etwas enttäuschend.
  • Kleinere Fehler, insbesondere in dem Kapitel zu den Dateiformaten, die zwar meistens nicht gravierend sind, aber dennoch stören (XML-basiertes Dateiformat *.docx nicht erst seit Word 2013, sondern seit Word 2007, *.idml seit der InDesign-Version CS4 und nicht CS5).
  • Fehlende Informationen, die aus Übersetzersicht hilfreich gewesen wären: So gibt es keinen Hinweis darauf, wie Dateien aus Quicksilver übersetzt werden, obwohl bei anderen Dateiformaten ein solcher Hinweis vorhanden ist (Interessierte können sich gerne bei mir melden). Bei XML-Dateien wird mit keinem Wort auf die Anpassung der Parser-Einstellungen eingegangen. Bei der Behandlung der Redaktions- und Content-Management-Systeme werden weder der Export in XML noch andere Übersetzungsmöglichkeiten erwähnt usw.
  • Bei den sprachlichen Aspekten driften die Erläuterungen öfter in die Aufgabengebiete von technischen Redakteuren ab. Als Übersetzer hat man sehr oft nicht die Möglichkeit, die durchaus sinnvollen Vorschläge umzusetzen bzw. der Kunde wäre nur sehr schwer davon zu überzeugen, den erforderlichen Mehraufwand auch zu bezahlen. Das ist etwa der Fall, wenn es darum geht, die Unterbrechungen der Satzstruktur zu beheben, die durch eingefügte Aufzählungen entstehen. Ein weiterer Fall wäre die chronologische Beschreibung der Ereignisse. Wenn das Geschehen in einem Satz beschrieben wird, dann ist das kein Problem. Wenn die Sätze aber jeweils abgeschlossen sind, womöglich mit Absatzzeichen dazwischen, wird es zumindest bei der Bearbeitung mit CAT schon umständlich.
  • Eine meines Erachtens zu einfache Einteilung in Richtig und Falsch.

Fazit

Das Buch ist vor allem für Neulinge auf dem Gebiet der technischen Übersetzung nützlich und eine wertvolle Hilfe. So können sie lernen, worauf besonders geachtet werden muss und wie besondere Stilmittel korrekt übersetzt werden. Ganz nebenbei lernen sie viel darüber, wie so mancher Kunde aus Maschinenbau und Co. tickt. Auch auf dem Gebiet erfahrenere Kollegen können sicher vom Buch profitieren, werden sich aber eventuell etwas mehr erwartet haben.

Lesenswerter Artikel zu übersetzungsgerechtem Schreiben

Jeder Übersetzer hat sich wohl bereits Gedanken über übersetzungsgerechtes Schreiben gemacht, spätestens dann, wenn er einen Text übersetzen soll, der nicht übersetzungsgerecht geschrieben ist. Unnötige Absätze, die Sätze trennen, inkonsistente Terminologie und vieles mehr machen einem das Leben schwer. Den Übersetzungskunden bzw. (technischen) Redakteur auf diese Mängel hinzuweisen ist oft schwierig, da das Gegenüber die Mängel oft nicht erkennt bzw. deren Folgen für die Arbeit des Übersetzers nicht abschätzen kann. Dabei trägt ein übersetzungsgerecht verfasster Text erheblich zu einer größeren Effizienz und Qualität bei. Kurzum: Die Übersetzungen werden schneller und billiger.

In der aktuellen Ausgabe des MDÜ – Fachzeitschrift für Dolmetscher und Übersetzer, die vom Bundesverband der Dolmetscher und Übersetzer e.V. (BDÜ) herausgegeben wird, findet sich ein interessanter Artikel von Dr. Nicole Keller, der die Problematik sehr gut darstellt. Der Text ist als Argumentationshilfe gegenüber Redakteuren und Kunden gedacht und veranschaulicht auch Fachfremden sehr eindrücklich die Schwierigkeiten, die sich aus nicht übersetzungsgerecht geschriebenen Ausgangstexten ergeben.

Klicken Sie auf den nachfolgenden Link, um sich den vollständigen Artikel (PDF-Format) anzusehen*:
Annäherungsversuch – Wie finden Übersetzer und Technische Redakteure zusammen?

Der Artikel spricht für sich selbst. Für diejenigen, die den Artikel lesen, hier noch kurz einige Hinweise zu Punkten, die eventuell missverständlich sein könnten:

  • Auf Seite 15 in der rechten Spalte heißt es: „Dieser Text muss zunächst in eine Word-Datei konvertiert werden, da TM-Systeme grundsätzlich nur Word-Dateien sauber einlesen.“ Da ich selbst beim Lesen auch kurz darüber gestolpert bin, hier der Hinweis, dass sich diese Aussage allein auf die Konvertierung von PDF-Dateien bezieht. TM-Systeme können selbstverständlich auch viele andere Dateiformate verarbeiten, wie etwa *.xlsx, *.idml, *.mif, *.xml, *.html und viele mehr. PDF-Dateien sind jedoch im Grunde nicht zur Bearbeitung gedacht, sodass sie konvertiert werden müssen.
  • Auf Seite 16 in der linken Spalte heißt es: „Das Einrücken von Texten oder Textpassagen wird leider immer noch sehr häufig „manuell“ mit Fix-Tabulatoren oder sogar Leerzeichen vorgenommen, obwohl es in jeder Anwendung dafür bestimmte Funktionen gibt. Solange ein Text nicht übersetzt werden muss, hat diese Vorgehensweise zunächst keinerlei negative Auswirkungen.“ Die Vergangenheit hat gezeigt, dass das nur keine Konsequenzen hat, wenn die Redakteure auch später sauber arbeiten. Sehr oft habe ich bereits Texte gesehen, in die nachträglich noch Texte eingefügt wurden. Wenn der Redakteur die zuvor manuell eingefügten Tabulatoren, Leerzeichen oder auch Bindestriche nicht korrigiert, kommt es auch ohne Übersetzung im Text zu unschönen Verschiebungen bzw. Worttrennungen mitten in der Zeile.
  • Ebenfalls auf dieser Seite heißt es in Zusammenhang mit Tausendertrennzeichen: „Werden diese Zeichen nun nicht konsistent verwendet oder stattdessen Leerzeichen gesetzt, wird die Zahl vom System nicht oder falsch erkannt und gegebenenfalls auch durch automatische Konvertierungsprozesse falsch „übersetzt“.“ Diese Probleme sind mir ebenfalls schon aufgefallen, gebe aber zu bedenken, dass es im Deutschen, auch laut Duden, zulässig ist, als Tausendertrenner ein Leerzeichen zu verwenden. Es handelt sich also nicht so sehr um ein Problem der Redaktion, sondern vielmehr um eines der Technik, sofern die Zahlenformate im ganzen Text einheitlich verwendet werden.

Das war es von mir. Meiner Meinung nach ein sehr lesenswerter Artikel.

*MDÜ – Fachzeitschrift für Dolmetscher und Übersetzer, Ausgabe 2/15, S. 14-17; mit ausdrücklicher Genehmigung der MDÜ-Redaktion und Frau Dr. Nicole Keller

Erfolgreichere Angebote ohne am Preis zu drehen?

Schon wieder ein Angebot abgegeben, das der Kunde mit einem Hinweis auf den Preis abgelehnt hat? Das ist wohl jedem in der Übersetzungsbranche, egal ob Freiberufler oder Agenturbetreiber, schon passiert. Sätze wie „Ein anderer Dienstleister ist aber günstiger…“ oder „Das Gleiche bekomme ich woanders billiger…“ hört man immer wieder von „preisbewussten“ Kunden. Aber stimmt das denn überhaupt? Bevor Sie anfangen, sich kopfüber in einen Preiskampf zu stürzen, den Sie eigentlich überhaupt nicht wollen, sollten Sie sich eventuell zunächst Ihr Angebotsschreiben genauer ansehen.

Ist Ihr Preis überhaupt mit dem Ihres Wettbewerbers vergleichbar? Versetzen Sie sich dabei einmal in Ihren Kunden. Vergessen Sie alles, von dem Sie meinen, dass es selbstverständlich wäre. Kann der Kunde tatsächlich anhand Ihres Angebotsschreibens erkennen, welche Leistungen Sie erbringen? Oder nennen Sie lediglich einen festen Preis? Ich arbeite seit 2006 in der Übersetzungsbranche und habe seitdem sehr unterschiedliche Herangehensweisen kennengelernt, wie man Angebote schreibt. Eines kann ich definitiv sagen: Kein Angebot gleicht dem anderen.

Was steckt drin?

Viele Übersetzer und Agenturen geben, kurz gesagt, einfach einen pauschalen Preis an. Das läuft dann nach dem Motto: „Sie wollen Datei XYZ übersetzen lassen. Das kostet bei uns XYZ Euro.“ Natürlich kommen dann noch ein paar weitere Informationen, zum Beispiel hinsichtlich des Liefertermins hinzu. Auf die eigentliche Leistung wird aber oft überhaupt nicht eingegangen. Was umfasst die Leistung „Übersetzung“ überhaupt? Ist das wirklich die einzige Leistung, die Sie für Ihren Kunden erbringen? Oder gehört bei Ihnen „selbstverständlich“ auch ein Lektorat oder die Formatierung des Zieltextes dazu? Das ist natürlich löblich, aber wenn Sie etwa schreiben, dass bei Ihnen die Übersetzung 500 Euro kostet, vergleicht das der Kunde oft mit dem, was Ihr Wettbewerber ebenfalls als Übersetzung bezeichnet. Die Position „Übersetzung“ beim Wettbewerber beläuft sich jetzt aber nur auf 400 Euro. Das Lektorat und die Formatierung laufen jeweils unter eigenen Positionen, sagen wir zu einem fiktiven Preis von 80 bzw. 20 Euro. Der Gesamtpreis ist bei Ihnen und Ihrem Wettbewerber jeweils 500 Euro. Für wen aber wird sich der Kunde entscheiden? Ich werde es Ihnen sagen. In den meisten Fällen wird es Ihr Mitbewerber sein, da der Kunde nicht nur die „Übersetzung“ vermeintlich billiger bekommt, sondern auch noch zwei tolle Zusatzleistungen. Einfach einen tollen Service. Jetzt sagen Sie: „Die waren bei mir aber auch dabei!“ Mag sein, das spielt aber nur eine Rolle, wenn Ihr Kunde hellseherische Fähigkeiten hat.

Das Zauberwort heißt „Aufschlüsseln“

Auch wenn es Ihnen bescheuert erscheinen mag, alles haarklein aufzuzählen, Ihren Kunden wird das in der Regel nicht stören. Vielmehr bieten Sie Ihrem Kunden einen interessanten Service, da Sie Ihre Angebote modular aufbauen können. In der Praxis sieht das dann so aus, dass Sie die Leistungen, die Sie erbringen, einzeln aufführen. Das ist dann natürlich in erster Linie die „Übersetzung“, aber auch „Vier-Augen-Lektorat“, „Frontend-Lektorat“, „Pflege einer Übersetzungsdatenbank“, „Erstellen einer Terminologieliste“, „Formatierung des Zieltextes im Quellformat“, „Projektmanagement“ usw. sind denkbar. Einige der Dienstleistungen „müssen“ eventuell nicht unbedingt erbracht werden. Vielleicht sind Sie aber der Meinung, dass Ihr Kunde im konkreten Fall hiervon profitieren würde. Diese Leistungen können Sie problemlos als optionale Positionen anbieten. So versetzen Sie Ihren Kunden in die Lage, genau zu sehen, welche Leistungen Sie erbringen, und selbst zu entscheiden, was er wirklich von Ihnen benötigt. So oder so, entweder Sie verkaufen noch mehr Leistungen als zunächst gedacht, da Sie den Kunden erst auf die Idee bringen, oder Sie können sich bestimmte Aufwände sparen. Beides ist für Sie sehr positiv.

Machen Sie Ihrem Kunden eine Freude

Wenn Sie mit Translation-Memory-Systemen arbeiten und auch Wiederholungsrabatte und dergleichen geben, ergibt sich für Sie noch eine weitere Möglichkeit, den Kunden für sich zu gewinnen. Sie kennen das sicher… Sie sehen zum Beispiel einen tollen, neuen Flachbildfernseher. Der ist aber unheimlich teuer. Wenn daneben aber ein vergleichbares Produkt steht, das aber noch viel teurer ist, erscheint Ihnen der erste Fernseher fast schon wie ein Schnäppchen. Der Preis hat sich wohlgemerkt nicht verändert. Wenn Sie Wiederholungsrabatte geben, dann sollten Sie das entsprechend kenntlich machen und zwar in Form von Zahlen. Nichts ist ein besserer Blickfang als eine Zahl. Mein Tipp: Rechnen Sie die Rabatte nicht direkt ein, sondern zerlegen Sie den Preis genüsslich vor den Augen des Kunden. Schreiben Sie also nicht, dass der Preis XYZ Euro beträgt und die Rabatte schon eingerechnet sind, sondern schreiben Sie: „Der Preis beträgt eigentlich XYZ Euro. Aufgrund des Wiederholungsanteils von XYZ Prozent kann ich Ihnen die Übersetzung jedoch zu einem Preis von ABC Euro anbieten.“ Das ist transparent, ehrlich und verschafft Ihrem Kunden ein gutes Gefühl. Was will man mehr?

Entscheiden Sie von Fall zu Fall

Bevor Sie jetzt in einen Aufschlüsselungsrausch verfallen, sollten Sie einige Aspekte nicht aus den Augen verlieren. Dazu gehört, dass Sie das Angebot übersichtlich halten sollten. Wenn der Kunde vor lauter Positionen am Ende nicht mehr weiß, was er zu zahlen hat, hilft Ihnen die schönste Aufschlüsselung nichts. Zudem sollten Sie nichts aufschlüsseln, was eigentlich nicht sinnvollerweise aufgeschlüsselt werden kann. In diesen Fällen wittert der Kunde Preistreiberei, was Sie ja gerade nicht wollen. Vor allem sollten Sie das Angebot aber an die Wünsche und Vorstellungen des Kunden anpassen.

Vielleicht lässt sich ja auch bei Ihnen in dieser Hinsicht etwas optimieren? In diesem Sinne wünsche ich Ihnen viel Erfolg!

Machen Sie mehr aus Ihren Projektmanagern

Als freiberuflicher Übersetzer ist man oft Einzelkämpfer. Da ergibt es sich von selbst, dass man für seine Kunden der einzige Ansprechpartner im Unternehmen ist. Eine persönliche Betreuung ist hier Standard. Bei Unternehmen mit mehreren Mitarbeitern, so auch bei vielen Übersetzungsagenturen, muss die Geschäftsführung allerdings gezielt darauf achten, dass es der Kunde möglichst immer mit dem gleichen Ansprechpartner zu tun hat. Dies ist mittlerweile so selbstverständlich geworden, dass man es sich kaum noch anders vorstellen kann. Die Vorteile liegen für mich auf der Hand. Der Projektmanager einer Übersetzungsagentur lernt den Kunden genauer kennen, weiß wie er mit diesem umgehen muss, was er benötigt und was er erwartet. Im Idealfall wird der Projektmanager nach und nach zu einem Experten für diesen Kunden und seine Produkte. Schon dies ist ein Mehrwert für den Kunden, was in der Regel aber erst dann auffält, wenn der Projektmanager in den Urlaub fährt oder krank wird. Die Vertretung kann dieses Mehr an Wissen nur bedingt ersetzen.

Bei einigen meiner Agenturkunden habe ich jedoch gesehen, dass man diese Spezialisierung auf einen Kunden auch auf eine ganze Branche ausweiten kann. Ich finde diese Idee sehr gut und vielleicht hat der ein oder andere von Ihnen noch nie daran gedacht. Es geht um Folgendes: In diesen Übersetzungsagenturen kümmert sich ein Projektmanager um mehrere bzw. alle Kunden, die aus der gleichen Branche kommen, zum Beispiel „Automotive“ oder „Medizintechnik“. Bei Agenturen, die sich ohnehin auf nur eine Branche spezialisiert haben, ist das natürlich hinfällig, bei allen anderen kann dies jedoch deutliche Vorteile bringen, wohlgemerkt ohne nennenswerte Mehrkosten.

Der Projektmanager wird nach und nach zu einem Experten für die Branche, da er mit jedem Projekt, das er betreut, Wissen ansammelt, das für alle Seiten gewinnbringend sein kann. So lernt der Projektmanager, auf was es in der jeweiligen Branche besonders ankommt. Dies können Normen, Fachterminologie, Konventionen und viele andere Aspekte sein. In Unternehmen, in denen der Projektmanager auch in den Qualitätssicherungsprozess eingebunden ist, kann dies den Unterschied zwischen einem guten und einem hervorragenden Projektergebnis ausmachen.

Weiterhin wird das Fragen- und Antwortmanagement deutlich optimiert. Viele Fragen der Übersetzer können eventuell, sofern sich der Projektmanager absolut sicher ist, ohne Rückfragen beim Kunden beantwortet werden. Wenn doch der Kunde einbezogen werden muss, können diesem die Fragen möglicherweise in einer besser verständlichen Form präsentiert werden.

Wo wir gerade vom Kontakt mit dem Kunden sprechen… das gewonnene Fachwissen ermöglicht es dem Projektmanager auf einer anderen Ebene mit dem Kunden zu sprechen. Aber Vorsicht! Der Kunde erwartet professionelle Übersetzungsleistungen oder sonstige Sprachdienstleistungen von der Übersetzungsagentur, keine Ingenieursleistungen. Die bekommt er woanders besser. Man sollte sich also nicht zu weit aus dem Fenster lehnen.

Auch gegenüber den Übersetzern ergeben sich Vorteile. Da man viel häufiger mit Texten aus den gleichen Fachgebieten zu tun hat, wird die Zusammenarbeit mit den für dieses Fachgebiet geeigneten Übersetzern intensiver. So lernt man die jeweiligen Stärken und Schwächen der Übersetzer besser kennen und kann ihnen jeweils die Projekte anbieten, die am besten zu ihrem Profil und ihren Stärken passen. Außerdem weiß der Projektmanager dann eher, worauf er bei der Qualitätssicherung besonders achten sollte. Ebenso wird die Verfügbarkeit der Übersetzer so ein wenig leichter einschätzbar.

Nennenswerte Nachteile sehe ich bei dieser Vorgehensweise nicht, höchstens, dass im Vertretungsfall der Unterschied noch gravierender ausfällt als normal. Als Kunde könnte man auf die Idee kommen, dass die eigenen Daten nicht mehr so sicher sind, wenn der Projektmanager auch Wettbewerber betreut, allerdings kann dies genauso passieren, wenn sich der Kollege um den Wettbewerber kümmert. Im Geschäftsverkehr ist Vertraulichkeit ein hohes Gut und kann durch entsprechende Vereinbarungen (heute zumeist „Non-Disclosure Agreements“) noch stärker in den Mittelpunkt gestellt werden. Ein Quäntchen Vertrauen ist aber ebenfalls unabdingbar.

Fazit: Die Betreuung verschiedener Kunden aus der gleichen Branche durch einen bestimmten Projektmanager bringt meiner Meinung nach Mehrwert für den Kunden, die Agentur und die Übersetzer und das ohne nennenswerte Kosten. Es ist einen Gedanken wert.

Tipp zu „including, without limitation“

Für erfahrene Rechtsübersetzer ist das ein alter Hut und auch diverse Übersetzerforen haben diesen Punkt schon mehrfach durchgekaut. Für Neulinge im Bereich der Rechtsübersetzung könnte dieser Tipp aber dennoch hilfreich sein.

In englischsprachigen Verträgen begegnet einem immer wieder die sperrige Floskel „…including, without limitation to…“. Insbesondere vor Aufzählungen, die über eine halbe Seite gehen, ist diese Wendung beliebt. Manch ein Übersetzer arbeitet sich mühsam daran ab und versucht, die Formulierung ins Deutsche zu retten. Dabei kommen dann Wendungen wie „einschließlich und ohne Einschränkung auf“ oder ähnlich heraus, die alles andere als leichtfüßig sind. Dabei ist das Deutsche gerade in diesem Fall mit einer passenden, sehr knappen Lösung gesegnet. Versuchen Sie es beim nächsten Mal, wenn Sie auf diese Formulierung stoßen, doch mal mit dem schönen Wort „insbesondere“. Sie werden sehen… das wirkt Wunder. Viel Freude damit!

Ach, Sie decken das Fachgebiet Technik nicht in Gänze ab?

Von dieser Frage, die mir tatsächlich so gestellt wurde, war ich im ersten Augenblick etwas verblüfft. Ich musste den Text der E-Mail, in der dieser Satz stand, gleich noch einmal lesen. Dazu aber später mehr. Jetzt erst kurz zum Hintergrund:

Es ist einer meiner regelmäßigen Akquisenachmittage und ich schreibe einige Übersetzungsagenturen an. In der E-Mail stelle ich mich und meine Leistungen kurz und knackig vor. Dazu gehört auch eine kurze Auflistung der Fachgebiete, in denen ich Übersetzungen anfertige, unter anderem auch Medizintechnik und zwei weitere technische Fachgebiete. Die Resonanz auf meine E-Mails ist diesmal rein quantitativ sehr gut (zum Qualitativen kann man in der Regel nicht so schnell eine Aussage treffen). Mit dem Inhalt einer der Antwort-E-Mails habe ich allerdings nicht gerechnet. Nach den üblichen  „Vielen Dank“-Floskeln kam Folgendes: „Wir sind hauptsächlich auf technische Texte spezialisiert. Sehe ich das richtig, dass Sie dieses Gebiet nicht in Gänze abdecken?“

Da kommt man ins Grübeln. Seit Jahren heißt es von überall her, dass Spezialisierung unabdingbar ist, um auf dem heutigen Übersetzungsmarkt bestehen zu können. Auch ich sage das jedem, der mich fragt. Und nicht nur das… ich glaube auch daran. Nur wer sich in einer Disziplin sehr gut auskennt, wird Texte aus diesem Bereich auch fachlich korrekt und gut übersetzen können. Fachkenntnisse sind zwar nicht alles, denn auch ein gutes Sprachgefühl und übersetzerische Kompetenz sind erforderlich. Das fachliche Know-how hilft jedoch ungemein. Als Spezialist wird man einen Text deutlich schneller und präziser übersetzen können, als ein anderer Übersetzer, der ein Laie im jeweiligen Fach ist. Das gilt auch, wenn diese zweite Person ein hervorragender Übersetzer sein sollte. Ich denke, darin sind sich die meisten Kollegen einig. Und dann bekommt man eine solche Frage gestellt.

Das Problem ist, dass „Technik“ ebenso wie „Recht“ oder „Wirtschaft“, im Grunde kein Fachgebiet ist, sondern eine Gruppe von Fachgebieten. Kennt sich denn ein Maschinenbauingenieur mit Atomkraftwerken aus? Wohl eher nicht. Kann ein Luft- und Raumfahrtingenieur sein Auto selbst reparieren? Auch das ist nicht unbedingt gesagt. Wie sollen wir als Übersetzer dann ein Feld abdecken, das von Nanotechnologie bis zu Großbauwerken, wie Brücken, Staudämmen usw., reicht? Das kann bzw. das sollte niemand.

Irgendwie kann ich die Agentur ja auch verstehen. Man möchte es leicht haben. Wenn ein technischer Text reinkommt, möchte man nicht erst überlegen müssen, welcher Übersetzer dafür geeignet ist. Man schickt ihn einfach an irgendeinen der „Technik“-Übersetzer. Der wird das schon richten. Man muss vielen Kollegen zugute halten, dass sie sich sehr oft dermaßen in ein für sie neues Thema reinhängen, dass das Ergebnis am Schluss in Ordnung ist. Der Weg dahin ist dann aber oft mit Blut, Schweiß und Tränen getränkt. Auch die Frage, ob sich der Auftrag rein finanziell gelohnt hat, muss man sich dann aufgrund des wahrscheinlich höheren Zeitaufwands stellen. Ich selbst lehne Aufträge ab, wenn ich nicht sicher bin, eine gute Qualität liefern zu können. Ob die Texte dabei aus dem eigenen Fachgebiet kommen oder nicht, ist dabei nicht das entscheidende Kriterium. Allerdings käme ich nie auf die Idee zu sagen, dass ich jede Art von technischem Text machen kann. Natürlich nicht. Das muss ich von Fall zu Fall entscheiden.

Auch Agenturen sollten sich entscheiden, was sie möchten. Spezialisten oder vermeintliche Alleskönner? Die Sorgfaltspflicht gegenüber dem Kunden sollte hier wenigstens schon eine Tendenz vorgeben. Wie ist Ihre Meinung?

Webinar zu klinischen Studien

Da man nie auslernt, habe ich am vergangenen Donnerstag an einem Webinar zum Thema „Ein Überblick über klinische Studien und das Übersetzen von Studiendokumenten“ teilgenommen. Zwar hatte ich selbst auch zuvor bereits Studienunterlagen übersetzt, doch wollte ich gerne mehr über das Thema erfahren. Die beste Gelegenheit dazu war das vom Landesverband Baden-Württemberg des BDÜ veranstaltete und von Frau Daniela Penn gehaltene Webinar (bzw. Online-Seminar). Frau Penn ist Diplom-Fachübersetzerin mit den Fachbereichen Medizin, Medizintechnik und Pharmazie sowie Medical Writer und daher mit dem Thema mehr als vertraut.

Das Webinar gab einen Überblick über die verschiedenen Studiendesigns, die 4 Phasen einer Studie, den Aufbau von Studiendokumenten, die beteiligten Institutionen und Personen, rechtliche Vorgaben, wichtige Begriffe, Glossare und vieles mehr. Auf zwei Arten von Studiendokumenten, Einwilligungserklärungen und Studiensynopsen, wurde anschließend in einem Workshop näher eingegangen.

Zwei Aspekte sind mir besonders in Erinnerung geblieben:

  • Zielgruppengerechtes Übersetzen
    Gerade in einem Fachgebiet, das mit sehr vielen Fremd- und Fachwörtern arbeitet, ist die Verwendung einer für die jeweilige Zielgruppe verständlichen Sprache wichtig. Ein einfaches Beispiel wäre, dass man in der Studiensynopse, die sich an Fachleute richtet, problemlos den Terminus „Anamnese“ benutzen kann bzw. sollte, in einer Einwilligungserklärung, die an den Studienteilnehmer bzw. Patienten gerichtet ist, der Terminus „Krankengeschichte“ jedoch geeigneter wäre… und das wohlgemerkt auch dann, wenn in der Ausgangssprache, sagen wir etwa Englisch, in beiden Fällen „medical history“ steht.
  • Kontextgerechtes Übersetzen
    Wenn im Englischen bei klinischen Studien der Terminus „patient“ verwendet wird, kann man das im Deutschen als „Patient“, „Proband“ oder neutral als „Studienteilnehmer“ übersetzen. Welcher Begriff hierbei richtig ist, hängt in erster Linie von der Studienphase und den Vorlieben des Auftraggebers ab. In der Phase I wird ein Prüfpreparat oder Medizinprodukt nicht an Menschen getestet, die tatsächlich an der zu behandelnden Krankheit leiden, sondern an gesunden Menschen. Hier von „Patient“ zu sprechen wäre somit falsch. Echte Patienten kommen erst in Phase II in Betracht.

Das Webinar hat mich persönlich durchaus weitergebracht, und ich freue mich bereits auf die zwei weiteren Webinare von Frau Penn zu den Themen „Zulassungsunterlagen richtig übersetzen“ am 9. Oktober 2014 sowie „Die Terminologie in der Kardiologie und in der kardiologischen Medizintechnik“ am 20. November 2014.