Ausblick auf SDL Trados Studio 2015

In wenigen Wochen kommt SDL Trados Studio 2015 heraus, die neue Version eines der am weitesten verbreiteten Werkzeuge in der Übersetzungsbranche. Da auch ich die Vorgängerversionen seit nunmehr 9 Jahren nutze, war ich besonders gespannt auf das Webinar „Fragen Sie Dr. Studio – Houston, neue Version ist im Anmarsch! Heute sehen was morgen drin ist“. Bei diesem Webinar stellte Jerzy Czopik, alias „Dr. Studio“, ein erfahrener Übersetzer, langjähriger Trados- bzw. Studio-Trainer und Beta-Tester für SDL, einige der neuesten Features des bisher nur als Beta-Version vorliegenden Programms vor.

Hier ein kurzer Überblick über einige Funktionen, die mir als besonders bemerkenswert in Erinnerung geblieben sind:

  • Das bisher als Plugin verfügbare AnyTM, mit dem u. a. TMs mit umgekehrter Sprachrichtung in ein Projekt eingebunden werden konnten, ist nun standardmäßig in das Programm integriert.
  • Das Einfügen von Sonderzeichen und Symbolen ist deutlich einfacher (Einfügen über das Ribbon-Menü oder Tastenkombinationen).
  • Die Cursorposition wird beim Schließen eines Dokuments gespeichert, sodass beim erneuten Öffnen wieder das Segment aktiv ist, in dem sich der Cursor als letztes befand. Bisher werden Dokumente immer bei Segment 1 geöffnet.
  • Die Ribbon-Menüs können nahezu vollständig an die eigenen Bedürfnisse angepasst werden.
  • In Studio ist jetzt auch eine Autokorrektur im Stile von Word integriert, sodass zum Beispiel zwei aufeinanderfolgende Großbuchstaben am Anfang eines Wortes der Vergangenheit angehören. Außerdem werden Anführungszeichen bei der Eingabe automatisch typografisch angepasst, sodass sie den Vorgaben der jeweiligen Sprache entsprechen. Für mich eine großartige Neuerung!
  • Es gibt aktualisierte Dateitypen (für InDesign, Framemaker, Word usw.) sowie einige völlig neue Dateitypen, so etwa „Bilingual Excel“. Hier können Excel-Dateien eingelesen werden, in deren Spalten unterschiedliche Sprachen (also Übersetzungen) enthalten sind (z. B. in Spalte A Englisch und in Spalte B Spanisch). Es kann festgelegt werden, welche Spalte der Ausgangstext und welche der Zieltext sein soll. Bereits enthaltene Übersetzungen können übernommen und direkt bestätigt werden.

Die  zwei für mich schönsten Funktionen kommen jedoch erst noch:

  • Es wurde eine Art Live-AutoSuggest integriert, d. h. es werden Abschnitte von Segmenten vorgeschlagen, sobald man die ersten paar Buchstaben getippt hat. Hierfür ist es im Gegensatz zur herkömmlichen AutoSuggest-Funktion jedoch nicht erforderlich, extra eine AutoSuggest-Datenbank zu erstellen. Die Treffer kommen direkt und live aus dem TM. Gerade bei Verträgen und technischen Texten, wo sich oft Halbsätze wiederholen, ist das eine wunderbare Sache.
  • Seit einigen Jahren können aus einem Studio-Projekt Lektoratsdateien (Word-Dateien mit Tabellen) für eine externe Prüfung exportiert werden. Diese Funktion war nützlich, aber auch sehr umständlich und fehleranfällig. Jetzt soll es möglich sein, die Übersetzungsdateien direkt aus dem Zieltext heraus zu aktualisieren. So kann zum Beispiel der Endkunde direkt im Zielformat (welche Formate unterstützt werden, ist noch nicht ganz klar) Änderungen vornehmen und muss sich nicht mit Zwischenformaten herumärgern. Diese Änderungen können dann, nach einem Prüfungsschritt in der Alignment-Umgebung (es handelt sich im Grunde um einen Alignment-Prozess), direkt in die sdlxliff-Datei übernommen werden, wo sie als Änderungen gekennzeichnet werden.

Auch wenn einige der Funktionen schon in anderen CAT-Tools vorhanden sind, so bin ich durchaus beeindruckt und freue mich darauf, diese nun auch in dem Programm nutzen zu können, mit dem ich jeden Tag arbeite. Ich bin gespannt, was die Release-Version am Ende bieten wird.

Schöne Grüße
Florian Tejera Valenzuela