Kategorie-Archiv: Allgemein

Das Muttersprachlerprinzip – was dahintersteckt

Auf den Websites von Übersetzungsagenturen oder anderen Übersetzungsdienstleistern liest man oft Schlagworte wie „Muttersprachprinzip“, „Vier-Augen-Lektorat“, „Zertifizierte Qualität“ und und und. Wenn Sie nicht gerade selbst aus der Übersetzungsbranche kommen, werden Sie eventuell nicht immer wissen, was damit genau gemeint ist. Was Ihnen die Anbieter sagen möchten und wie viel Substanz tatsächlich dahintersteckt, möchte ich Ihnen hier und in den folgenden Posts an ein paar Beispielen zeigen.

Muttersprach(ler)prinzip

Was es heißen soll: Die eingesetzten Übersetzer sind Muttersprachler der Zielsprache, d. h. dass ein Text, den Sie auf Englisch benötigen, von einem englischen Muttersprachler bearbeitet wird. Diesem Prinzip liegt die Annahme zugrunde, dass man sich in seiner Muttersprache am besten ausdrücken kann, weshalb auch die Übersetzungsqualität bei einer Übersetzung in die Muttersprache besser ist, als wenn in die Fremdsprache übersetzt wird.

Wie die Realität aussieht: Wenn Sie selbst eine Fremdsprache sprechen, werden Sie wissen, dass Sie sich eventuell nicht ganz so geschliffen ausdrücken können wie in Ihrer Muttersprache, insbesondere dann, wenn Sie sich mit einem Muttersprachler vergleichen. Das Muttersprachprinzip ist also nicht ganz von der Hand zu weisen. Es gibt allerdings einige Punkte, die beachtet werden sollten.

1) Textverständnis: Was hilft es dem Übersetzer, wenn er einen sprachlich einwandfreien Zieltext produziert, der inhaltlich falsch ist, weil die Aussage des Ausgangstexts auf sprachlicher Ebene nicht verstanden wurde? Hätte hier ein Muttersprachler der Ausgangssprache den Text nicht vielleicht besser erfasst und dann korrekt übertragen?

2) Sprachniveau: Sprechen Sie genauso gut Deutsch wie Ihr Kind, Ihr Professor, Ihr Paketbote, Ihr Arzt oder Ihre Frisörin? Wieso ich das frage? Die Chance besteht, dass alle genannten Personen eines gemeinsam haben: die Muttersprache. Jeder hat eine Muttersprache. Diese allein ist aber kein Zeichen von Qualität.

3) Sachkenntnis/Fachjargon: Nehmen wir jetzt aber mal an, das muttersprachliche Niveau des Übersetzers ist ausreichend hoch. Um eine vernünftige Übersetzung erstellen zu können, sind aber noch mehr Dinge gefragt. Der Übersetzer muss wissen, worum es geht. Wenn Sie technische Dokumentation übersetzen, müssen Sie wenigstens ein grundlegendes, meist aber ein profundes Wissen über das jeweilige technische Fachgebiet haben. Auch muss bekannt sein, wie man sich in einer Branche bzw. in einer bestimmten Textsorte (Anleitung, Korrespondenz, Ausschreibungen usw.) ausdrückt. Die Muttersprache allein gibt einem das nicht mit.

Fazit: Das Muttersprachprinzip ist zwar sinnvoll, reicht allein aber bei weitem nicht aus, um eine brauchbare Übersetzung zu gewährleisten. Vielmehr sind zusätzlich ein bestimmtes Sprachniveau, profunde Kenntnisse der Fremdsprache, viel Sachkenntnis und vieles mehr gefragt, die oftmals ein Übersetzer, der in die Fremdsprache übersetzt, ebenso oder manchmal sogar insgesamt besser bieten kann.

Weihnachtsdatenbank des BDÜ wieder online

Wenn Sie Ihren internationalen Geschäftspartnern, Kunden, Lieferanten oder Freunden in diesem Jahr eine besondere Freude machen möchten, dann können Sie ihnen in der jeweiligen Landessprache ein frohes Weihnachtsfest wünschen. Die Übersetzung für “Frohe Weihnachten” in mehr als 80 Sprachen finden Sie ab heute auf der Website des Bundesverbands der Dolmetscher und Übersetzer e.V. (BDÜ) unter:

http://secure.bdue.de/weihnachtsdatenbank.php

Schöne Grüße und bereits jetzt Ihnen allen eine angenehme Vorweihnachtszeit, auch wenn es noch ein paar Wochen hin ist.

Kundenpflege in München

Nach längerer Zeit melde ich mich wieder über meinen Blog. Die letzten Monate haben viele spannende Aufträge, interessante Kontakte, neue Kunden und vieles mehr gebracht. Zu den Höhepunkten in dieser Zeit gehört für mich auf jeden Fall auch meine Geschäftsreise nach München vom 7. bis 9. Oktober. Hier dazu nur ganz kurz:

Warum ich nach München gefahren bin? Um Akquise ging es mir auf jeden Fall nicht. In den zweieinhalb Tagen, die ich in der bayerischen Landeshauptstadt verbracht habe, habe ich drei Unternehmen besucht, für die ich bereits arbeite. Außerdem hat es glücklicherweise auch noch für einen Kaffee mit einer lieben Übersetzerkollegin gereicht, die ich längere Zeit nicht gesehen hatte. Ich wollte meine Ansprechpartner bei den Unternehmen, mit denen ich teilweise schon jahrelang mehrmals in der Woche zu tun habe, einfach mal (besser) kennenlernen. Man spricht ganz anders mit einem Menschen, wenn man ein Gesicht vor Augen hat und weiß, wie der andere so tickt. Gerade in Geschäftsbeziehungen finde ich das sehr wichtig, da man so potentielle Missverständnisse von vornherein vermeiden kann.

So habe ich viele nette Menschen mit spannenden Lebensläufen kennengelernt, über gemeinsame Projekte gesprochen, getratscht und gelacht. Es war ein schönes Erlebnis, das ich gerne bald mal wiederholen möchte. Mal sehen, wohin mich meine nächste Geschäftsreise führt…

Demnächst an dieser Stelle hoffentlich wieder mehr aktuelle Beiträge von mir.

Schöne Grüße

Florian Tejera

Technische Übersetzerin mit Musik im Blut

Ich selbst höre zwar gerne Musik, bin ansonsten aber bis in die letzte Zelle meines Körpers durch und durch unmusikalisch. Ich kenne jedoch eine Kollegin, da sieht das ganz anders aus. Daher möchte ich die Gelegenheit nutzen, Ihnen eine überaus charmante und kompetente Englisch-Kollegin zu empfehlen.

Michelle Ruth Kloppenburg, technische Übersetzerin und Pianistin

Dr. Michelle Ruth Kloppenburg

Ihr Name ist Michelle Ruth Kloppenburg, promovierte US-amerikanische Muttersprachlerin, die seit längerer Zeit in Deutschland lebt. Sie ist seit über 15 Jahren als Übersetzerin in der Sprachkombination Deutsch-Englisch aktiv und bewegt sich hauptsächlich in den Bereichen Automobiltechnik, Maschinenbau, IT und E-Mobility. Aber auch Marketing-Texte fallen durchaus in ihren Kompetenzbereich. Als geübte Pianistin hat sie ein Ohr für den richtigen Klang, sodass sie immer den richtigen Ton trifft, natürlich auch in sprachlicher Hinsicht. Davon profitieren nicht nur die von ihr erstellten Übersetzungen aus dem Marketing-Bereich, sondern auch die Texte, die sie kompetent auf Grammatik, Stil und andere Aspekte lektoriert. Und wo wir gerade beim Thema sind… selbst technischen Texten kann ab und an ein bisschen Melodie nicht schaden.

Wenn Sie neugierig geworden sind, dann schauen Sie sich doch das Profil von Michelle auf Xing oder LinkedIn an. Wenn Sie es direkter mögen, dann erreichen Sie sie unter:
michellek@paderborn.com bzw. 0175 8389122.

Kurzer Bericht zum Workshop „Texte redigieren mit Stil“

Erfahrungsberichte sollte man immer möglichst kurz nach der Veranstaltung schreiben. Auch ich nehme mir das jedes Mal wieder aufs Neue vor, scheitere aber oft kläglich. So geht es mir auch mit meinem Bericht zu dem Workshop „Texte redigieren mit Stil“ von Henrike Doerr, den ich im Februar dieses Jahres in Köln besucht habe.

Andererseits hat es auch Vorteile, wenn man etwas mit Abstand betrachtet. Die wirklich wesentlichen Dinge treten deutlicher hervor, da diese am stärksten in Erinnerung bleiben. Deshalb möchte ich mich hier auch nicht in Einzelheiten verlieren, sondern nur in groben Zügen erwähnen, was mir besonders in Erinnerung geblieben ist.

Da wäre natürlich der Inhalt an sich. Was heißt überhaupt „redigieren“? Was ist guter Stil und gibt es objektive Kriterien? (Die Antwort lautet übrigens: Ja.) Was ist der Unterschied zwischen Korrektorat, Lektorat und Redaktion? All das wurde sehr eingehend behandelt. So ist zum Beispiel der Unterschied zwischen Korrektorat, Lektorat und Redaktion in der Praxis fließend. Jeder kann es anders verstehen, weshalb man im Gespräch mit dem Kunden genauer abklären sollte, was bei einem diesbezüglichen Projekt genau erwartet wird.

Was für mich ebenfalls ein riesiger Pluspunkt war, sind die praktischen Übungen. Wir konnten uns an vielen, sehr verschiedenen, teils auch sehr lustigen Texten ausprobieren und das Gelernte direkt in die Tat umsetzen. So blieb es immer spannend. Von Langeweile war weit und breit keine Spur.

Das absolute Highlight des Workshops war jedoch zweifellos die Referentin selbst. Ohne sie wäre der Workshop nur halb so gut geworden. Ich möchte es kurz machen: Frau Henrike Doerr ist eine tolle Referentin, die weiß, wie sie die Leute mitnimmt. Darüber hinaus ist sie in ihrem Fach superkompetent. Ein Traum für jeden Seminarteilnehmer und Auftraggeber!

Wenn Sie mehr über Frau Doerr erfahren möchten, dann besuchen Sie doch ihre Website:
www.text-welten.com

Schöne Grüße
Florian Tejera Valenzuela

Aktueller Stand des Mentoring-Programms des BDÜ NRW

Seit diesem Jahr gibt es auch im Landesverband Nordrhein-Westfalen des BDÜ (Bundesverband der Dolmetscher und Übersetzer e.V.) ein Mentoring-Programm für Dolmetscher und Übersetzer. Mit diesem Programm erhalten Berufseinsteiger die Möglichkeit, am Anfang ihrer Selbstständigkeit von den Erfahrungen und dem Wissen erfahrener Kollegen zu profitieren. Dabei kann es um Akquise, Preiskalkulation, Projektmanagement, Umgang mit Kunden, Reklamationsmanagement, Steuerfragen, Vereinbarkeit von Familie und Beruf und viele weitere Themen gehen.

Als zuständiger Referent des Mentoring-Programms in NRW bin ich hautnah dabei und freue mich, dass sich das Programm mittlerweile sehr gut entwickelt. Daher möchte ich Ihnen gerne kurz den aktuellen Stand vorstellen.

Für jeden Mentee den passenden Mentor

Nach einem anfänglich schleppenden Start haben sich mittlerweile sieben Mentoring-Paare in ganz NRW zusammengefunden, ein achtes Paar steht hoffentlich kurz davor. Die Rückmeldungen der Mentees sind bisher durchweg sehr positiv. Eine junge Kollegin meinte sogar, dass sie nicht gedacht hätte, dass es einen dermaßen perfekt auf sie passenden Mentor geben könnte. Einen geeigneten Mentor für einen bestimmten Mentee zu finden ist nicht immer ganz leicht, weshalb ich mich besonders freue, dass es bisher größtenteils sehr gut klappt.

Mentoren gesucht

Aktuell bin ich auf der Suche nach wenigstens zwei weiteren Mentoren bzw. Mentorinnen, die gerne jeweils eine junge Kollegin betreuen möchten. Es geht um ganz allgemeine Fragen zur Selbstständigkeit, wie etwa darum, wie man an neue Kunden kommt, wie man Preise verhandelt, Angebote erstellt, mit CAT-Programmen arbeitet usw. Das sollte für die meisten Kollegen, die seit mehreren Jahren erfolgreich aktiv sind, kein Hexenwerk sein. Interessierte können sich gerne HIER über das Mentoring-Programm informieren. Oder schicken Sie einfach eine E-Mail an:
nw.mentoring@bdue.de.

Schöne Grüße

Florian Tejera Valenzuela
Referent des Mentoring-Programms des BDÜ NRW

Lesenswerter Artikel zu übersetzungsgerechtem Schreiben

Jeder Übersetzer hat sich wohl bereits Gedanken über übersetzungsgerechtes Schreiben gemacht, spätestens dann, wenn er einen Text übersetzen soll, der nicht übersetzungsgerecht geschrieben ist. Unnötige Absätze, die Sätze trennen, inkonsistente Terminologie und vieles mehr machen einem das Leben schwer. Den Übersetzungskunden bzw. (technischen) Redakteur auf diese Mängel hinzuweisen ist oft schwierig, da das Gegenüber die Mängel oft nicht erkennt bzw. deren Folgen für die Arbeit des Übersetzers nicht abschätzen kann. Dabei trägt ein übersetzungsgerecht verfasster Text erheblich zu einer größeren Effizienz und Qualität bei. Kurzum: Die Übersetzungen werden schneller und billiger.

In der aktuellen Ausgabe des MDÜ – Fachzeitschrift für Dolmetscher und Übersetzer, die vom Bundesverband der Dolmetscher und Übersetzer e.V. (BDÜ) herausgegeben wird, findet sich ein interessanter Artikel von Dr. Nicole Keller, der die Problematik sehr gut darstellt. Der Text ist als Argumentationshilfe gegenüber Redakteuren und Kunden gedacht und veranschaulicht auch Fachfremden sehr eindrücklich die Schwierigkeiten, die sich aus nicht übersetzungsgerecht geschriebenen Ausgangstexten ergeben.

Klicken Sie auf den nachfolgenden Link, um sich den vollständigen Artikel (PDF-Format) anzusehen*:
Annäherungsversuch – Wie finden Übersetzer und Technische Redakteure zusammen?

Der Artikel spricht für sich selbst. Für diejenigen, die den Artikel lesen, hier noch kurz einige Hinweise zu Punkten, die eventuell missverständlich sein könnten:

  • Auf Seite 15 in der rechten Spalte heißt es: „Dieser Text muss zunächst in eine Word-Datei konvertiert werden, da TM-Systeme grundsätzlich nur Word-Dateien sauber einlesen.“ Da ich selbst beim Lesen auch kurz darüber gestolpert bin, hier der Hinweis, dass sich diese Aussage allein auf die Konvertierung von PDF-Dateien bezieht. TM-Systeme können selbstverständlich auch viele andere Dateiformate verarbeiten, wie etwa *.xlsx, *.idml, *.mif, *.xml, *.html und viele mehr. PDF-Dateien sind jedoch im Grunde nicht zur Bearbeitung gedacht, sodass sie konvertiert werden müssen.
  • Auf Seite 16 in der linken Spalte heißt es: „Das Einrücken von Texten oder Textpassagen wird leider immer noch sehr häufig „manuell“ mit Fix-Tabulatoren oder sogar Leerzeichen vorgenommen, obwohl es in jeder Anwendung dafür bestimmte Funktionen gibt. Solange ein Text nicht übersetzt werden muss, hat diese Vorgehensweise zunächst keinerlei negative Auswirkungen.“ Die Vergangenheit hat gezeigt, dass das nur keine Konsequenzen hat, wenn die Redakteure auch später sauber arbeiten. Sehr oft habe ich bereits Texte gesehen, in die nachträglich noch Texte eingefügt wurden. Wenn der Redakteur die zuvor manuell eingefügten Tabulatoren, Leerzeichen oder auch Bindestriche nicht korrigiert, kommt es auch ohne Übersetzung im Text zu unschönen Verschiebungen bzw. Worttrennungen mitten in der Zeile.
  • Ebenfalls auf dieser Seite heißt es in Zusammenhang mit Tausendertrennzeichen: „Werden diese Zeichen nun nicht konsistent verwendet oder stattdessen Leerzeichen gesetzt, wird die Zahl vom System nicht oder falsch erkannt und gegebenenfalls auch durch automatische Konvertierungsprozesse falsch „übersetzt“.“ Diese Probleme sind mir ebenfalls schon aufgefallen, gebe aber zu bedenken, dass es im Deutschen, auch laut Duden, zulässig ist, als Tausendertrenner ein Leerzeichen zu verwenden. Es handelt sich also nicht so sehr um ein Problem der Redaktion, sondern vielmehr um eines der Technik, sofern die Zahlenformate im ganzen Text einheitlich verwendet werden.

Das war es von mir. Meiner Meinung nach ein sehr lesenswerter Artikel.

*MDÜ – Fachzeitschrift für Dolmetscher und Übersetzer, Ausgabe 2/15, S. 14-17; mit ausdrücklicher Genehmigung der MDÜ-Redaktion und Frau Dr. Nicole Keller

Tipps für „Bewerbungen“ bei Übersetzungsagenturen

Sie schreiben etliche „Bewerbungs“-E-Mails an Übersetzungsagenturen und keine meldet sich? Geben Sie nicht auf! Die Zusammenarbeit mit Agenturen kann lohnend sein. Neben schwarzen Schafen gibt es durchaus auch sehr professionell arbeitende, angenehme Agenturen, durch die der Berufsalltag deutlich bunter wird. Nachdem ich 8 Jahre bei verschiedenen Übersetzungsdienstleistern gearbeitet habe und teilweise auch für die Auswahl neuer freiberuflicher Übersetzer mitverantwortlich war, kann ich Ihnen vielleicht den einen oder anderen Tipp geben. Dass sich sofort alle Agenturen auf Sie stürzen werden, kann ich Ihnen nicht versprechen, aber ich denke, dass Sie Ihre Chancen erhöhen können:

1. Sie bewegen sich auf Augenhöhe mit der Agentur. Formulieren Sie entsprechend.
2. Formulieren Sie die Betreffzeile kurz und präzise.
3. Achten Sie auf eine möglichst konkrete Anrede.
4. Verwenden Sie möglichst Aufzählungspunkte und fassen Sie sich kurz.
5. Gehen Sie auf das Unternehmen und dessen Bedürfnisse ein.
6. Auch wenn andere Leute davon abraten, nennen Sie gleich Ihren Preis.
7. Sparen Sie sich möglichst die vielen Anhänge. Weniger ist hier mehr.

Der erste Punkt sollte im Grunde selbstverständlich sein, viele Übersetzer machen sich gegenüber Agenturen aber immer noch unnötig klein. Denken Sie daran, dass Sie Experten sind und ein potentieller Geschäftspartner der Agentur, der eine Leistung zu bieten hat, die die Agentur benötigt. So sollten Sie auch auftreten. Natürlich befindet man sich oft in der vermeintlich schwächeren Position, da man eventuell dringend Aufträge benötigt, um über die Runden zu kommen. Das muss man dem Gegenüber allerdings nicht auch noch auf die Nase binden.

Bei der Betreffzeile sollten Sie Folgendes bedenken: Viele Agenturen bekommen Unmengen an E-Mails von Übersetzern. Da kommen schnell mehrere hundert E-Mails zusammen. Jetzt kommt es darauf an, dass man Ihre aus der Masse wieder herausfindet. Daher sollten Sie sehr klar formulieren, zum Beispiel „Freiberufliche Mitarbeit, [Ihr Name], [Ihre Sprachkombinationen], [Ihr Alleinstellungsmerkmal]“ oder „[Ihre Qualifikation], [Ihr Name], [Ihre Sprachkombinationen], [Ihre Fachgebiete]“. Es gibt viele Möglichkeiten. Schreiben Sie auf keinen Fall nur „Bewerbung“.

Wenn Sie den Namen der Person, die für die Anwerbung neuer Übersetzer zuständig ist, nicht herausfinden können, dann schreiben Sie wenigstens „Sehr geehrtes [Name der Agentur]-Team“ oder eine ähnliche Anrede, durch die der Leser merkt, dass Sie diese E-Mail nicht gleichzeitig auch an sechzig andere Agenturen schicken. Das gibt dem Leser gleich ein gutes Gefühl und den Eindruck, dass Sie sich bemüht haben.

Ich weiß nicht wie es Ihnen geht, aber ich hasse nichts mehr, als die für mich relevanten Infos erst mühselig aus zwei Seiten Text heraussuchen zu müssen. Ich habe wenig Zeit und möchte die Daten bitte mundgerecht serviert bekommen. Nennen Sie deshalb möglichst in Form von Aufzählungspunkten Ihre Sprachkombinationen, Fachgebiete, Qualifikationen usw. Niemand dankt Ihnen einen mühsam ausformulierten Text. Ein schöner Satz zur Einleitung und Vorstellung darf es aber natürlich schon sein.

Warum sollte die Agentur gerade mit Ihnen arbeiten? Schauen Sie vor dem Kontakt mit der Agentur zunächst, wo Sie dieser konkret helfen bzw. wo Sie die von ihr gebotenen Leistungen ergänzen können. Ist die Agentur etwa auf juristische Übersetzungen spezialisiert, dann heben Sie Ihre Erfahrung in der Übersetzung von Verträgen hervor, usw.

Viele Übersetzer wollen ihren Preis beim ersten Kontakt mit einer Agentur nicht nennen. Ich vermute aus Angst, dass es aufgrund eines zu hohen Preises zu keiner Zusammenarbeit kommt. Aber was bringt das? Früher oder später kommt der Preis ohnehin zur Sprache. Früher habe ich mich immer ein wenig geärgert, wenn ich extra beim Übersetzer nachfragen musste, welchen Preis er denn für seine Leistungen nimmt. Wenn man den Preis direkt nennt, erspart man dem Ansprechpartner die Arbeit und schafft sofort eine klare Lage. Auf Agenturen, denen Ihr Preis zu hoch ist, können Sie getrost verzichten. Das sind dann eben nicht Ihre Kunden. Andere Agenturen werden den Preis bezahlen. Genau diese suchen sie. Warum also die Zeit mit den anderen vergeuden?

Was mir früher immer wieder aufgefallen ist, waren die vielen Anhänge an den „Bewerbungs-E-Mails“ der Übersetzer. Da wurden Lebensläufe, Zeugnisse, Belege und sonstige Unterlagen in rauen Mengen mitgeschickt. Sparen Sie sich das. Die wichtigen Dinge sollten alle in Ihrer Mail stehen. Die Anhänge schaut sich im Zweifel niemand an. Wenn Sie möchten, dann können Sie natürlich ein Empfehlungsschreiben oder ein Präsentationsschreiben Ihres Unternehmens anhängen. Mehr als 1 oder 2 Anhänge sollten es aber nicht sein.

Vielleicht hilft Ihnen ja der ein oder andere Ratschlag weiter. Bei mir funktioniert es und damals, als Angestellter bei den Agenturen, hätte ich mich über solche Anschreiben gefreut. Andererseits gibt es noch andere Methoden auf Agenturen zuzugehen, die vielleicht eher etwas für Sie sind. Auf jeden Fall wünsche ich Ihnen viel Erfolg!

Dringend, eilig, ASAP und Co.

Kein Übersetzer kann sie leiden: Liefertermine. Und dennoch sind sie wichtig. Sie sorgen für eine gewisse Tagesstruktur abseits von den Mahlzeiten und familiären Verpflichtungen und motivieren das ein oder andere Mal auch, sich auf den Hosenboden zu setzen und endlich loszulegen. Es gibt kein besseres Heilmittel gegen den inneren Schweinehund als ein knackiger Liefertermin.

Warum vielen Übersetzern trotzdem die Haare zu Berge stehen, wenn sie nur das Wort „Liefertermin“ hören? Dazu gleich mehr.

Die Todeslinie (engl. „deadline“, siehe Anmerkung unten)

Liefertermine sind für viele der Inbegriff für Ärger. Das hängt allerdings in erster Linie damit zusammen, dass sie nicht immer an den zu bewältigenden Aufwand angepasst sind bzw. einen Druck aufbauen, der nicht unbedingt nötig wäre. Wenn man zum Beispiel an einem Freitag um 19 Uhr, kurz vor dem Abschalten des Rechners, noch einen Auftrag zugeschickt bekommt und als Liefertermin der folgende Montag, 8 Uhr angegeben ist, kann man sich schon Gedanken darüber machen, ob man dem Kunden den Hals umdrehen soll. In der Situation bleibt einem nur die Wahl, den Auftrag abzulehnen oder eben eine Wochenendschicht einzulegen. Beides kann unangenehm sein.

Ein anderer Fall aus der Praxis: Der Kunde hat einen im O-Ton „sehr dringenden“ Auftrag. Der genannte Termin passt gerade so. Nach mehreren Tagen anstrengender und intensiver Arbeit hat man es geschafft und liefert die Übersetzung pünktlich zum Liefertermin. Damit auch nichts schief geht, natürlich mit Lesebestätigung. Und dann? Schweigen. Ein Tag vergeht, zwei Tage. Keine Lesebestätigung. Besorgt ruft man beim Kunden an. Der sagt einem dann, dass man noch keine Gelegenheit gehabt hätte, in die Übersetzung reinzuschauen und das irgendwann in den nächsten Wochen tun würde.

Nicht dass wir uns falsch verstehen: Liefertermine sind extrem wichtig und dazu da, eingehalten zu werden. In vielen Fällen hängt von einer pünktlichen Lieferung, z. B. bei Messe- oder Ausschreibungstexten, das Wohl und Wehe ganzer Belegschaften ab oder bei Termingeschäften auch das Übersetzerhonorar. Auf die leichte Schulter sollte man Liefertermine also nicht nehmen. Wenn man einen Termin nicht einhalten kann, sagt man das bereits im Voraus bzw. vereinbart einen längeren, sofern möglich. Wenn man erst während der Arbeit merkt, dass der Liefertermin nicht einzuhalten ist, sollte man umgehend den Kunden informieren. In vielen Fällen ist dann eine Verlängerung möglich. Wenn nicht, kann man immer noch zu anderen Lösungswegen greifen. Bleiben wir aber bei den Lieferterminen, betrachten wir es aber von einer anderen (manch einer sagt von der „dunklen“) Seite aus.

Die dunkle Seite

Ich habe etwa 8 Jahre als Projektmanager in verschiedenen Übersetzungsagenturen gearbeitet. Wenn es konkrete Terminvorgaben des Kunden gab, wurden diese natürlich so an den Übersetzer unter Einrechnung eines Zeitpuffers weitergegeben. Wenn nicht, dann orientierte man sich eben an der Textmenge und gab einen üppigen Liefertermin in der Form „bis Mittwoch“ an. Nachdem ein Übersetzer meinte, dass der Mittwoch erst um 24.00 Uhr zu Ende sei, bin ich dazu übergegangen auch eine konkrete Uhrzeit anzugeben, auch wenn das beim jeweiligen Projekt nicht unbedingt notwendig gewesen sein sollte. Als Projektmanager möchte man alles planbar halten. Am Montag kommen diese Projekte, am Dienstag das Großprojekt. Für diesen Auftrag sind zwei Stunden Nacharbeit notwendig, für den anderen zwei ganze Tage, da noch DTP-Arbeiten durchgeführt werden müssen usw.

Wenn für Sie der genannte Termin zu knapp sein sollte, dann sprechen Sie einfach mit Ihrem Kunden und finden Sie heraus, ob der Liefertermin tatsächlich in Stein gemeißelt ist. Eventuell lässt sich ja doch was machen. Aber Achtung, nicht überstrapazieren. Besonders aufmerksam sollten Sie bei Formulierungen wie „dringend“ oder „eilig“ sein. Der Termin, den der eine Kunde mit „eilig“ meint, kann für die gleiche Textlänge bei einem anderen Kunden eine Woche später liegen. Mehr als einmal hatte ich Kunden, die sagten, dass sie eine Übersetzung ganz schnell bräuchten. Auf meine Nachfrage, was denn „schnell“ für sie sei, kam die Antwort: „irgendwann in der nächsten Woche“. Es ging um eine halbe Seite.

Anmerkung: Der Terminus „deadline“ hat seinen Ursprung im amerikanischen Bürgerkrieg, wo Gefangene in Gefängnissen eine bestimmte Linie, die zum Beispiel durch Pfähle oder Bäume markiert war, nicht überschreiten durften. Taten sie es doch, mussten sie damit rechnen, erschossen zu werden.

 

Meine Empfehlung: Bonjura – Recht. Sicher. Übersetzt.

Bei Übersetzungen von technischen Texten aus dem Französischen ins Deutsche bin ich Ihr Mann. Wenn Sie jedoch einen Vertrag oder sonstige juristische Texte aus der französischen Sprache übersetzen lassen möchten, überlasse ich die Übersetzung lieber einem Profi in dieser Materie. Meine Kollegin, Anne Konopatzki, ist ausgewiesene Spezialistin für Rechtsübersetzungen aus dem Französischen ins Deutsche. Sie übersetzt Ihnen Verträge, Gerichtsentscheidungen, AGB, Handelsregisterauszüge, Urkunden und vieles mehr kompetent und zuverlässig. Besuchen Sie doch mal ihre Website unter http://bonjura.de/ und lernen Sie Frau Konopatzki kennen. Es lohnt sich!