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Was tun mit vertraulichen Unterlagen

Als Übersetzer arbeitet man mit vielen Arten von Dokumenten und Unterlagen: Geschäftskorrespondenz, technische Dokumentation, Präsentationen, Verträge, Urkunden usw. Die meisten sind vertraulich oder enthalten sogar personenbezogene Daten. Wenn ich solche Dokumente in digitaler Form erhalte, sorge ich am Computer mithilfe von Passwörtern, Verschlüsselung, Antivirenprogrammen usw. für Sicherheit. Was aber, wenn man Unterlagen auf Papier ausdrucken muss, zum Beispiel um eine Übersetzung oder das Layout eines Dokuments zu prüfen, oder die Unterlagen bereits vom Kunden in Papier- oder CD-Form erhält? Auch hier ist Datenschutz oberste Übersetzerpflicht. Einfach in den Papierkorb sollten diese Daten nicht wandern. Vor dem inneren Auge sehen Sie sicher schon die Wirtschaftsspione, die kopfüber in den Müllcontainern von Übersetzern hängen. Auch das Stapeln bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag ist keine Lösung, da sich so die Gefahr nur noch vergrößert.

Wenn die Unterlagen nicht mehr gebraucht, aber auch nicht an den Kunden zurückgesandt werden sollen, müssen sie anderweitig verschwinden, und zwar endgültig und gründlich. Da ich nicht so gerne Lagerfeuer in meinem Garten entfache und auch keinen Kamin habe, sieht meine Lösung folgendermaßen aus:

Schnittergebnis des Aktenvernichters

Ich verwende einen Hochsicherheits-Aktenvernichter mit Partikelschnitt und Sicherheitsstufe P-5, der nicht nur Papier, sondern auch CDs frisst. Von den Unterlagen bleiben nur noch kleinste Schnipsel übrig.

Wie handhaben Sie vertrauliche Unterlagen?

Kundenreferenzen – was dahintersteckt

Siemens, BMW, BASF… Auf den Websites von Übersetzungsdienstleistern begegnet Ihnen oft das Who-is-Who der deutschen und internationalen Wirtschaft, inklusive Logo. Beeindruckend, für wen die alles arbeiten, oder nicht?

Was es heißen soll: Durch die Nennung der Namen anderer großer Unternehmen soll gezeigt werden, dass der jeweilige Dienstleister so groß, kompetent und professionell ist, dass selbst diese renommierten Unternehmen von einer Zusammenarbeit überzeugt werden konnten. Dementsprechend kann der aktuelle Betrachter davon ausgehen, dass der Dienstleister auch die von ihm benötigte Übersetzung einwandfrei erledigen wird.

Wie die Realität aussieht: Die Nennung von Referenzkunden ist in vielen Branchen gängig. Sie kann dabei helfen, das eigene Profil nach außen zu schärfen und sich von Wettbewerbern abzugrenzen. Nicht zuletzt dient sie als Werbemaßnahme. Doch wie viel steckt dahinter. Das hängt maßgeblich von der Art der Referenz ab, d. h. wie diese präsentiert wird. Es sind folgende Referenztypen mit Nennung des Firmennamens zu unterscheiden:

1) Name und Logo: Eine der häufigsten Varianten, da sie recht einfach zu erstellen ist. Für das Zielpublikum hat diese Variante Nachteile. Zum einen ist nicht bekannt, ob der genannte Referenzkunde überhaupt zufrieden war, zum anderen weiß man nicht, was denn tatsächlich für diesen Referenzkunden übersetzt wurde und wie häufig. Es ist ein großer Unterschied, ob man eine 400 Seiten starke technische Dokumentation einer hochtechnischen Anlage übersetzt oder den Liebesbrief des Geschäftsführers an seine Geliebte. Die Aussagekraft dieser Art von Referenz geht also gegen null. Auch für den Übersetzungsdienstleister selbst gibt es bei dieser Methode mehrere Haken: Man benötigt eigentlich die Zustimmung des jeweiligen Kunden, insbesondere für die Nutzung des Logos. Ob die Zustimmung in allen Fällen vorliegt, wage ich zu bezweifeln, sodass im Extremfall ein Schreiben von einem Rechtsanwalt ins Haus flattern könnte. Nicht ganz so schlimm, aber dennoch kontraproduktiv, ist es, wenn der genannte Referenzkunde zufälligerweise der direkte Wettbewerber des Interessenten ist. Dieser wird einen Teufel tun, bei diesem Übersetzungsdienstleister zu übersetzen, Geheimhaltungsversprechen hin oder her.

2) Statement und Name: Eine deutlich bessere Variante, die aber auch deutlich aufwändiger einzurichten ist, sind Statements der Ansprechpartner beim jeweiligen Referenzkunden. Dort schreibt der Kunde selbst in einem oder zwei Sätzen, was der Dienstleister für ihn übernommen hat und dass er mit der Leistung zufrieden waren. Der Haken: Man muss einen Kunden erst einmal dazu bringen, eine solch positive Aussage zu treffen oder eben länger warten, bis sie von selbst kommt. In beiden Fällen muss man dann noch die Erlaubnis des Ansprechpartners einholen, dies auf der Website einzustellen.

Beide Varianten könnten, solange die Geheimhaltungspflicht nicht verletzt wird, durch anonymisierte Beispielprojekte ergänzt werden.

Fazit: Lassen Sie sich von großen Namen nicht zu schnell beeindrucken. Hinterfragen Sie Kundenreferenzen und überlegen Sie, inwiefern diese für Sie überhaupt Relevanz haben.

Das Muttersprachlerprinzip – was dahintersteckt

Auf den Websites von Übersetzungsagenturen oder anderen Übersetzungsdienstleistern liest man oft Schlagworte wie „Muttersprachprinzip“, „Vier-Augen-Lektorat“, „Zertifizierte Qualität“ und und und. Wenn Sie nicht gerade selbst aus der Übersetzungsbranche kommen, werden Sie eventuell nicht immer wissen, was damit genau gemeint ist. Was Ihnen die Anbieter sagen möchten und wie viel Substanz tatsächlich dahintersteckt, möchte ich Ihnen hier und in den folgenden Posts an ein paar Beispielen zeigen.

Muttersprach(ler)prinzip

Was es heißen soll: Die eingesetzten Übersetzer sind Muttersprachler der Zielsprache, d. h. dass ein Text, den Sie auf Englisch benötigen, von einem englischen Muttersprachler bearbeitet wird. Diesem Prinzip liegt die Annahme zugrunde, dass man sich in seiner Muttersprache am besten ausdrücken kann, weshalb auch die Übersetzungsqualität bei einer Übersetzung in die Muttersprache besser ist, als wenn in die Fremdsprache übersetzt wird.

Wie die Realität aussieht: Wenn Sie selbst eine Fremdsprache sprechen, werden Sie wissen, dass Sie sich eventuell nicht ganz so geschliffen ausdrücken können wie in Ihrer Muttersprache, insbesondere dann, wenn Sie sich mit einem Muttersprachler vergleichen. Das Muttersprachprinzip ist also nicht ganz von der Hand zu weisen. Es gibt allerdings einige Punkte, die beachtet werden sollten.

1) Textverständnis: Was hilft es dem Übersetzer, wenn er einen sprachlich einwandfreien Zieltext produziert, der inhaltlich falsch ist, weil die Aussage des Ausgangstexts auf sprachlicher Ebene nicht verstanden wurde? Hätte hier ein Muttersprachler der Ausgangssprache den Text nicht vielleicht besser erfasst und dann korrekt übertragen?

2) Sprachniveau: Sprechen Sie genauso gut Deutsch wie Ihr Kind, Ihr Professor, Ihr Paketbote, Ihr Arzt oder Ihre Frisörin? Wieso ich das frage? Die Chance besteht, dass alle genannten Personen eines gemeinsam haben: die Muttersprache. Jeder hat eine Muttersprache. Diese allein ist aber kein Zeichen von Qualität.

3) Sachkenntnis/Fachjargon: Nehmen wir jetzt aber mal an, das muttersprachliche Niveau des Übersetzers ist ausreichend hoch. Um eine vernünftige Übersetzung erstellen zu können, sind aber noch mehr Dinge gefragt. Der Übersetzer muss wissen, worum es geht. Wenn Sie technische Dokumentation übersetzen, müssen Sie wenigstens ein grundlegendes, meist aber ein profundes Wissen über das jeweilige technische Fachgebiet haben. Auch muss bekannt sein, wie man sich in einer Branche bzw. in einer bestimmten Textsorte (Anleitung, Korrespondenz, Ausschreibungen usw.) ausdrückt. Die Muttersprache allein gibt einem das nicht mit.

Fazit: Das Muttersprachprinzip ist zwar sinnvoll, reicht allein aber bei weitem nicht aus, um eine brauchbare Übersetzung zu gewährleisten. Vielmehr sind zusätzlich ein bestimmtes Sprachniveau, profunde Kenntnisse der Fremdsprache, viel Sachkenntnis und vieles mehr gefragt, die oftmals ein Übersetzer, der in die Fremdsprache übersetzt, ebenso oder manchmal sogar insgesamt besser bieten kann.

Kundenumfrage 2015 – Ergebnisse

Ich bin jemand, der es immer möglichst genau wissen möchte. Das gilt nicht nur für inhaltliche Fragen bei Übersetzungsprojekten. Wie sehen mich meine Kunden? Wie zufrieden sind sie mit meiner Leistung? Was kann ich noch für meine Kunden tun? Zwar bin ich als freiberuflicher Übersetzer recht nah an meinen Kunden dran, doch ist das Bild, das man sich selbst macht, in der Regel sehr subjektiv. Das wollte ich ändern und habe daher vor einigen Wochen meine erste Kundenumfrage gestartet. Die Umfrage ist mittlerweile abgeschlossen und ich möchte allen Teilnehmern und allen anderen Interessierten hiermit die Ergebnisse vorstellen.

Rahmendaten der Umfrage

31 Personen, alles Ansprechpartner bei Kunden, hatten die Möglichkeit teilzunehmen. Mein Kundenstamm setzt sich dabei aus verschiedenen Arten von Kunden zusammen, wobei Übersetzungsagenturen bzw. Übersetzungsbüros einen großen Anteil ausmachen. Die tatsächliche Beteiligung lag schließlich bei etwas unter zwei Dritteln (64 %). Das ist meiner Meinung nach ein beachtlicher Wert, mit dem ich sehr zufrieden bin. An dieser Stelle nochmal vielen Dank für die rege Beteiligung! Wenn Ihnen das Ausfüllen des Online-Fragebogens so viel Spaß gemacht hat, dass sie ihn mehrfach beantwortet haben, dann haben Sie mich ganz schön ausgetrickst. Die Anonymität der Umfrage machte das theoretisch möglich.

Jetzt aber zu den Ergebnissen der Umfrage. Für einen besseren Überblick können Sie die Umfrageergebnisse auf folgender Website einsehen:

https://de.surveymonkey.com/results/SM-RJBC7CYQ/

Für diejenigen unter Ihnen, die wenig Zeit haben, hier eine kurze Zusammenfassung: Die Zufriedenheit mit mir als Dienstleister sowie mit meinen Übersetzungs- und sonstigen Leistungen war gut bis sehr gut. Kunden sehen mich in erster Linie als Übersetzer für technische Texte, der aber vielseitig auch in anderen Bereichen einsetzbar ist. Dienstleistungen über das aktuelle Angebot hinaus sind nur mäßig nachgefragt, gleiches gilt für Zertifizierungen. Alle Befragten, die an der Umfrage teilgenommen haben, sind mit mir als Dienstleister sehr zufrieden und würden mich weiterempfehlen. Hier nun die Ausführungen im Detail:

Stärken als Dienstleister

Die erste Frage betraf meine Eigenschaften als Dienstleister, praktisch meine Softskills. Der persönliche Umgang mit den Kunden, das professionelle Auftreten, die Erreichbarkeit und Reaktionsschnelligkeit, die Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit wurden allesamt als sehr gut bewertet. Ebenfalls sehr gut bis gut, aber im Vergleich etwas schwächer, schnitten die Verfügbarkeit und die Preispolitik ab.

Auf die Verfügbarkeit möchte ich kurz eingehen. Als freiberuflicher Übersetzer bin ich die einzige Arbeitskraft in meinem Unternehmen. Wenn Sie mich in meinen Sprachkombinationen (Englisch-Deutsch, Spanisch-Deutsch und Französisch-Deutsch) beauftragen, können Sie sich sicher sein, dass ich Ihren Auftrag persönlich bearbeite und meine ganze Energie in Ihr Projekt stecke. So bleibt es leider nicht aus, dass ich gelegentlich ausgebucht bin und Aufträge nicht zu den gewünschten Terminen übernehmen kann. In der Regel werde ich Ihnen dann Alternativtermine vorschlagen bzw. bei Bedarf einen passenden Kollegen empfehlen. Mir ist bewusst, dass das für Sie nicht immer zufriedenstellend ist.

Hohe Zufriedenheit mit meinen Leistungen

Die zweite Frage drehte sich um die Zufriedenheit mit den einzelnen, von mir angebotenen Leistungen. Da nicht alle meine Kunden auch alle Dienstleistungen in Anspruch nehmen, ist der Anteil der „Weiß nicht“-Antworten teilweise recht groß. Die übrigen Antworten zeigen aber auch hier eine allgemein sehr hohe Zufriedenheit mit meinen Leistungen in den Bereichen Übersetzung, einsprachiges Lektorat, Übersetzungslektorat, Terminologiearbeit, Lieferantenbewertung und Projektmanagement.

Wie ich im Nachhinein erfahren habe, war es einigen Umfrageteilnehmern nicht ganz klar, was mit dem Punkt „Lieferantenbewertung“ gemeint war. Das hätte zugegebenermaßen weiter ausgeführt werden können. Das möchte ich hiermit nachholen. Im Rahmen meiner Lektorats- und Korrektoratstätigkeit für einige meiner Agenturkunden führe ich auch Lieferantenbewertungen durch. Das bedeutet, dass ich die Übersetzungsleistung eines Kollegen mit meinen Sprachkombinationen nach bestimmten Kriterien bewerte und dem jeweiligen Kunden dann ein Feedback gebe. Dies betrifft sowohl die Prüfung neuer Dienstleister als auch die bestehender Übersetzer. Dabei bemühe ich mich stets um Fairness und berücksichtige ebenfalls eventuelle Erschwernisse. Auch die Art der Auswertung der gefundenen Mängel durch den Auftraggeber habe ich allerdings keinen Einfluss.

Übersetzungsqualität

Um die verschiedenen Qualitätsaspekte bei Übersetzungen drehte sich die dritte Frage. Rechtschreibung und Zeichensetzung, Stil, Sachkenntnis und die Einhaltung formaler Kriterien, wie etwa Längenbegrenzungen und Tags, wurden allgemein gut bis sehr gut bewertet. Beim Stil fiel das Ergebnis etwas schwächer, aber immer noch sehr positiv aus. Das ist bei einem auf technische Texte spezialisierten Übersetzer ein beachtliches Ergebnis.

Der Mann für technische Texte

Die nächste Frage habe ich ganz speziell gestellt. Sie lautete „Für welche Art von Projekten eigne ich mich Ihrer Meinung nach besonders bzw. wo denken Sie: “Das wäre etwas für Herrn Tejera.”?“ Es ging also um Ihre subjektive Meinung bzw. um das, was Sie mit mir bewusst oder unterbewusst verbinden. Nicht überraschend war das überwältigende Ergebnis bei „Technische Texte“. Dieser Meinung waren fast 95 % aller Befragten. Was mich dann doch etwas verblüffte waren die relativ häufigen Nennungen von Marketingtexten (über 50 %) und Eilaufträgen (über 60 %). Die Pointe ist jedoch das 0-%-Ergebnis für „Vertragstexte“. Da habe ich wohl den einen oder anderen Vertragstext zu oft abgelehnt. Von den Kunden, für die ich bereits Vertragstexte übersetzt habe (das sollten etwa die Hälfte sein), habe ich allerdings noch nie eine negative Rückmeldung gehört. Nun gut, mir steht eben „Technik“ auf die Stirn geschrieben und es gibt Kollegen, die sich über Vertragstexte auch mehr freuen, als ich es tue.

Angebotspalette

Meine derzeitigen Kunden scheinen mit meinem aktuellen Leistungsangebot recht zufrieden zu sein. Als mögliche weitere Dienstleistungen hatte ich Fremdsprachensatz, Dateivorbereitung in Word, Layoutnachbereitung in Word, Post-Editing und Copywriting zur Auswahl gestellt. Die große Begeisterung blieb aus, lediglich bei der Layoutnachbereitung in Word, dem Post-Editing und dem Copywriting schien gewisses Interesse zu bestehen. Zum jetzigen Zeitpunkt kann ich bereits Layoutnachbereitungen in Word anbieten. Post-Editing und Copywriting waren eher auf die Zukunft angelegte Themen. Wenn Sie an einer bestimmten Dienstleistung Interesse haben, zum Beispiel an der Layoutnachbereitung in Word, dann melden Sie sich bei mir. Dann können wir besprechen, ob und wie das sinnvoll möglich ist.

Mäßiges Interesse an Zertifizierungen

Das Interesse an Zertifizierungen, sowohl ISO 9001:2015 (Qualitätsmanagement-Systeme) als auch ISO 17100 (Übersetzungsdienstleistungen), hielt sich ziemlich in Grenzen, mit leichter Tendenz in Richtung ISO 17100. Das ist wohl in erster Linie der Zusammensetzung meines Kundenstamms geschuldet, zu dem recht viele Übersetzungsdienstleister gehören, die ihrerseits ohnehin schon nach ISO 17100 (bisher DIN EN 15038) arbeiten.

Allgemeine Zufriedenheit

Die letzten beiden Fragen bezogen sich auf die allgemeine Zufriedenheit und die Wahrscheinlichkeit einer Weiterempfehlung meiner Leistungen. Hier möchte ich mich ganz herzlich für die jeweils 100 % (!!!) bedanken.

Wenn Sie noch Fragen zu der Umfrage haben oder mir eine andere Rückmeldung geben möchten, stehe ich Ihnen auf den gewohnten Kanälen zur Verfügung. Nochmals vielen Dank.

Längenbegrenzungen in der Übersetzung

Es kommt auf die Größe an… Wenn Sie jetzt rot werden, haben Sie sich eventuell im Blog vertan oder die Überschrift nicht gelesen. Kurz durchatmen. Mit den Gedanken wieder beim Text? Prima. Die meisten Übersetzer, außer vielleicht Englisch-Türkisch-Übersetzer oder solche mit Zielsprache Arabisch (eine Konsonantenschrift, mehr dazu hier), werden im Laufe ihrer Arbeit schon bemerkt haben, dass ihre Arbeitssprachen unterschiedlich lang laufen d. h. ein Text in der Ausgangssprache und in der Übersetzung unterschiedlich lang sind. Das hat einerseits damit zu tun, dass manche Sprachen mehr Wörter benötigen, um etwas auszudrücken, oder aber die Wörter länger sind. Wenn man Pech hat, trifft beides gleichzeitig zu. In der Sprachkombination, in der ich am häufigsten arbeite – Englisch-Deutsch – ist der übersetzte deutsche Text oft um 20 Prozent länger als das englische Original. Dabei neige ich nicht unbedingt dazu, sehr ausschweifend zu übersetzen. Im speziellen Fall des Deutschen liegt eine der Ursachen darin, dass die deutschen Wörter meist erheblich länger sind als ihre Pendants.

Bis hierhin und nicht weiter

Die eben beschriebene Expansion der Textlänge wird dann zum Problem, wenn es um Texte für Websites, bestimmte Druckmedien oder Software geht. In diesen Bereichen gibt der Kunde häufig Vorgaben für die Textlänge, die allgemein oder aber nur für bestimmte Teile des Textes gelten. Die Gründe hierfür sind technischer Natur (etwa bei Maschinensoftware) oder berühren Layoutvorgaben bzw. -einschränkungen (bei Websites und Druckmedien). Ein Korsett, das dem Übersetzer manchmal nur wenig Raum zum Atmen lässt.

Viele Maschinen sind zum Beispiel mit kleinen, mehrzeiligen Displays ausgestattet, in die pro Zeile oft nur 3 oder 4 Wörter passen. Sofern keine Scrollfunktion vorgesehen ist, muss der Text vollständig in die verfügbaren, direkt sichtbaren Zeilen passen. Ist der Text länger wird er entweder abgeschnitten (“Ausrichtu…”) oder erst gar nicht von der Software akzeptiert. Ein ähnliches Problem tritt bei Software-Schaltflächen auf. Oft kann die Größe der Schaltflächen (Buttons) in einer Software nicht verändert werden, vielmehr muss sich der Text anpassen. Bei Broschüren, Katalogen usw. können die maximale Seitenzahl und das Platzangebot aufgrund der Druckkosten bzw. aus Gründen des Gesamtlayouts beschränkt sein. Was aber, wenn der übersetzte Text nicht in die verfügbaren, nicht mehr erweiterbaren Textrahmen passt oder die Seite anderweitig sprengt? Auf Websites wiederum dürfen Überschriften bisweilen nicht länger als 1 bis 2 Zeilen lang sein. Ähnliches gilt für Unterüberschriften, Teaser und sonstige Textbestandteile. Auch der Länge der URL für sind unter Umständen Grenzen gesetzt (die maximale URL-Länge im Internet Explorer beträgt bspw. 2.083 Zeichen).

Doch welche Optionen hat man als Übersetzer, einen Text wirkungsvoll einzukürzen? Grob gesagt sind es zwei: das Einkürzen auf Satzebene und das Einkürzen auf Wortebene. Welche der beiden Varianten man einsetzt, hängt sehr stark von der Textsorte bzw. dem oben beschriebenen Einsatzfeld des Textes ab (Website, Druckmedium, Software).

Abkürzung auf Wortebene

Bei Softwaretexten, insbesondere bei Maschinensteuerungen, kommt oft die Kürzung auf Wortebene zum Einsatz. Wörter werden mit Punkt abgekürzt oder durch ein Akronym ersetzt. In beiden Fällen läuft man Gefahr, ein von der Länge passendes, aber unverständliches Kauderwelsch zu produzieren. So ist es teils schwierig, passende Abkürzungen zu finden, die später vom Benutzer des Textes auch verstanden werden. Keine Probleme machen gängige Abkürzungen wie „St.“ (für Stück), „Min.“ (für Minute) oder „Anz.“ (für Anzahl) oder Akronyme wie „DC“ (für Gleichstrom, engl. direct current) oder „SPS“ (für Speicherprogrammierbare Steuerung; hier ist eine kürzere Version wirklich bitter nötig). Bei „Stdabw.“ (so in der Praxis gesehen) kommt der ein oder andere aber wohl ins Schwitzen, da der Weg zu „Standardabweichung“ doch ein wenig weiter ist. Kritisch wird es, wenn der Abkürzungspunkt direkt nach dem ersten Buchstaben kommt („P.“ für Punkt, Präzision oder Potential?) oder eine Abkürzung gewählt wird, die es bereits anderweitig gibt. Einmal ist mir „m“ begegnet. Auf den ersten Blick erwarte ich hier die ISO-Einheit „Meter“, gemeint war aber tatsächlich „Minute“.

Abkürzung auf Satzebene

Bei Texten, die sich trotz Längenbegrenzung auch noch gut anhören sollen, wie etwa Broschüren oder Websites, ist die Kürzung auf Satzebene gefragt. Zwar ist die Verwendung von Abkürzungen und Akronymen hier nicht verboten, sollte sich aber auf diejenigen beschränken, die entweder allgemein üblich („z. B.“, „bzw.“, „UNO“, „ISO“ usw.) oder firmen-/branchentypisch („ECU“, „ESP“ oder „KBA“ in der Autobranche) sind. Alles andere erschwert den Lesefluss und sieht dazu noch bescheiden aus. Es ergeben sich folgende Optionen (hier nur eine Auswahl):

  • Substantiv vs. Verb
    Der erste Schritt, um die Länge auf Satzebene zu verringern, muss für den Übersetzer immer zuerst das Umformulieren sein. Hierzu kann ein zunächst substantivisch gehaltener Satz verbal ausgedrückt werden. Das spart nicht nur Raum, sondern trägt auch noch zu einem besseren Lesefluss bei. Ein Beispiel: Substantivisch: „Die Supergut GmbH schmälert die Gewinnerwartungen für das kommende Jahr. Verbal: „Die Supergut GmbH erwartet für das kommende Jahr geringere Gewinne.“ Zu viel darf man sich von dieser Methode aber nicht erwarten, da es stark darauf ankommt, wie viele Substantive aufgelöst werden können. In diesem Fall, mit einem einzelnen aufgelösten Substantiv, spart man immerhin 5 Zeichen.
  • Satzbau
    Die zweite Möglichkeit besteht darin, den Satzbau an sich zu ändern bzw. Nebensätze aufzulösen. Beispiele: Ausgangssatz: „Das Gerät besticht durch seine Benutzerfreundlichkeit und kommt ohne Einbußen bei der Sicherheit aus.“ Variante A: „Das benutzerfreundliche Gerät kommt ohne Einbußen bei der Sicherheit aus.“ Variante B: „Das Gerät besticht durch seine Benutzerfreundlichkeit – ohne Einbußen bei der Sicherheit.“ Natürlich wird diese Möglichkeit je nach Textsorte bzw. konkreter Textstelle nicht immer umsetzbar sein, dennoch sollte man sie als Übersetzer in Betracht ziehen. Bei unseren Beispielen sparen wir respektable 28 bzw. 12 Zeichen.

Und bist Du nicht willig, so brauch ich Gewalt – Bestandteile weglassen

Trotz all dieser Varianten gibt es Fälle, bei denen ich als Übersetzer an die Grenzen der Sprachvergewaltigung komme. Wenn wirklich nichts mehr geht, muss ausgemistet werden. Die ersten Opfer gibt es bei den Füllwörtern und ausschmückenden Adjektiven. Wenn es dann immer noch nicht reicht, um die vorgegebene Länge zu erreichen, muss eine Entscheidung her. Was ist wichtig, was kann weg? Als Übersetzer hat man nur selten die Möglichkeit, diese Entscheidung selbst zu treffen. Welche Aussage des Ausgangstextes ist für den Autor bzw. den Kunden so wichtig, dass sie nicht unter den Tisch fallen darf? Oftmals ist das nicht unbedingt der Teil, den man als Dritter weggelassen hätte. Hier gilt es: den Kunden einbeziehen.

Letztendlich gibt es eine Reihe von Mitteln, einen Text kürzer zu machen. Doch sind stets die Aussage des Textes, die Textsorte, die Verständlichkeit und der Wunsch des Kunden im Auge zu behalten.

Weihnachtsdatenbank des BDÜ wieder online

Wenn Sie Ihren internationalen Geschäftspartnern, Kunden, Lieferanten oder Freunden in diesem Jahr eine besondere Freude machen möchten, dann können Sie ihnen in der jeweiligen Landessprache ein frohes Weihnachtsfest wünschen. Die Übersetzung für “Frohe Weihnachten” in mehr als 80 Sprachen finden Sie ab heute auf der Website des Bundesverbands der Dolmetscher und Übersetzer e.V. (BDÜ) unter:

http://secure.bdue.de/weihnachtsdatenbank.php

Schöne Grüße und bereits jetzt Ihnen allen eine angenehme Vorweihnachtszeit, auch wenn es noch ein paar Wochen hin ist.

Kundenpflege in München

Nach längerer Zeit melde ich mich wieder über meinen Blog. Die letzten Monate haben viele spannende Aufträge, interessante Kontakte, neue Kunden und vieles mehr gebracht. Zu den Höhepunkten in dieser Zeit gehört für mich auf jeden Fall auch meine Geschäftsreise nach München vom 7. bis 9. Oktober. Hier dazu nur ganz kurz:

Warum ich nach München gefahren bin? Um Akquise ging es mir auf jeden Fall nicht. In den zweieinhalb Tagen, die ich in der bayerischen Landeshauptstadt verbracht habe, habe ich drei Unternehmen besucht, für die ich bereits arbeite. Außerdem hat es glücklicherweise auch noch für einen Kaffee mit einer lieben Übersetzerkollegin gereicht, die ich längere Zeit nicht gesehen hatte. Ich wollte meine Ansprechpartner bei den Unternehmen, mit denen ich teilweise schon jahrelang mehrmals in der Woche zu tun habe, einfach mal (besser) kennenlernen. Man spricht ganz anders mit einem Menschen, wenn man ein Gesicht vor Augen hat und weiß, wie der andere so tickt. Gerade in Geschäftsbeziehungen finde ich das sehr wichtig, da man so potentielle Missverständnisse von vornherein vermeiden kann.

So habe ich viele nette Menschen mit spannenden Lebensläufen kennengelernt, über gemeinsame Projekte gesprochen, getratscht und gelacht. Es war ein schönes Erlebnis, das ich gerne bald mal wiederholen möchte. Mal sehen, wohin mich meine nächste Geschäftsreise führt…

Demnächst an dieser Stelle hoffentlich wieder mehr aktuelle Beiträge von mir.

Schöne Grüße

Florian Tejera

Technische Übersetzerin mit Musik im Blut

Ich selbst höre zwar gerne Musik, bin ansonsten aber bis in die letzte Zelle meines Körpers durch und durch unmusikalisch. Ich kenne jedoch eine Kollegin, da sieht das ganz anders aus. Daher möchte ich die Gelegenheit nutzen, Ihnen eine überaus charmante und kompetente Englisch-Kollegin zu empfehlen.

Michelle Ruth Kloppenburg, technische Übersetzerin und Pianistin

Dr. Michelle Ruth Kloppenburg

Ihr Name ist Michelle Ruth Kloppenburg, promovierte US-amerikanische Muttersprachlerin, die seit längerer Zeit in Deutschland lebt. Sie ist seit über 15 Jahren als Übersetzerin in der Sprachkombination Deutsch-Englisch aktiv und bewegt sich hauptsächlich in den Bereichen Automobiltechnik, Maschinenbau, IT und E-Mobility. Aber auch Marketing-Texte fallen durchaus in ihren Kompetenzbereich. Als geübte Pianistin hat sie ein Ohr für den richtigen Klang, sodass sie immer den richtigen Ton trifft, natürlich auch in sprachlicher Hinsicht. Davon profitieren nicht nur die von ihr erstellten Übersetzungen aus dem Marketing-Bereich, sondern auch die Texte, die sie kompetent auf Grammatik, Stil und andere Aspekte lektoriert. Und wo wir gerade beim Thema sind… selbst technischen Texten kann ab und an ein bisschen Melodie nicht schaden.

Wenn Sie neugierig geworden sind, dann schauen Sie sich doch das Profil von Michelle auf Xing oder LinkedIn an. Wenn Sie es direkter mögen, dann erreichen Sie sie unter:
michellek@paderborn.com bzw. 0175 8389122.

Kurzer Bericht zum Workshop „Texte redigieren mit Stil“

Erfahrungsberichte sollte man immer möglichst kurz nach der Veranstaltung schreiben. Auch ich nehme mir das jedes Mal wieder aufs Neue vor, scheitere aber oft kläglich. So geht es mir auch mit meinem Bericht zu dem Workshop „Texte redigieren mit Stil“ von Henrike Doerr, den ich im Februar dieses Jahres in Köln besucht habe.

Andererseits hat es auch Vorteile, wenn man etwas mit Abstand betrachtet. Die wirklich wesentlichen Dinge treten deutlicher hervor, da diese am stärksten in Erinnerung bleiben. Deshalb möchte ich mich hier auch nicht in Einzelheiten verlieren, sondern nur in groben Zügen erwähnen, was mir besonders in Erinnerung geblieben ist.

Da wäre natürlich der Inhalt an sich. Was heißt überhaupt „redigieren“? Was ist guter Stil und gibt es objektive Kriterien? (Die Antwort lautet übrigens: Ja.) Was ist der Unterschied zwischen Korrektorat, Lektorat und Redaktion? All das wurde sehr eingehend behandelt. So ist zum Beispiel der Unterschied zwischen Korrektorat, Lektorat und Redaktion in der Praxis fließend. Jeder kann es anders verstehen, weshalb man im Gespräch mit dem Kunden genauer abklären sollte, was bei einem diesbezüglichen Projekt genau erwartet wird.

Was für mich ebenfalls ein riesiger Pluspunkt war, sind die praktischen Übungen. Wir konnten uns an vielen, sehr verschiedenen, teils auch sehr lustigen Texten ausprobieren und das Gelernte direkt in die Tat umsetzen. So blieb es immer spannend. Von Langeweile war weit und breit keine Spur.

Das absolute Highlight des Workshops war jedoch zweifellos die Referentin selbst. Ohne sie wäre der Workshop nur halb so gut geworden. Ich möchte es kurz machen: Frau Henrike Doerr ist eine tolle Referentin, die weiß, wie sie die Leute mitnimmt. Darüber hinaus ist sie in ihrem Fach superkompetent. Ein Traum für jeden Seminarteilnehmer und Auftraggeber!

Wenn Sie mehr über Frau Doerr erfahren möchten, dann besuchen Sie doch ihre Website:
www.text-welten.com

Schöne Grüße
Florian Tejera Valenzuela

Aktueller Stand des Mentoring-Programms des BDÜ NRW

Seit diesem Jahr gibt es auch im Landesverband Nordrhein-Westfalen des BDÜ (Bundesverband der Dolmetscher und Übersetzer e.V.) ein Mentoring-Programm für Dolmetscher und Übersetzer. Mit diesem Programm erhalten Berufseinsteiger die Möglichkeit, am Anfang ihrer Selbstständigkeit von den Erfahrungen und dem Wissen erfahrener Kollegen zu profitieren. Dabei kann es um Akquise, Preiskalkulation, Projektmanagement, Umgang mit Kunden, Reklamationsmanagement, Steuerfragen, Vereinbarkeit von Familie und Beruf und viele weitere Themen gehen.

Als zuständiger Referent des Mentoring-Programms in NRW bin ich hautnah dabei und freue mich, dass sich das Programm mittlerweile sehr gut entwickelt. Daher möchte ich Ihnen gerne kurz den aktuellen Stand vorstellen.

Für jeden Mentee den passenden Mentor

Nach einem anfänglich schleppenden Start haben sich mittlerweile sieben Mentoring-Paare in ganz NRW zusammengefunden, ein achtes Paar steht hoffentlich kurz davor. Die Rückmeldungen der Mentees sind bisher durchweg sehr positiv. Eine junge Kollegin meinte sogar, dass sie nicht gedacht hätte, dass es einen dermaßen perfekt auf sie passenden Mentor geben könnte. Einen geeigneten Mentor für einen bestimmten Mentee zu finden ist nicht immer ganz leicht, weshalb ich mich besonders freue, dass es bisher größtenteils sehr gut klappt.

Mentoren gesucht

Aktuell bin ich auf der Suche nach wenigstens zwei weiteren Mentoren bzw. Mentorinnen, die gerne jeweils eine junge Kollegin betreuen möchten. Es geht um ganz allgemeine Fragen zur Selbstständigkeit, wie etwa darum, wie man an neue Kunden kommt, wie man Preise verhandelt, Angebote erstellt, mit CAT-Programmen arbeitet usw. Das sollte für die meisten Kollegen, die seit mehreren Jahren erfolgreich aktiv sind, kein Hexenwerk sein. Interessierte können sich gerne HIER über das Mentoring-Programm informieren. Oder schicken Sie einfach eine E-Mail an:
nw.mentoring@bdue.de.

Schöne Grüße

Florian Tejera Valenzuela
Referent des Mentoring-Programms des BDÜ NRW