Kategorie-Archiv: Übersetzen allgemein

Das Muttersprachlerprinzip – was dahintersteckt

Auf den Websites von Übersetzungsagenturen oder anderen Übersetzungsdienstleistern liest man oft Schlagworte wie „Muttersprachprinzip“, „Vier-Augen-Lektorat“, „Zertifizierte Qualität“ und und und. Wenn Sie nicht gerade selbst aus der Übersetzungsbranche kommen, werden Sie eventuell nicht immer wissen, was damit genau gemeint ist. Was Ihnen die Anbieter sagen möchten und wie viel Substanz tatsächlich dahintersteckt, möchte ich Ihnen hier und in den folgenden Posts an ein paar Beispielen zeigen.

Muttersprach(ler)prinzip

Was es heißen soll: Die eingesetzten Übersetzer sind Muttersprachler der Zielsprache, d. h. dass ein Text, den Sie auf Englisch benötigen, von einem englischen Muttersprachler bearbeitet wird. Diesem Prinzip liegt die Annahme zugrunde, dass man sich in seiner Muttersprache am besten ausdrücken kann, weshalb auch die Übersetzungsqualität bei einer Übersetzung in die Muttersprache besser ist, als wenn in die Fremdsprache übersetzt wird.

Wie die Realität aussieht: Wenn Sie selbst eine Fremdsprache sprechen, werden Sie wissen, dass Sie sich eventuell nicht ganz so geschliffen ausdrücken können wie in Ihrer Muttersprache, insbesondere dann, wenn Sie sich mit einem Muttersprachler vergleichen. Das Muttersprachprinzip ist also nicht ganz von der Hand zu weisen. Es gibt allerdings einige Punkte, die beachtet werden sollten.

1) Textverständnis: Was hilft es dem Übersetzer, wenn er einen sprachlich einwandfreien Zieltext produziert, der inhaltlich falsch ist, weil die Aussage des Ausgangstexts auf sprachlicher Ebene nicht verstanden wurde? Hätte hier ein Muttersprachler der Ausgangssprache den Text nicht vielleicht besser erfasst und dann korrekt übertragen?

2) Sprachniveau: Sprechen Sie genauso gut Deutsch wie Ihr Kind, Ihr Professor, Ihr Paketbote, Ihr Arzt oder Ihre Frisörin? Wieso ich das frage? Die Chance besteht, dass alle genannten Personen eines gemeinsam haben: die Muttersprache. Jeder hat eine Muttersprache. Diese allein ist aber kein Zeichen von Qualität.

3) Sachkenntnis/Fachjargon: Nehmen wir jetzt aber mal an, das muttersprachliche Niveau des Übersetzers ist ausreichend hoch. Um eine vernünftige Übersetzung erstellen zu können, sind aber noch mehr Dinge gefragt. Der Übersetzer muss wissen, worum es geht. Wenn Sie technische Dokumentation übersetzen, müssen Sie wenigstens ein grundlegendes, meist aber ein profundes Wissen über das jeweilige technische Fachgebiet haben. Auch muss bekannt sein, wie man sich in einer Branche bzw. in einer bestimmten Textsorte (Anleitung, Korrespondenz, Ausschreibungen usw.) ausdrückt. Die Muttersprache allein gibt einem das nicht mit.

Fazit: Das Muttersprachprinzip ist zwar sinnvoll, reicht allein aber bei weitem nicht aus, um eine brauchbare Übersetzung zu gewährleisten. Vielmehr sind zusätzlich ein bestimmtes Sprachniveau, profunde Kenntnisse der Fremdsprache, viel Sachkenntnis und vieles mehr gefragt, die oftmals ein Übersetzer, der in die Fremdsprache übersetzt, ebenso oder manchmal sogar insgesamt besser bieten kann.

Längenbegrenzungen in der Übersetzung

Es kommt auf die Größe an… Wenn Sie jetzt rot werden, haben Sie sich eventuell im Blog vertan oder die Überschrift nicht gelesen. Kurz durchatmen. Mit den Gedanken wieder beim Text? Prima. Die meisten Übersetzer, außer vielleicht Englisch-Türkisch-Übersetzer oder solche mit Zielsprache Arabisch (eine Konsonantenschrift, mehr dazu hier), werden im Laufe ihrer Arbeit schon bemerkt haben, dass ihre Arbeitssprachen unterschiedlich lang laufen d. h. ein Text in der Ausgangssprache und in der Übersetzung unterschiedlich lang sind. Das hat einerseits damit zu tun, dass manche Sprachen mehr Wörter benötigen, um etwas auszudrücken, oder aber die Wörter länger sind. Wenn man Pech hat, trifft beides gleichzeitig zu. In der Sprachkombination, in der ich am häufigsten arbeite – Englisch-Deutsch – ist der übersetzte deutsche Text oft um 20 Prozent länger als das englische Original. Dabei neige ich nicht unbedingt dazu, sehr ausschweifend zu übersetzen. Im speziellen Fall des Deutschen liegt eine der Ursachen darin, dass die deutschen Wörter meist erheblich länger sind als ihre Pendants.

Bis hierhin und nicht weiter

Die eben beschriebene Expansion der Textlänge wird dann zum Problem, wenn es um Texte für Websites, bestimmte Druckmedien oder Software geht. In diesen Bereichen gibt der Kunde häufig Vorgaben für die Textlänge, die allgemein oder aber nur für bestimmte Teile des Textes gelten. Die Gründe hierfür sind technischer Natur (etwa bei Maschinensoftware) oder berühren Layoutvorgaben bzw. -einschränkungen (bei Websites und Druckmedien). Ein Korsett, das dem Übersetzer manchmal nur wenig Raum zum Atmen lässt.

Viele Maschinen sind zum Beispiel mit kleinen, mehrzeiligen Displays ausgestattet, in die pro Zeile oft nur 3 oder 4 Wörter passen. Sofern keine Scrollfunktion vorgesehen ist, muss der Text vollständig in die verfügbaren, direkt sichtbaren Zeilen passen. Ist der Text länger wird er entweder abgeschnitten (“Ausrichtu…”) oder erst gar nicht von der Software akzeptiert. Ein ähnliches Problem tritt bei Software-Schaltflächen auf. Oft kann die Größe der Schaltflächen (Buttons) in einer Software nicht verändert werden, vielmehr muss sich der Text anpassen. Bei Broschüren, Katalogen usw. können die maximale Seitenzahl und das Platzangebot aufgrund der Druckkosten bzw. aus Gründen des Gesamtlayouts beschränkt sein. Was aber, wenn der übersetzte Text nicht in die verfügbaren, nicht mehr erweiterbaren Textrahmen passt oder die Seite anderweitig sprengt? Auf Websites wiederum dürfen Überschriften bisweilen nicht länger als 1 bis 2 Zeilen lang sein. Ähnliches gilt für Unterüberschriften, Teaser und sonstige Textbestandteile. Auch der Länge der URL für sind unter Umständen Grenzen gesetzt (die maximale URL-Länge im Internet Explorer beträgt bspw. 2.083 Zeichen).

Doch welche Optionen hat man als Übersetzer, einen Text wirkungsvoll einzukürzen? Grob gesagt sind es zwei: das Einkürzen auf Satzebene und das Einkürzen auf Wortebene. Welche der beiden Varianten man einsetzt, hängt sehr stark von der Textsorte bzw. dem oben beschriebenen Einsatzfeld des Textes ab (Website, Druckmedium, Software).

Abkürzung auf Wortebene

Bei Softwaretexten, insbesondere bei Maschinensteuerungen, kommt oft die Kürzung auf Wortebene zum Einsatz. Wörter werden mit Punkt abgekürzt oder durch ein Akronym ersetzt. In beiden Fällen läuft man Gefahr, ein von der Länge passendes, aber unverständliches Kauderwelsch zu produzieren. So ist es teils schwierig, passende Abkürzungen zu finden, die später vom Benutzer des Textes auch verstanden werden. Keine Probleme machen gängige Abkürzungen wie „St.“ (für Stück), „Min.“ (für Minute) oder „Anz.“ (für Anzahl) oder Akronyme wie „DC“ (für Gleichstrom, engl. direct current) oder „SPS“ (für Speicherprogrammierbare Steuerung; hier ist eine kürzere Version wirklich bitter nötig). Bei „Stdabw.“ (so in der Praxis gesehen) kommt der ein oder andere aber wohl ins Schwitzen, da der Weg zu „Standardabweichung“ doch ein wenig weiter ist. Kritisch wird es, wenn der Abkürzungspunkt direkt nach dem ersten Buchstaben kommt („P.“ für Punkt, Präzision oder Potential?) oder eine Abkürzung gewählt wird, die es bereits anderweitig gibt. Einmal ist mir „m“ begegnet. Auf den ersten Blick erwarte ich hier die ISO-Einheit „Meter“, gemeint war aber tatsächlich „Minute“.

Abkürzung auf Satzebene

Bei Texten, die sich trotz Längenbegrenzung auch noch gut anhören sollen, wie etwa Broschüren oder Websites, ist die Kürzung auf Satzebene gefragt. Zwar ist die Verwendung von Abkürzungen und Akronymen hier nicht verboten, sollte sich aber auf diejenigen beschränken, die entweder allgemein üblich („z. B.“, „bzw.“, „UNO“, „ISO“ usw.) oder firmen-/branchentypisch („ECU“, „ESP“ oder „KBA“ in der Autobranche) sind. Alles andere erschwert den Lesefluss und sieht dazu noch bescheiden aus. Es ergeben sich folgende Optionen (hier nur eine Auswahl):

  • Substantiv vs. Verb
    Der erste Schritt, um die Länge auf Satzebene zu verringern, muss für den Übersetzer immer zuerst das Umformulieren sein. Hierzu kann ein zunächst substantivisch gehaltener Satz verbal ausgedrückt werden. Das spart nicht nur Raum, sondern trägt auch noch zu einem besseren Lesefluss bei. Ein Beispiel: Substantivisch: „Die Supergut GmbH schmälert die Gewinnerwartungen für das kommende Jahr. Verbal: „Die Supergut GmbH erwartet für das kommende Jahr geringere Gewinne.“ Zu viel darf man sich von dieser Methode aber nicht erwarten, da es stark darauf ankommt, wie viele Substantive aufgelöst werden können. In diesem Fall, mit einem einzelnen aufgelösten Substantiv, spart man immerhin 5 Zeichen.
  • Satzbau
    Die zweite Möglichkeit besteht darin, den Satzbau an sich zu ändern bzw. Nebensätze aufzulösen. Beispiele: Ausgangssatz: „Das Gerät besticht durch seine Benutzerfreundlichkeit und kommt ohne Einbußen bei der Sicherheit aus.“ Variante A: „Das benutzerfreundliche Gerät kommt ohne Einbußen bei der Sicherheit aus.“ Variante B: „Das Gerät besticht durch seine Benutzerfreundlichkeit – ohne Einbußen bei der Sicherheit.“ Natürlich wird diese Möglichkeit je nach Textsorte bzw. konkreter Textstelle nicht immer umsetzbar sein, dennoch sollte man sie als Übersetzer in Betracht ziehen. Bei unseren Beispielen sparen wir respektable 28 bzw. 12 Zeichen.

Und bist Du nicht willig, so brauch ich Gewalt – Bestandteile weglassen

Trotz all dieser Varianten gibt es Fälle, bei denen ich als Übersetzer an die Grenzen der Sprachvergewaltigung komme. Wenn wirklich nichts mehr geht, muss ausgemistet werden. Die ersten Opfer gibt es bei den Füllwörtern und ausschmückenden Adjektiven. Wenn es dann immer noch nicht reicht, um die vorgegebene Länge zu erreichen, muss eine Entscheidung her. Was ist wichtig, was kann weg? Als Übersetzer hat man nur selten die Möglichkeit, diese Entscheidung selbst zu treffen. Welche Aussage des Ausgangstextes ist für den Autor bzw. den Kunden so wichtig, dass sie nicht unter den Tisch fallen darf? Oftmals ist das nicht unbedingt der Teil, den man als Dritter weggelassen hätte. Hier gilt es: den Kunden einbeziehen.

Letztendlich gibt es eine Reihe von Mitteln, einen Text kürzer zu machen. Doch sind stets die Aussage des Textes, die Textsorte, die Verständlichkeit und der Wunsch des Kunden im Auge zu behalten.

Rezension – „Technische Dokumentation richtig und benutzerfreundlich übersetzen“

Jede Branche hat ihre eigene Sprache. Das merkt man schnell, wenn man sich aus dem eigenen Fachgebiet herausbewegt. Dann beginnt bei manch einem die Rutschpartie. So geht es auch vielen Technikübersetzern, wenn sie mit Texten aus der Juristerei, Marketing, Kunst und sonstigen Bereichen konfrontiert werden. Natürlich ist die Terminologie eine andere, aber auch sprachliche Konventionen und der Stil sind teilweise völlig verschieden. Umgekehrt ist es genauso. Zwar hat jeder schon einmal eine Bedienungsanleitung oder ähnliches in der Hand gehalten, doch in diesem Bereich zu übersetzen, fällt einem Übersetzer, der technische Texte nicht gewohnt ist, manchmal dennoch ziemlich schwer.

In diesen Fällen kann eventuell das kürzlich beim Fachverlag des BDÜ erschienene Buch „Technische Dokumentation richtig und benutzerfreundlich übersetzen“ von Manfred Braun weiterhelfen. Der Autor ist langjähriger Technikübersetzer und kommt dazu noch aus der technischen Redaktion, sodass er das Thema von zwei Seiten beleuchten kann. Das war interessant genug für mich, mir dieses Buch zu kaufen, auch wenn ich schon seit mehreren Jahren in der technischen Übersetzung tätig bin.

Überblick

Der Autor gibt zunächst einen umfangreichen Überblick über die verschiedenen Erscheinungsformen technischer Dokumentation, was Betriebsanleitungen, Stücklisten, Datenblätter, Qualitätsmanagementhandbücher, technische Zeichnungen, Verkaufsunterlagen und vieles mehr umfassen kann. Er beleuchtet zudem die besonderen Spielarten, auf die man etwa im Kraftfahrzeugbereich, der Luftfahrt oder im militärischen Bereich trifft.

Es folgt ein ausführliches und für mich sehr interessantes Kapitel zur Maschinenrichtlinie, der Bibel (mindestens!) der technischen Redaktion.

Nach der Beschreibung verschiedener Dateiformate und Datenträger, auf der technische Dokumentation kommen kann, sowie einer Beschreibung der Gliederung einer Bedienungsanleitung, geht es an den Kern der Sache: die Besonderheiten der Sprache in der technischen Dokumentation. Der Autor beschreibt eingehend, welchen Schwierigkeiten sich Technikübersetzer oftmals gegenüber sehen. Zu den behandelten Themen gehört unter anderem die Modularisierung technischer Dokumentation, bei der nicht mehr vollständige Anleitungen übersetzt werden, sondern nur noch die noch nicht in der Zielsprache vorliegenden Teile (Module). Außerdem werde kontrollierte Sprachen, maschinelle Übersetzung, die Verwendung der „Sie“- vs. der Infinitivform bei Handlungsanweisungen, unterbrochene Satzstrukturen, Terminologie und viele weitere Themen besprochen.

Meine Meinung zum Buch

Mein erster, recht subjektiver Eindruck war: „Ganz schön dünn.“ Für mehr oder weniger den gleichen (durchaus niedrigen) Preis habe ich beim Fachverlag des BDÜ, bei dem auch das hier besprochene Buch erschienen ist, schon Bücher gekauft, die viermal so dick waren. Daher war ich kurz überrascht. Aber ich versuche möglichst, nicht vom Äußeren auf das Innere zu schließen. Das wäre auch ein Fehler, denn das Buch ist klein, hat es aber durchaus in sich!

Sehr schön fand ich…

  • Die Liste mit den H- und P-Sätzen, mit der die eine oder andere Recherche unnötig wird.
  • Die Übersicht über den Aufbau von Sicherheitsdatenblättern.
  • Die neutrale Betrachtung maschineller Übersetzung, die auch die Vorteile hervorhebt, die diese Entwicklung unter bestimmten Umständen durchaus hat.
  • Der umfassende Überblick über das Thema, der gerade für Einsteiger sehr nützlich ist und grundlegende Fragen sehr ausführlich und eingehend beantwortet.
  • Einige nützliche Links, wie etwa zu intelliwebsearch.com oder sapterm.com, die auch für den Profi hilfreich sind.

Weniger schön fand ich… (Ich möchte es nicht als Verriss verstehen, dass ich mehr über die negativen als über die positiven Punkte schreibe.)

  • Die starke Fokussierung auf den Aufbau technischer Dokumentation: Ein guter Teil des Buchs beschäftigt sich mit Dingen, die eher für technische Redakteure als für Übersetzer interessant sind. Bei dem Titel „Technische Dokumentation richtig und benutzerfreundlich übersetzen“ hätte ich mir eine stärkere Konzentration auf übersetzungsrelevante Aspekte gewünscht. Über 50 der etwa 120 Seiten beschäftigen sich mit Aspekten, die mit dem Übersetzen technischer Dokumentation, außer dass es eben um technische Dokumentation geht, nur sehr wenig zu tun haben. Das ist sicher dem Hintergrund des Autors geschuldet, ist aber für den einen oder anderen Leser sicher etwas enttäuschend.
  • Kleinere Fehler, insbesondere in dem Kapitel zu den Dateiformaten, die zwar meistens nicht gravierend sind, aber dennoch stören (XML-basiertes Dateiformat *.docx nicht erst seit Word 2013, sondern seit Word 2007, *.idml seit der InDesign-Version CS4 und nicht CS5).
  • Fehlende Informationen, die aus Übersetzersicht hilfreich gewesen wären: So gibt es keinen Hinweis darauf, wie Dateien aus Quicksilver übersetzt werden, obwohl bei anderen Dateiformaten ein solcher Hinweis vorhanden ist (Interessierte können sich gerne bei mir melden). Bei XML-Dateien wird mit keinem Wort auf die Anpassung der Parser-Einstellungen eingegangen. Bei der Behandlung der Redaktions- und Content-Management-Systeme werden weder der Export in XML noch andere Übersetzungsmöglichkeiten erwähnt usw.
  • Bei den sprachlichen Aspekten driften die Erläuterungen öfter in die Aufgabengebiete von technischen Redakteuren ab. Als Übersetzer hat man sehr oft nicht die Möglichkeit, die durchaus sinnvollen Vorschläge umzusetzen bzw. der Kunde wäre nur sehr schwer davon zu überzeugen, den erforderlichen Mehraufwand auch zu bezahlen. Das ist etwa der Fall, wenn es darum geht, die Unterbrechungen der Satzstruktur zu beheben, die durch eingefügte Aufzählungen entstehen. Ein weiterer Fall wäre die chronologische Beschreibung der Ereignisse. Wenn das Geschehen in einem Satz beschrieben wird, dann ist das kein Problem. Wenn die Sätze aber jeweils abgeschlossen sind, womöglich mit Absatzzeichen dazwischen, wird es zumindest bei der Bearbeitung mit CAT schon umständlich.
  • Eine meines Erachtens zu einfache Einteilung in Richtig und Falsch.

Fazit

Das Buch ist vor allem für Neulinge auf dem Gebiet der technischen Übersetzung nützlich und eine wertvolle Hilfe. So können sie lernen, worauf besonders geachtet werden muss und wie besondere Stilmittel korrekt übersetzt werden. Ganz nebenbei lernen sie viel darüber, wie so mancher Kunde aus Maschinenbau und Co. tickt. Auch auf dem Gebiet erfahrenere Kollegen können sicher vom Buch profitieren, werden sich aber eventuell etwas mehr erwartet haben.

EuroVoc-Thesaurus als TBX- und XLSX-Datei verfügbar

Seit Kurzem sind die vom Amt für Veröffentlichungen der Europäischen Union verwalteten EuroVoc-Thesauri als TBX- und XLSX-Dateien verfügbar. Sie können von der Website des Alexandria Project heruntergeladen werden (hier klicken).

EuroVoc ist ein mehrsprachiger Thesaurus, der in den 23 Amtssprachen der Europäischen Union und Serbisch verfügbar ist. Er enthält Begriffe aus verschiedenen Tätigkeitsfeldern der Union sowie geografische Benennungen. Es sind 6883 Einträge von meiner Meinung nach guter Qualität, sodass sich eine Einbindung in das eigene CAT-Tool durchaus lohnen kann. Es kommt wohl auf einen Versuch an.

Tipp zu „including, without limitation“

Für erfahrene Rechtsübersetzer ist das ein alter Hut und auch diverse Übersetzerforen haben diesen Punkt schon mehrfach durchgekaut. Für Neulinge im Bereich der Rechtsübersetzung könnte dieser Tipp aber dennoch hilfreich sein.

In englischsprachigen Verträgen begegnet einem immer wieder die sperrige Floskel „…including, without limitation to…“. Insbesondere vor Aufzählungen, die über eine halbe Seite gehen, ist diese Wendung beliebt. Manch ein Übersetzer arbeitet sich mühsam daran ab und versucht, die Formulierung ins Deutsche zu retten. Dabei kommen dann Wendungen wie „einschließlich und ohne Einschränkung auf“ oder ähnlich heraus, die alles andere als leichtfüßig sind. Dabei ist das Deutsche gerade in diesem Fall mit einer passenden, sehr knappen Lösung gesegnet. Versuchen Sie es beim nächsten Mal, wenn Sie auf diese Formulierung stoßen, doch mal mit dem schönen Wort „insbesondere“. Sie werden sehen… das wirkt Wunder. Viel Freude damit!

Übersetzen von Zahlen

Was zunächst komisch klingt, ist durchaus ernst gemeint. Die meisten Kunden, die eine Übersetzung ihrer Texte in Auftrag geben, denken ausschließlich an die Wörter, nicht an die Zahlen. Wenn diese aber in Kombination mit Einheiten auftreten, besteht oftmals akuter Handlungsbedarf. Für die Übersetzung Ihres Textes sollten Sie sich folgende Fragen stellen:

Enthält mein Text Einheiten, die in dem Land bzw. den Ländern, für die die Übersetzung gedacht ist, nicht üblich sind?
Dieser Fall tritt etwa bei Übersetzungen aus dem Englischen ins Deutsche häufiger auf, da in vielen englischsprachigen Ländern (z. B. den USA, Großbritannien, Kanada usw.) nicht-metrische oder sonstige lokale Einheiten üblich sind. Dabei ist bei Längen zum Beispiel an „inch“, „foot“, „yard“ oder „mile“ zu denken bzw. bei Volumenangaben an „pint“, „gallon“ usw. Erschwerend kommt hierbei hinzu, dass einige dieser Einheiten von Land zu Land unterschiedlich sein können. So sind 10 Liter zum Beispiel etwa 2,65 US-Gallonen, aber nur etwa 2,2 britische Gallonen. Bei solchen, im Deutschen unüblichen Einheiten wäre in den meisten Fällen eine Umrechnung in metrische Einheiten (Meter, Liter) angebracht. (Vorsicht! Eine Umrechnung birgt natürlich immer auch ein gewisses Fehlerpotential. Lassen Sie die Korrektheit der Werte daher stets nochmals prüfen.) Eventuell ist es auch sinnvoll, den ursprünglichen Wert neben dem umgerechneten beizubehalten, etwa in Klammern. Welche Lösung für den jeweiligen Text passend ist, entscheiden Sie. Um diese Entscheidung zu treffen, können Sie sich folgende Frage stellen:

Wer ist das Zielpublikum meines Textes?
Wenn sich Ihr Text an Fachpublikum richtet, können Sie eventuell einige Einheiten unverändert lassen, da Sie davon ausgehen können, dass diese Einheiten in der Branche allgemein bekannt sind. Wenn Sie jedoch eher den Otto Normalverbraucher ansprechen, dann ist es ratsam, sich für die allgemein verständlichen Einheiten zu entscheiden.

Für was auch immer Sie sich entscheiden, eines sollten Sie auf keinen Fall vergessen: Teilen Sie Ihrem Übersetzersdienstleister Ihre Entscheidung mit! Nur wenn er weiß, was Sie möchten, kann er die Übersetzung entsprechend gestalten. Allerdings wird Sie ein erfahrener Übersetzer im Zweifelsfall darauf ansprechen und Sie um entsprechende Anweisungen bitten.

Wenn Sie sich nicht ganz sicher sind, wie Sie vorgehen sollen, ist der Übersetzer Ihres Vertrauens sicher gerne bereit, Sie dahingehend zu beraten.